Samstag, 22. Juli 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Frühstück im Weltladen am Charlottenplatz - mit Kaffee und aktivistischer Hirnnahrung

Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr hattet alle eine schöne Woche? Meine ist so an mir vorbeigerauscht, dass ich am Freitagabend völlig überrascht vom Wochenende war. Gefühlt war immer noch eher Mittwoch. Aber mittlerweile bin ich jetzt ausgeschlafen bin, war in einem meiner Lieblingscafés frühstückslesen und klicke mich gleich an mein CSD-Blogparaden-Regenbogenkissen gekuschelt zu Andreas Samstagsplausch - so komme ich schnell im Samstag an.
Nachher treffe ich mich mit meiner Mama, um einen längst überfälligen Mutter-Tochter-Urlaub für den Spätsommer zu planen. An meiner Seite will sie sich nämlich erstmalig in ein Flugzeug wagen - und dann Berlin erkunden. Ich freu mich jetzt schon!

Bevor ich nachlese, wie ihr anderen eure Woche verbracht habe, will ich euch an meinen Netzfunden der Woche teilhaben lassen:

Über Lisa von "Radau im Nähzimmer" habe ich eine Seite voller Mitschnitte von Ringvorlesungen der Gender Studies der Uni Marburg aus den letzten Jahren gefunden. Ich bin ja jetzt einige Zeit aus dem Studium raus - und noch länger aus der Phase, in der man inspirierende Vorlesungen hört. Schön, dass die Uni Marburg diese Mitschnitte öffentlich zugänglich gemacht hat!


Dank der Instastory von Feminismus im Pott bin ich auf diesen Beitrag des Deutschlandfunks über Homosexualität im Frauenfußball aufmerksam geworden, in dem nicht nur darüber gesprochen wird, dass lesbische Frauen trotz eines vermuteten Anteils von etwa fünfzig Prozent recht unsichtbar bleiben, sondern auch über die Sexualisierung in der Vermarktung des Sports, um "den Frauenfußball sexy [zu] machen, so dass Männer uns dafür mögen. Das ist ja auch nur eine Form von Sexismus." Dass diese Strategie offenbar nicht so richtig aufgeht, bemerke ich als fußball-desinteressiertester Mensch ever hauptsächlich daran, dass Männerfußball für nervtötende Ausnahmezustände führt, während ich von den Damen tatsächlich nur mitbekomme, wie deren Brüste in den Medien herumgeschwenkt werden. Aufmerksamkeit auf die sportliche Leistung zu lenken, funktioniert offenbar nicht so richtig.

Bei Spiegel Online hat Margarete Stockowski wieder einmal heftig mit den Augen gerollt, nachdem Claus Kleber ein Interview mit Maria Furtwängler geführt hat. Sie hat mit ihrer Stiftung MaLisa eine Studie zu unterschiedlicher Geschlechterrepräsentanz in Fernsehen und Kino durchführen lassen - ein Studienthema, das zu dem Herr Kleber gerne wissen möchte, ob Frau Furtwängler mit ihrer Studie eine Umerziehungsagenda verfolge, die auf  "Geschlechterproporzgeschichte"herauslaufe. Warum "Umerziehung" jetzt vielleicht nicht das Wort der Wahl sein sollte, warum es schön wäre, mehr weibliche Vorbilder in audiovisuellen Medien zu haben und was das Festhalten an einer männlichen Besetzung von Doctor Who mit Asbest zu tun hat, fand ich hier wie üblich sehr angenehm zu lesen. Nicht angenehm zu lesen und nicht empfehlenswert sind die Kommentare unter der Kolumne. Wie üblich, wenn's um Feminimus geht (auch wenn ich hier auf die Schnelle keine Gewaltfantasien gesehen habe, wie sie einem auf Facebook und Instagram um die Ohren fliegen).

Dass man Kommentare einfach grundsätzlich nie lesen sollte, schreibt Lady Tea im innenAnsicht-Magazin zu den "13 Dingen, die mir der Feminismus beigebracht hat".Wie recht sie doch hat! Mit anderen Punkten auf ihrer Liste ebenfalls.

 Habt alle ein wundervolles Wochenende!

Donnerstag, 20. Juli 2017

[CSD-Blogparade] Ein ganzer Regenbogen

Das ist mein Eulerich Fluff. Er hat ein Körnerkissen im Bauch und mag Regenbögen und riesige Lollies.
Im Mai hat mich Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben gefragt, ob ich Lust hätte, sie bei ihrer Linkparty zum CSD als Paradebloggerin zu unterstützen. Und ob ich das hatte! Mittlerweile läuft die Parade seit dem 28.6. und die hier zu bestaunenden Beiträge sind ganz unterschiedlich und allesamt fantastisch.

Ich darf heute eine Werkelei hinzufügen, von deren Entstehung ihr auf Instagram bereits kleine Ausschnitte erspähen konntet: Eine regenbogenbunte Hexagon-Kissenhülle.

Diese Kissenhülle leuchtet, wenn man sie in die Sonne hält. Ich bin hin und weg davon.
In Finnland hatte ich einen Mitbewohner, den ich sehr mochte. Er hat mir Kuchen gebacken, wenn ich krank war, ich habe ihm Pfannkuchen zum Frühstück gemacht. Wenn ich eine Umarmung brauchte, habe ich an seine Tür geklopft. Erst nach Monaten, in einer ziemlich betrunkenen Nacht, hat er mir gesagt, dass er schwul ist.
Schon kurz darauf haben wir unsere WG aufgelöst und jeweils die Heimreise angetreten. Ich war traurig, weil Finnland mein happy place geworden war. Mein Mitbewohner hingegen war panisch, weil er zu Hause sein Coming Out gegenüber seinen Eltern plante.
Wochenlang habe ich ihm über einen Ozean hinweg virtuell die Hand gehalten, während er mehrere Anläufe unternahm, es ihnen zu sagen und sich im letzten Moment doch nicht traute. "I just couldn't do it. I am so afraid. What if they don't love me anymore?"
Als er sich doch getraut hat, hat seine Mutter ihn zuerst gefragt, ob er psychatrische Hilfe in Anspruch genommen hat und danach überhaupt nicht mehr mit ihm gesprochen.

Fluff findet, man kann sich ziemlich gut an das Kissen ankuscheln.
An diesen ehemaligen Mitbewohner denke ich, wenn jemand behauptet, Homosexuelle würden  dermaßen hofiert werden, dass man sich als heterosexuelle Person diskriminiert fühle.
Ich fühle mich nicht diskriminiert als Frau, die in einer Beziehung mit einem Mann lebt. Ich bin dankbar, dass ich meinen Eltern von meinem Partner erzählen kann, ohne Angst vor ihrer plötzlichen Ablehnung zu haben. Dass ich am Montagmorgen im Büro vom Wochenende mit dem Lieblingsmenschen erzählen kann, ohne dass tagelang darüber getratscht wird. Ich sehe keine Diskriminierung darin, dass meine Beziehungsform derart gewöhnlich ist, dass sie kein Politikum ist.
Ich habe nur ein paar vereinzelte Hexagone gequiltet. Das sieht luftiger aus, finde ich.
Sexualität kann erst dann wirklich Privatsache sein, wenn sie als alltäglich wahrgenommen wird. Dass das nicht der Fall ist, zeigen geifernde Reaktionen auf die Öffnung der Ehe. Es müsse doch mal Schluss sein, las ich viel zu oft und fragte mich, warum denn bitte Schluss sein sollte, solange die Liebesbeziehungen mancher Menschen als Beziehungen zweiter Klasse behandelt werden? Solange nicht völlig wurscht ist, wer mit wem wie verbunden ist, bleibt die Liebe ein politisches Thema - und CSD-Linkparaden wie diese sowie andere Pride-Aktionen notwendig. Um für Sichtbarkeit zu sorgen. Um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es neben der Heterobeziehung auch noch was anderes gibt. Und um so Stück für Stück für Normalität zu sorgen.

Gewöhnung funktioniert nämlich. Nachdem die Mutter meines ehemaligen Mitbewohners tagelang nicht mehr mit ihm gesprochen hat, ist ihr aufgefallen, dass die Homosexualität ihres Sohnes einen Scheiß daran ändert, dass er ihr liebenswerter, kluger, freundlicher Sohn ist. Heute sagt sie zu Nachbarn: "Na und? Dann hab ich halt einen Schwiegersohn, statt einer Schwiegertochter. Und wisst ihr was? Der ist super!"

Wenn ihr auch dazu beitragen möchtet, dass die Nähblogs ein bisschen zu mehr Farbe, Vielfalt und Toleranz beitragen, könnt ihr noch bis zum 31. Juli mitmachen. Ich würde mich sehr freuen, von euch zu lesen!
Hier geht's entlang zum Mitmachen!

Samstag, 15. Juli 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Regenbogenfarbener Samstagstee
Guten Morgen ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Meine ist verdammt schnell vergangen - nicht zuletzt, weil ich fleißig an meinem Beitrag zu Karins CSD-Linkparty herumgestichelt habe. Am Donnerstag ist mein Paradebeitrag nämlich schon dran! Parallel zur eigenen Näherei habe ich mit Spannung verfolgt, was die anderen Beitragenden so zu zeigen und zu sagen hatten und fand jeden einzelnen Post lesenswert. Bis zum 31.7. hat ihr alle noch die Gelegenheit, ebenfalls farbenfrohe Fotos und Werkeleien zu teilen. Ich würde mich freuen, noch viele andere Beiträge zu lesen!

Hier gibt es alle bisherigen Beiträge zu sehen.

Auch andere Ecken des Internets waren diese Woche sehens- und hörenswert. So bin ich vor einiger Zeit auf den feministischen Blog thea gestoßen, der sich nicht zuletzt damit auseinandersetzt, wie Frauen in der Sprache vorkommen. Als sprachverliebte Feministin ist das natürlich ein Blog für mich! Zuletzt ging es um historische Zitate - und warum diese frauenfeindlich sein können. Dass "Dann sollen sie doch Kuchen essen!" a) falsch übersetzt wurde und b) vermutlich nicht mal was mit Marie Antoinette zu tun hat, wird hier ausgiebig erklärt und in einen größeren Zusammenhang gestellt. Spannend!

Verdammt verstörend fand ich hingegen den Vortrag "Der Wille zum Nein" von Dania Alasti. Sie spricht darin über die Rechtsprechung in Vergewaltigungsfällen. Die Erkenntnis, dass nach deutschem Recht Sitzblockaden physische Gewalt sind, sexuelle Handlungen gegen den Willen der oder des Anderen lange Zeit aber nicht als solche gewertet wurden, ist krass. Der Vortrag enthält die recht detailierte Beschreibung eines Übergriffs, seid also vorsichtig.

Hier könnt ihr euch den Podcast anhören.
Zuletzt habe ich mich auch noch massiv über diesen Artikel auf ZEIT Online geärgert, in dem eine Journalistin sich darüber auslässt, was für eine tolle Möglichkeit Umzüge seien, um eine Stadt kennenzulernen. Während ich versucht war, ihr stattdessen ausgedehnte Spaziergänge vorzuschlagen, rollten meine Augen langsam in den Hinterkopf. Besonders angesichts solcher Sätze kommt mir ja auch die Galle hoch: 
"Umzugstage sind eine genderdebattenfreie Zone – die Jungs schleppen, bohren und wuchten, die Mädels wickeln ein, packen aus und dekorieren herum – MINT-Kampagne my ass."
Hätte ich das mal früher gewusst. Blöderweise habe ich mich nämlich vor dieser Lektüre zwecks Umzugshilfe mit einem befreundeten Paar verabredet. Zum Kisten tragen und in Autos wuchten, um genau zu sein, gemeinsam mit allen Anwesenden.

Wenn meine Arme dann vor lauter Schlepperei dann bis zum Boden reichen, werde ich mich noch bei Andreas Samstagsplausch niederlassen und herausfinden, was ihr diese Woche so getrieben habt. . Ich freu mich drauf!

Habt ein zauberhaftes Wochenende!

Mittwoch, 12. Juli 2017

Feministenmonster

Das grüne Herz am rechten Fleck: Mein neuestes Monsterchen ist fertig!

Anfang des Jahres habe ich mich auf Instagram bereit erklärt, bei #freudeschenken 2017 teilzunehmen und im Rahmen dessen fünf weiteren Menschen in diesem Kalenderjahr eine Freude zu machen. Mittlerweile ging das zweite Päckchen auf Reisen - zu Veronika, erneut mit einem revoluzzzionären Monsterchen nach einen kostenlosen Tutorial von Revoluzzza.

Veronika mochte das erste #freudeschenken-Monsterchen und beschreibt sich in ihrer Instagram-Bio als Feministin. Was lag da näher, als mal wieder ein feministisches Monster zu verschicken?


Kämpferisch: Die Rückenverzierung.
Warum eigentlich Feminismus? "Wenn du für Gleichberechtigung bist, warum dann eine Bezeichnung, die Frauen so herausstellt?", hat mich ein Freund mal gefragt - und er ist bei weitem nicht der Einzige, der diese Bezeichnung nicht einleuchtend findet. 
Mir erscheint sie passend, weil es immer noch weiblich konnotierte Eigenschaften und Tätigkeiten sind, die in der Gesellschaft weniger Anerkennung erfahren.

Beispiel gefällig? Dass textile Handarbeiten nicht als Handwerk, sondern als Tüddelkram gelten, entspricht diesem Mechanismus. "Das kann man doch alles kaufen. Was für eine Zeitverschwendung!" höre ich sehr viel häufiger als Argument gegen meine Hobbys als mein Bruder, der gerne an Autos herumschraubt.

Das Ziel kann an der Stelle ja nun nicht sein, die Nase über meinen Werkzeug schwingenden Bruder zu rümpfen, damit wir beide gleich (mies) behandelt werden. Wünschenswert ist in meinen Augen stattdessen, dass weiblich konnotierte Eigenschaften und Tätigkeiten eine Aufwertung erfahren, um sie auf denselben kulturellen Status zu heben, wie ihre männlichen Pendants.

Natürlich ist das bei weitem nicht alles, was man über Feminismus sagen kann. Deswegen schreiben andere ganze Bücher oder Blogs darüber oder nehmen Podcasts dazu auf. Aber dieser Mechanismus ist der Grund, warum ich mich mit dem Begriff des Feminismus identifizieren kann. 

Und damit geht dieses Monsterchen mit erhobener Faust zu Jules Monatssammlung politischer Handarbeiten.

Sonntag, 9. Juli 2017

[Samstagstee] am Sonntag

Samstagstee mit Lektüre und kunterbunten Hexagonen - beides werdet ihr bald wiedersehen.
Hallo ihr Lieben,

long time no see. Dass ich zu Hause kein Internet mehr hatte, hatte ich ja berichtet. Deswegen wollte ich meine Fortbildung in Kulmbach unter anderem nutzen, um im Hotel ein paar Blogposts vorzubereiten. Ich hätte auch Dinge zu erzählen gehabt, zum Beispiel habe ich "Wonder Woman" im Kino gesehen (und fand ihn eher mies), habe einen feministischen Post für Frau Jules Sammlung politischer Handarbeiten zur Hälfte geschrieben und mich riesig über das "Ja!" zur Ehe für alle gefreut...

Aber zur selben Zeit ist eine Frau gestorben, die ich sehr mochte. Hätte ich gewusst, wie wenig Zeit wir haben würden, hätte ich sie öfter getroffen, häufiger Kontakt gehabt, ... So kannte ich sie viel weniger gut, als ich wollte. Aber trotzdem wird sie mir in Erinnerung bleiben als einer der freundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe, liebevoll und mit weit offenen Armen - bereit, mich von der ersten Minute an in ihr Herz zu schließen. Sie ist jetzt seit zwei Wochen tot und ich glaube, so richtig ist das immer noch nicht bei mir angekommen.

Aber zumindest habe ich es geschafft, mir wieder Internet zu beschaffen, so dass ich euch in den nächsten Wochen wieder mit Netzfunden, Werkeleien und Buchrezensionen beglücken kann. Es ist schön,wieder hier zu sein und an Andreas Samstagstafel verspätet Platz nehmen zu können.

Habt eine wundervolle Woche - und sagt euren Lieblingsmenschen, dass ihr sie mögt.

Samstag, 24. Juni 2017

[Samstagstee] mit bunten Netzfunden

Archivbild again, ich war diese Woche unterwegs - leider ohne Kamera.
Diese Woche war ich fortbildungsbedingt in Kulmbach, einem fränkischen Städtchen in der Nähe von Bayreuth. Die letzten fünf Tage waren richtig intensiv, ich habe ganz viel gelernt und hoffe, dass mich das alles auch längerfristig weiterbringt. Zu kurz gekommen ist dabei leider das Erkunden der Stadt - außerhalb der Biergärten, Dönerbuden und Restaurants, die ich so in Mittagspausen und an Feierabenden aufgesucht habe. Schade, denn die durch Renaissance und Barock geprägte Innenstadt ist wirklich hübsch und die Plassenburg scheint zumindest von dort aus tatsächlich einen Spaziergang wert zu sein!

Statt spazieren zu gehen, habe ich die viel zu warmen Abende zumindest teilweise im Internet verbracht und dabei einiges aufgestöbert, was ich gerne mit euch teilen möchte und zu diesem Zwecke zu Andrea schubse.

Erinnert ihr euch noch an meine Begeisterung über die kleine Google-Doodle-Maus zum Frühlingsanfang, mit den putzigen Stickereien in ihrer Wohnhöhle? Hier hatte ich darüber geschrieben. Und konnte mich am Mittwoch über eine Fortsetzung freuen: Es gab nämlich auch ein Doodle zum Sommeranfang

So niedlich! Die Google-Doodle-Sommermaus.

Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben startet in der nächsten Woche eine Linkparty zum CSD, dem Christopher-Street-Day. Diesen Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag wird überall auf der Welt genutzt, um für Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transpersonen und Intersexuellen zu demonstrieren - für Vielfalt, Toleranz und eine bunte Welt. Deswegen wird es bunt bei Karin - und ich darf am 20. Juli mit einem bereits geplanten Post als Parade-Bloggerin mit dabei sein. Wer euch noch mit ganz viel Farbe erfreuen wird, findet ihr hier heraus.

Auch mit dem nächsten Fund bleibe ich beim Thema: In seiner aktuellen Reihe "Extreme(ly Queer) Muslims" führt Dylan Marron Interviews mit Muslimen, die schwul, lesbisch oder transgender sind - um mit dem Vorurteil aufzuräumen, es handle sich dabei um einen unüberwindbaren Gegensatz. Die Teenvogue hat dafür lobende Worte gefunden und auch mir haben die drei bisherigen Episoden gut gefallen. Wer neugierig geworden ist, kann hier das erste Interview anschauen - oder in Dylan Marrons Youtube-Kanal nach weiteren Videos Ausschau halten.


Danach habe ich noch was Fieses im Kontrast: In der Online-Ausgabe der WAZ wurde am Mittwoch ein Artikel über eine geleakte WhatsApp-Unterhaltung der AfD in Sachsen-Anhalt erschienen, in der unter anderem ein Polizist "Säuberungen" in den Medien nach der "Machtübernahme" fordert. „Unschön gerade im Wahljahr, dass das veröffentlicht worden ist“, wird AfD-Landtagsabgeordneter und Bundestagskandidat Andreas Mrosek aus Dessau im Artikel zitiert. Dass das geleakt wurde, ist nicht mein Problem mit diesen Chat-Nachrichten, echt nicht.

Damit ich euch nicht mit sowas ins Wochenende entlasse, hier noch eine Idee, wie man die Welt vielleicht zu einem freundlicheren Ort machen könnte: Die HNO-Klinik in Hannover sucht  Menschen, die Lust haben, kleine Häkelschnecken zu fertigen. Die sind als Geschenk gedacht für Kinder, die ein Cochlea-Implantat bekommen. Mehr Infos und einen Link zum Anleitungs-PDF findet ihr hier.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende. Genießt es, was auch immer ihr tut!

Mittwoch, 21. Juni 2017

[Rezension] Ink


Metallisch schimmernder Einband? HervorragendeBeute für meine innere Buch-Elster!
In der vorletzten Ecke des Untergeschosses von All Amounts of Books (Soho, London), wo der Fußboden zittert, wenn die Tube darunter hindurch fährt und wo alle Bücher nur ein Pfund kosteten, schimmerte es mir aus einem Regal entgegen. Metallisch kupfern, mit stilisiertem Vogelmuster hat mich "Ink" von Alice Broadway direkt angezogen. Weil es sich um ein unkorrigiertes Rezensionsexemplar handelte, stand nicht einmal eine Inhaltsangabe hinten drauf. Trotzdem habe ich es mitgenommen und bin bereits auf der Heimreise nach Stuttgart tief in die Welt eingetaucht, die sich rund um die Hauptperson Leora entfaltet.

In der dargestellten Gesellschaft werden alle wichtigen Ereignisse im Leben der Menschen auf deren Haut tätowiert. Durch Blut, Schmerz und Tinte wird so den Mitmenschen offen gelegt, wer man ist - und das vom zweiten Tag des Lebens an. Die Tattoos sind sogar über den Tod hinaus so wichtig, dass Verstorbene gehäutet, die Tattoos zu einem Buch gebunden und in der Familie durch die Generationen weitergereicht werden. So bewahrt man die Ahnen vor dem Vergessen - dem schlimmsten, was mit einem Menschen geschehen könnte. Entsprechend ist die Verbrennung des eigenen Hautbuchs die höchste Strafe überhaupt, zu der ein Mensch verurteilt werden kann.
Die Körperkunst ist so zentral für das Selbstverständnis, dass untätowierten Menschen Hass entgegen schlägt: Ihre Weigerung, ihr Selbst nach außen zu kehren, wird als potenziell kriminell motivierte Heimlichtuerei empfunden - und mit einer Gewalt bekämpft, die noch vor Leoras Geburt in Zwangsumsiedlungen (und vermutlich weit Schlimmerem) mündete. Dieser Hass wird zum Zeitpunkt der Erzählung von einem neuen Präsidenten erneut geschürt, dessen Agenda mit "Make Tattoos great again!" gut beschrieben wäre.

In dieser Gesellschaft sucht Leora mit 16 Jahren gerade ihren Platz, als sie erfährt, dass ausgerechnet ihr kürzlich verstorbener Vater "vergessen" werden, das Buch aus seiner Haut also verbrannt werden soll. Das stellt ihr Leben komplett auf den Kopf und lässt sie an allem zweifeln, was sie bisher für selbstverständlich gehalten hat.

So ein hübsches Buch kann ich unter keinen Umständen liegen lassen. Erst recht nicht, wenn es nur ein Pfund kostet.

Nachdenklich ist Leora, ein bisschen grüblerisch. Ein Mädchen, das lieber hinter Büchern verschwindet, als mit Klassenkameraden Party zu machen. Mit einer mir aus meiner eigenen Pubertät durchaus vertrauten Akribie untersucht sie die neuesten Dehnungsstreifen und würde ihren Körper lieber verstecken als ihn der Welt so offenherzig zu präsentieren, wie es üblich ist. Meinem jugendlichen Ich hätte Leora eine ziemlich gute Identifikationsfläche geboten.

Trotzdem war ich am Ende nicht rundum beglückt und das liegt nicht nur daran, dass ich mittlerweile älter bin und meine Dehnungsstreifen längst als vorhanden akzeptiert habe. Besonders gestört hat mich, dass im ersten Teil des Buches Schlussfolgerungen für meinen Geschmack nur sehr langsam gezogen werden - Puzzleteile werden ausgeworfen und liegen dann gefühlt ewig direkt nebeneinander, ohne offiziell zusammengesetzt zu werden. Irgendwann verkehrt sich dieses Tempo dann auch noch ins Gegenteil. Im letzten Viertel des Buches findet eine derart massive Charakterentwicklung statt, die ich einem so nachdenklichen Charakter wie Leora in einer so kurzen Zeitspanne schlicht nicht abnehme. Allerdings muss ich an dieser Stelle der Autorin auch zugestehen: Es ist ihr erster Roman - da kann und muss man noch nicht alles richtig machen, finde ich.
Rein persönlicher Geschmack ist die Sprache. Diese war mir etwas zu schlicht, zu wenig poetisch. Mich hat sie entfernt an "Hunger Games" erinnert, das mich nicht zuletzt aufgrund des sprachlichen Stils nicht überzeugt hatte (weshalb ich nur den ersten Band kenne).

Überhaupt hat sich mir der Vergleich zur ebenfalls dystopischen "Hunger Games"-Reihe von Suzanne Collins aufgedrängt. "Ink" ist allerdings (zumindest im ersten Band) trotz aller abgeschälter Haut und latent faschistoider Gesellschaft wesentlich unblutiger, zarter in der Darstellung von direkter Gewalt. Und obwohl in beiden Fällen viel über Kleidung gesprochen wird - die Klamotten in "Ink" sind nicht so pompös. Was deutlich stärker herausgearbeitet wird und was mir unheimlich gut gefallen hat, sind die Folklore und die Darstellung der Gesellschaftsordnung von Leoras Welt. Diese Aspekte hatten mir bei den "Hunger Games" massiv gefehlt, denn ich lege sehr viel Wert darauf, einiges über die dargestellte Welt zu erfahren. Dass diese in "Ink" so intensiv erfahrbar gemacht wird, ist auch der Grund, warum ich die folgenden beiden Bände vermutlich lesen werde - und sie Fans von "Hunger Games", dystopischen Jugendromanen und Tattoos durchaus ans Herz legen möchte.

Samstag, 17. Juni 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Archivbild again: Dieses Mal aufgrund Internetausfalls.
Guten Morgen, ihr Lieben!
Mich hat diese Woche ein schweres Los ereilt, nämlich der nachhaltig aktive Ausfall des WLANs in meinem Zuhause. Deshalb schreibe ich diesen Post vorab, um euch überhaupt mit einem Lebenszeichen zu erreichen - am Handy schreibt es sich nicht ganz so angenehm.

Weil ich trotz Internetausfalls nicht so viel gewerkelt, sondern gelesen habe, müsst ihr euch heute auch noch mit fremden Stickereien begnügen. Die Vogel-Pin von Paulina Bartnik sind definitiv einen Blick wert - so naturgetreue und liebevolle Arbeiten könnte ich mir stundenlang anschauen.

Tierisch ist auch der nächste Link aus dem Jahre 2016. Ein schnuffiger Kater namens Barney hat zwanzig Jahre lang auf einem Friedhof gewohnt und dort bis zu seinem eigenen Tod Trauernden Trost gespendet. Wenn ich da an meine alte WG-Katze denke, die auch immer ankam, wenn es mir nicht gut ging und sich mit ihrem warmen, kleinen Körper um mich herumgewickelt hat, glaube ich, dass einem kaum etwas Besseres passieren kann.

Im ZEIT-Magazin fand ich einen Artikel zum Single-Dasein als Frau und fühlte mich an einen Punkt erinnert, den ich in meinen "Zehn Fakten über die Liebe" erwähnt hatte: Dass mir oft die Vorstellung begegnet, man sei als Mensch nur mit Partner eine vollständige Person. Marlene Teschner hat über diese Vorstellung aus persönlicher Sicht als Frau Ende 40 geschrieben und man hört das Augenrollen in jedem einzelnen Satz. Besonders geht ihr auf den Keks, dass diese Unvollständigkeit offenbar besonders für Frauen angenommen wird, während bei Männern viel stärker Konnotationen wie "Freiheit" und "Selbstbestimmung" im Mittelpunkt stünden. Ich geh dann nochmal nachschauen, in welchem Jahrhundert wir uns derzeit befinden...

Beim Springen von Link zu Link bin ich auf einen Artikel über Gisella Perl gestoßen, eine Gynäkologin, die im Konzentrationslager Auschwitz gezwungen war, mit Dr. Mengele zusammenzuarbeiten. Angesichts seiner tödlichen Experimente mit Schwangeren und deren ungeborenen Kindern sah sie nur einen Ausweg, um zumindest das Leben der Frauen zu retten: Abtreibungen ohne Schmerzmittel, ohne Desinfektionsmöglichkeit. Ich bin immer wieder berührt, wie viel einzelne Menschen auf sich genommen haben, um anderen (noch größeres) Leid zu ersparen - und traurig, dass nur so wenige bekannt sind.

Diese Links schicke ich nun zu Andrea und wünsche euch allen ein zauberhaftes Wochenende!

Mittwoch, 7. Juni 2017

[3 of a kind] I am slightly obsessed with

Im Juni will Sas etwas über die größten Obsessionen unseres Lebens wissen. Da musste ich wirklich nicht lange darüber nachdenken...
(Feministische) Stickerei ist eine ganz aktuelle Obsession. Mehr zu diesem Monsterchen findet ihr hier.
Meinem Instagram-Feed sieht man sehr genau an, wofür ich mich interessiere. Zwei der besonders herausstechenden Bereiche sind Stickerei und Feminismus - mit Überschneidungen zwischen beidem. Diese Überschneidungen haben mir erst so richtig gezeigt, wie viel politisches Potenzial in meinem scheinbar rein dekorativen Hobby steckt. Von den vielen stickenden Feministinnen möchte ich euch drei zeigen, die meinen Feed ganz besonders bereichern: fembroidery, Brinn Jones, Needle and Bitch.

Eine liebe Nähkromantin hat mir wundervolle Ohrringe gebastelt - passend zum ersten Lieblingsfandom.
Harry Potter war das erste Fandom, das mich so richtig erwischt hat. Davor gab es natürlich auch Bücher, die ich mochte, aber ich wollte noch nie so unbedingt in einem leben - Briefe mit Eulen verschicken, in der Winkelgasse umherbummeln und einen eigenen Zauberstab besitzen. Bei keinem anderen Fandom habe ich zuvor Fanfiction geschrieben oder mich anhaltend über das vollkommen dysfunktionale Mediensystem beklagt (der Regierungseinfluss ist definitiv zu groß!). In dem Moment, in dem ich dies tippe, habe ich das dringende Bedürfnis, mich an eine Fanfiction über eine junge Redakteurin beim Tagespropheten zu setzen, die entgegen der Anweisungen ihres Chefs im Zaubereiministerium recherchiert und dabei... Aber erst einmal diesen Blogpost über Obsessionen fertigstellen, nicht wahr?

Finnland - definitiv eine kleine Obsession von mir. Fragt meine armen Freund*innen.

2014 habe ich vier Monate im Südwesten Finnlands verbracht, wo die Straßenschilder finnisch und schwedisch sind, wo es nicht so viel kälter und dunkler ist als in Deutschland und wo die beste Uni-Bibliothek steht, die ich je hatte. Ich vermisse sie ebenso wie meine Flurnachbarn im Wohnheim und den Weg am Fluss, den ich immer entlang gegangen bin, um bei Lidl einzukaufen (weil Essen in finnischen Supermärkten astronomische Preise hat). Nach meiner Rückkehr habe ich etwa ein halbes Jahr lang jeden zweiten Satz mit "In Finnland..." angefangen. Es ist seitdem nur ein wenig besser geworden.

Noch mehr prächtige Obsessionen findet ihr bei Sas. Ich freue mich schon aufs Stöbern!

Samstag, 3. Juni 2017

[Samstagstee] mit Amanda Palmer

Guten Morgen! Ein Symbolbild - ich tippe dies nämlich schon am Freitagabend.
Guten Morgen, ihr Lieben!
Wenn ihr das lest, bin ich wahrscheinlich schon auf dem Sprung zum Bodensee - der Lieblingsmensch und ich nutzen das lange Wochenende nämlich, um ausgiebig gemeinsam in Zügen zu sitzen.


Am Donnerstag haben wir in München ein Konzert besucht, auf das ich mich mehr gefreut habe als auf jedes andere bisher: Amanda Palmer & The Legendary Pink Dots, die gerade mit ihrem gemeinsamen Album "I Can Spin A Rainbow" durch Europa touren. Und oh mein Gott, wie sehr blieb all diese Vorfreude hinter dem eigentlichen Konzert zurück. Es war mehr als fantastisch. So intensiv und seltsam und - herzlich. Ich liebe es ja sehr, wenn die Musizierenden miteinander und mit ihrem Publikum interagieren - und das tut Amanda. Unter Umständen mopst sie sich auch mal ein Smartphone aus dem Publikum, antwortet auf Zurufe aus dem Publikum und plaudert mit den anderen Menschen auf der Bühne. Ich habe an diversen Stellen laut gelacht, an anderen stand mir das Wasser in den Augen. Meine Gänsehaut reichte ungelogen von den Ohrläppchen bis zu den Kniekehlen. Und als sie ein Lied für ihren verstorbenen besten Freund Anthony spielte, habe ich schließlich Rotz und Wasser geheult. So darf das sein. Ganz, ganz große Konzert-Liebe und bestimmt nicht das letzte Konzert von Amanda, das ich sehen werde.

Mein Backpatch - natürlich war die Kutte mit in München.
Und heute geht es also an den Bodensee. Ehrlich gesagt, weiß ich noch nicht, was wir dort machen werden - der Lieblingsmensch gedenkt mich zu überraschen. Ich bin sowas von gespannt und (schon wieder) voller Vorfreude. Dieses Wochenende ist bereits jetzt ein grandioses Wochenende - und genau so eines wünsche ich euch auch, ganz egal, was ihr damit anstellen mögt!

Noch mehr Glücksmomente, Wochen(end)pläne und vieles mehr findet ihr bei Andreas Samstagsplausch.