Samstag, 21. Oktober 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Diese Katze ist entschieden für Tee - und gegen Catcalls.
Hallo ihr Lieben,

was für eine Woche! Ich wollte mit einer guten Freundin ein langes Wochenende in Irlands schöner Hauptstadt verbringen. Nun könnte ich euch in diesem Beitrag Dutzende Fotos aus Dublin zeigen, allerdings kamen mir ein paar Stürme dazwischen: Zuerst der schlimmste Hurricane seit 50 Jahren, der die grüne Insel einfach komplett lahm legte. Und dann ein Hashtag, der seitdem zumindest meinen Facebookfeed dominiert: #metoo

Unter diesem Hashtag teilen (zumeist weibliche) Betroffene sexualisierter Gewalt ihre Erfahrungen, oftmals mit detailierten Beschreibungen. Dass die meisten meiner Facebook-Freundinnen diesen Hashtag teilten, wundert mich kein bisschen. Ich wunderte mich über die Menschen, die sich von dieser "unerwarteten" Menge nahezu überwältigt fühlten. Offenbar leben sie in einer anderen Welt als ich. Schön, wenn sie durch so eine Aktion mal einen Blick in die andere Realität werfen können. Trotzdem hatte ich gemischte Gefühle, was diese Aktion betrifft, die ich erst gar nicht in Worte fassen konnte. Zum Glück haben das dann andere getan.

Charlott von der Mädchenmannschaft fomuliert in diesem Post einige Bedenken und Fragen - nicht ohne eingangs darauf hinzuweisen, dass es natürlich großartig und wichtig sei, wenn Menschen durch diesen Hashtag Empowerment erfahren. Unter anderem stört es sie, dass bei jeder Aktion zum Thema sexualisierter Gewalt (man erinnere sich beispielsweise an Aufschrei) erstauntes Augenreiben herrscht, als habe man noch niemals davon gehört, dass dieses Problem ein weit verbreitetes ist.

Stevie von Pinkstinks weist hier insbesondere darauf hin, dass Betroffene sexualisierter Gewalt niemandem Rechenschaft schulden. Dass das Posten oder Nichtposten des Hashtags nichts darüber aussagt, ob man betroffen war oder ist. Dass es problematisch ist, wenn dieser Hashtag Menschen unter Druck setzt, sich zu outen. Dass ihr als Feministin immer wieder hochpersönliche Infos abgetrotzt werden sollen, um zu rechtfertigen, warum sie sich feministisch engagiert und warum das ein verdammt großes Problem ist. Sehr wütender Text, der weit über den Hashtag hinaus reicht und dadurch umso interessanter ist.

Gerlinde Schrön von ze.tt wünscht sich in diesem Kommentar, dass nicht nur Frauen* untereinander über die Gewalterfahrungen sprechen. Sie vermisst die direkte Auseinandersetzung mit den Männern*, die diese Gewalterfahrungen verursacht haben. Ihre persönliche Erfahrung: Viele wissen und verstehen tatsächlich nicht, was sie ihrem Gegenüber angetan haben und antun.


Zuletzt habe ich auch noch eine Petition von Campact gefunden, die sich mit der Sprache beschäftigt, die Medien im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt nutzen.  Nötigungen und Vergewaltigungen als "Sexskandal" zu bezeichnen verschleiere, dass es in diesen Fällen um Unterdrückung und Gewalt ginge - und nicht um Sex. Sich hier verantwortungsvoll auszudrücken könnte helfen, einige Mythen zu Grabe zu tragen.Während ich diese Zeilen tippe, fehlen noch ein paar Unterschriften - vielleicht wollt ihr eure hinzufügen.

Mit diesen kritischen Stimmen im Gepräck setze ich mich an Andreas Samstagsplausch-Tafel - und verspreche euch für die kommende Woche schon mal die eingangs erwähnten Bilder von der grünen Insel!

Habt alle ein wunderschönes Wochenende!

Samstag, 14. Oktober 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Guten Morgen! Mit diesem Archivbild einer meiner Lieblingstassen setze ich mich zu euch.
Guten Morgen ihr Lieben!

Nach einer Woche Pause vom Samstagsplausch bei Andrea bin ich heute wieder mit dabei. Einer der Gründe, warum ich momentan im Blog so schweigsam bin, ist der, dass der Stitchtober mich ziemlich im Griff hatte. Ich hatte euch ja erzählt, dass mir eine Stickerei am Tag zu viel sei, aber vielleicht eine große Stickerei, die mich durch den Monat begleitet, etwas sein könnte...? Nun, ich habe diese Stickerei innerhalb von zehn Tagen durchgerockt. Auf Instagram gibt es Work-in-progress-Fotos zu sehen, hier im Blog mag ich sie noch nicht zeigen, weil die Stickerei Teil eines Geburtstagsgeschenkes sein wird. Jetzt überlege ich, ob ich mir für die zweite Hälfte des Oktobers noch eine zweite Stickerei suche. Mal sehen!

Abgesehen vom Sticken habe ich natürlich auch wieder ein bisschen im Internet herumgeguckt und dabei drei tolle, feministische Links für euch ausgegraben.

"Girls, you can do anything!", twitterte die UN sicherlich wohlmeinend zum Weltmädchentag am Mittwoch. Birte Vogel vom Blog thea fand das fürchterlich - weil es nicht stimmt. In ihrem langen, sehr langen Post hat sie diverse Beispiele aufgeführt, wo und auf welche Weise Mädchen nach wie vor dabei auf- und davon abgehalten werden, "anything" zu tun. Lesenswert finde ich auch den Kommentar von Sophia Horster darunter, der noch einmal sehr deutliche Worte dafür findet, warum ein solcher Satz problematisch ist:
[...] Dazu ist es aber auch eine explizite Botschaft an die Mädchen, dass es allein ihre Schuld ist, wenn sie nicht „alles machen“. Denn sie haben es entweder nicht ausreichend gewollt oder nicht ausreichend gekonnt. [...]

Edition F hat eine hier Liste von sechs feministischen Illustratorinnen zusammengestellt, die ihre Kunst auf Instagram zeigen. Mir waren einerseits noch nicht alle bekannt, andererseits fehlen mir wiederum ein paar, aber es lohnt sich total, sich da mal durchzuklicken.

Caroline Rosales hat auf Zeit Online eine Kolumne über den Feminismus geschrieben, der in stilvoller Kleidung stecken kann. Ich schreibe bewusst "kann", weil ich das definitiv nicht für einen Automatismus halte. Sich an Kleidungsregeln wie "Steck die Hände nicht in Manteltaschen, die beulen sonst aus!" wird vermutlich ebensoviele Menschen einschränken, wie die Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit durch eben jenen unausgebeulten Mantel auszudrücken, andere beglückt. Mein Weg ist es sicher nicht, aber umso schöner fand ich es, diese Option in wohlgesetzte Worte gekleidet zu finden.

Zuguterletzt hab ich noch was zum Aktivwerden für euch: Die Werbemelder*in, eine Meldestelle für sexistische Werbung, ist online. Wie es funktioniert, wird hier auf Pinkstinks erklärt. Ich bin gespannt, was für Früchte dieses Projekt trägt und freue mich, dass ich in Zukunft nicht mehr nur wütend vor einem Plakat stehen, sondern konkret was damit tun kann.

Habt ein wundervolles Wochenende!

Samstag, 30. September 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Zeit für Frühstück! Heute sogar mit selbstgemachter Pflaumenmarmelade. Mit Walnuss und Kardamom. Mhmm!
Hallo ihr Lieben!

Nun ist die Bundestagswahl schon fast eine Woche her und so langsam habe ich mich wieder beruhigt. Nicht im Sinne des dumpfen "Ach, was soll man schon tun"-Sumpfs, sondern im Sinne des "Okay, da muss man jetzt was machen."


WAS MACHEN ist auch der Titel eines "Newsletter[s] mit Ideen und Tipps für dein politisches und gesellschaftliches Engagement", der Mitte des Jahres gestartet wurde und den ich aboniert habe. Die Themen sind dabei vielfältig: von Blutspenden über Lektüretipps, Verstellung diverser Initiativen sind nur ein paar davon. In der aktuellen Ausgabe kurz vor der Wahl haben die Macher_innen unter anderem  erklärt, welche verschiedenen Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung es gibt. Daneben schlugen sie auch vor, Journalismus finanziell zu unterstützen - weil unabhängig finanzierte Medien eine der Möglichkeiten sind, Personen in Machtpositionen zu kontrollieren und Entscheidungen öffentlich zu hinterfragen.

Die Mädchenmannschaft hat in diesem Post ebenfalls vorgeschlagen, sich mit Spenden zu engagieren - feministischer/linker/emanzipatorischer Journalismus ist dabei aber nur einer der Zielvorschläge, auch Organisationen rund um Flucht und Asyl, Bildungsarbeit, Verfolgung von Polizeigewalt und einiges mehr werden genannt. Vielleicht findet ihr da ja auch etwas?
Spenden mag zwar weniger sichtbar sein als beispielsweise demonstrieren, hilft aber den Organisationen zumindest dabei, ihre Arbeit (gut) machen zu können. Das ist doch schon einiges wert.

Und weil es wichtig ist, sich im Leben auch Rückzugsräume zu schaffen, in denen man Kraft sammeln kann, hab ich mich sehr gefreut, auf  den #stitchtober als Variante zum #inktober zu stoßen. Die Idee des Inktobers ist es, an jedem einzelnen Oktobertag eine Tintenzeichnung anzufertigen - entsprechend geht es beim Stitchtober um eine Stickerei pro Tag. Ich habe den Eindruck, dass der Stitchtober noch keine große Verbreitung gefunden hat, aber das muss einen ja von nichts abhalten. Auf welche Weise ich das für mich umsetzen könnte, überlege ich noch. Vielleicht gibt es auch was Größeres, an dem ich aber jeden Tag ein bisschen arbeite?

Während ich darüber nachdenke, lasse ich mich auch noch an Andreas Plauschtafel nieder und schaue, was ihr so die Woche über getrieben habt.

Habt ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 28. September 2017

GRL PWR

Ich hab euch schon lange kein Revoluzzzionäres Monsterchen gezeigt, ne? Deswegen ist hier ein neues.

Frau Jule hat am Tag nach der Bundestagswahl geschrieben, dass dies "keine Zeiten [sind], in denen man ruhig in der Wohnung rumwerkeln und dem Frauenbild der Braunen nahe kommen sollte". Mehr denn je habe ich das Bedürfnis, mit meiner Teilnahme bei Jules monatlicher Linkparty Politisiert euch zu zeigen, dass Handarbeit keine unpolitische Biedermeierlichkeit sein muss. Und so bin ich im September mal wieder dabei und zeige euch das neueste revoluzzzionäre Monsterchen aus dieser wachsenden Familie.

Warum das Monsterchen "GRL PWR" auf seinem Rücken trägt?
Weil Jungs in ihrem Handeln und ihrer Abenteuerlust viel eher gefördert werden als Mädchen, denen weniger zugetraut wird.  

Weil Mädchen immer noch dazu erzogen werden, hübsch und brav zu sein, statt für sich und andere einzutreten. Weil Mädchen sich in Studien davon überzeugt zeigen, dass Jungs klüger wären als sie.
Weil Mädchen und Frauen gerne mal als das "schwache Geschlecht bezeichnet werden - wobei aber fröhlich ignoriert wird, dass Care-Arbeit (also "weibliche" Arbeit) körperlich anstrengend sein kann. 
Weil Frauen abgesprochen wird, Machtpositionen im Allgemeinen ausfüllen zu können, weil sie ihre ach so heftigen Emotionen nicht kontrollieren könnten (während man gleichzeitig gezeigte Emotionen bei Jungs so sanktioniert, dass sie gar nicht lernen können, damit umzugehen). 
Weil am Sonntag eine Partei in den Bundestag eingezogen ist, die Frauen am liebsten bei Kindern und Küche wüsste.
Weil es deshalb nicht schaden kann, sich regelmäßig in Erinnerung zu rufen, wie viel Stärke in einem steckt, was man in der Vergangenheit schon geschafft hat und was man daraus für die Zukunft mitgenommen hat.
GRL PWR - pink und blumig für dieses Monsterchen.

Die Inspiration für diesen entzückenden Rücken dürfte von fembroidery stammen, deren Stickerei ich unheimlich liebe. Falls ihr sie noch nicht kennt, solltet ihr unbedingt bei ihr vorbeischauen. 
Die Buchstaben habe ich größtenteils mit einem Spaltstich gestickt, das gefällt mir für Schrift besser als der einfache Rückstich (damit hatte ich das L gemacht).


Dieses kleine Monster nach einen kostenlosen Tutorial von Revoluzzza ging im Rahmen von #freudeschenken 2017 auf die Reise und hat an deren Ziel eine Person überrascht, die lustigerweise ein bei Instagram gepostetes WIP-Bild geherzt hatte. 



Montag, 25. September 2017

Wir sind 87 Prozent.

Mein Deutschland ist bunt. Und ich möchte, dass das so bleibt!
87 Prozent der deutschen Wahlberechtigten haben bei der Bundestagswahl nicht die AfD gewählt. Ich las heute, man solle das positiv sehen. Es sei doch eine Mehrheit, eine große sogar.

Aber sich an diesem Montag auf rosarote Mehrheitswattebäuschchen zu blicken, heißt auch, nicht in die andere Richtung zu schauen, wo die 13 Prozent der Wähler*innen stehen, die eben doch die AfD gewählt hat. Eine Partei, deren Spitzenkandidat direkt nach Verkündung der ersten Ergebnisse davon sprach, die künftige Regierung zu "jagen". Eine Partei, die eine rückwärtsgewandte Familien- und Geschlechterpolitik vertritt. Eine Partei, die offen rassistische Ressentiments bedient.

Ob ich die Wähler dieser Partei alle für Sexist*innen und Rassist*innen halte? Ich halte sie vor allem für Menschen, denen es nichts ausmacht, Sexist*innen und Rassist*innen dulden und unterstützen. Für Menschen, denen es egal ist, wenn andere unter deren Ansichten und Handlungen zu leiden haben. Und das finde ich verdammt beängstigend - ganz unabhängig vom konkreten Label.


Wir sind 87 Prozent. Aber das ist nur dann etwas wert, wenn wir diese große Mehrheit auch einsetzen. Wenn wir unsere Demokratie und unseren Pluralismus nicht mehr für selbstverständlich halten. Wenn wir nicht mehr so tun, als wäre Politik irgendetwas, was "die da oben" unter sich ausmachen und was uns eigentlich gar nicht betrifft. Wir müssen die nächsten vier Jahre etwas tun - für unsere Demokratie. Für mehr Mitgefühl. Für ein Deutschland, in dem man auch dann gut und gerne leben kann, wenn man aus irgendeinem Grund anders ist als die anderen.

Samstag, 23. September 2017

[Samstagskaffee] zur Bundestagswahl

Ein weiterer Frühstückskaffee im Café Tasso in Berlin.
 Guten Morgen ihr Lieben!

Eine tolle Woche in Berlin geht für mich zu Ende. Ich habe hier meine liebsten Buchhandlungen besucht, Freunde getroffen, Museen durchwandert und innerhalb der ersten drei Tage einen Berlin-Fan aus meiner Mama gemacht. War das schön!

Nebenher habe ich ganz viel auf Wahlplakate gestarrt und mit viel innerer Unruhe der morgigen Bundestagswahl entgegen geschaut. Zum ersten Mal seit 1961 werden wir aller Voraussicht nach wieder Nationalisten im Parlament sitzen haben (Quelle für Bundestagszusammensetzungen). Ich persönlich finde das fürchterlich. Aber ich hoffe, dass diese Aussichten morgen viele Menschen motivieren, ein Kreuzchen zu machen.

Denn dass gerade die selbsternannte Alternative sehr gut darin ist, ihre Anhänger*innen zu mobilisieren - und es ist verheerend, wenn alle anderen zu Hause bleiben. Natürlich macht eine Stimme von Millionen keinen großen Unterschied. Aber viele einzelne Stimmen tun das. Und an dem Punkt wird es statistisch relevant: 3 von 6 sind 50 Prozent, aber 3 von 10 sind nur noch 30 Prozent. Ihr seht, worauf ich hinauswill. 

Grafik von Between Bridges- dieses und andere Plakate dürfen und sollen unter
dem Link heruntergeladen und großflächig verteilt werden.
Ich habe ja glücklicherweise schon vor Wochen meine Briefwahlunterlagen in einen Briefkasten geschoben und bin damit die Frage los, was ich wähle. Denn auch mir ist das dieses Mal gar nicht so leicht gefallen - und ich weiß, dass das vielen meiner Freund*innen ganz ähnlich geht.

Für diejenigen von euch, die keine große Lust auf eine neuerliche große Koalition haben, ist vielleicht dieser Artikel von den Krautreportern etwas. Er zeigt die verschiedenen Möglichkeiten auf, gegen das "Weiter so!" zu stimmen. (Spoiler: Nicht wählen ist keine Lösung.)

Wer noch ein bisschen zusätzlichen Input zu den konkreten Absichten der einzelnen Parteien haben möchte, kann im Innensansicht-Magazin nachschauen, wo mittlerweile die Parteiprogramme von SPD, FDP, Linke, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und die AfD unter die Lupe genommen wurden.

Nun packe ich meine Tasche, um zum ersten Mal überhaupt zu einem Roller Derby-Bout zu gehen. Wuhu! Vorher hüpfe ich aber noch bei Andrea vorbei und finde heraus, wie eure Wochen so waren.

Habt ein tolles Wahl-Wochenende!

Samstag, 16. September 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Prost! Ich starte mit Tee ins Wochenende - und den Urlaub.

Hallo ihr Lieben!

Einmal mehr schliddere ich nur kurz bei Andreas Samstagsplausch vorbei - anders seid ihr das von mir ja ohnehin nicht gewohnt, nicht wahr? Diese Woche geht es nach Berlin. Allerdings bin ich dieses Mal nicht allein, sondern mit meiner Mama unterwegs, die noch nie in der Hauptstadt war und vor dem ersten Flug ihres Lebens ganz schön aufgeregt ist. Drückt ihr mir bitte alle die Daumen, dass es gut geht? (Flugaufälle aufgrund von Streik sind zu befürchten.)
Trotz aller Aufregung: Die Vorfreude ist noch größer. Umso mehr, weil mittlerweile offiziell ist: Ich ziehe im Winter in die Hauptstadt! Wie und wo genau es dort für mich weitergeht, ist noch nicht klar, aber seit ich das sicher weiß, komme ich mit einem ganz anderen Gefühl in der großen Stadt an. Das ist mein zukünftiges Zuhause, nicht mehr nur Ort viel zu kurzer Stippvisiten beim Lieblingsmenschen. Obwohl es noch ein paar Monate bis dahin sind, bin ich jetzt schon ganz schön aufgeregt - Job- und Wohnungssuche sind in vollem Gang und das ist ja immer eine stressige Sache.

Der Ablenkung wegen habe ich auch diese Woche wieder im Netz herumgestöbert und dabei erneut einiges an feministischen Netzfunden zu Tage gefödert:

Bei Zeit Online fand sich diese Woche ein spannender Artikel über Gender Studies und deren Zusammenhang mit dem Feminismus. Inklusive folgender Definition:
Feminismus bedeutet, dass Frauen sich und ihren Anliegen Gehör verschaffen.
Gender-Studies können bei solchem feministischen Engagement helfen, und sie tun das auch oft. Aber weder können sie den Feminismus ersetzen, noch sind sie ihm verpflichtet. Feminismus ist keine Wissenschaft. Es ist eine politische Bewegung. 
Margarete Stockowski setzte sich am Dienstag in ihrer Kolumne auf Spiegel Online mit dem Gender Pay Gap auseinander - und mit den fünf häufigsten Mythen, die in diesem Zusammenhang immer wieder bemüht werden. Bester Satz: "[..] man kennt das Statistische Bundesamt nicht unbedingt als feministische Guerillagruppe." Die Sätze außenrum sind aber noch viel gehaltvoller - und könnten in der einen oder anderen Diskussion auch gut weiterhelfen. Lesen lohnt sich also.

Das innenAnsicht-Magazin hat zwei Artikel zum Thema Schwangerschaftsabbruch: einmal in Deutschland und einmal in Kroatien. Beides sehr spannend - und erschreckend, wie stark der Widerstand gegen die Selbstbestimmung über den eigenen Körper nach wie vor ist.

Ebenfalls beim innenAnsicht-Magazin gibt es einen Blick ins Wahlprogramm der AfD unter frauen*politischen Gesichtspunkten.  Ich gehe ja nicht davon aus, dass hier Personen mitlesen, die erwägen, die AfD zu wählen. Falls doch: In dem Tab findet ihr rechts so ein Kreuz. Einmal klicken, bitte, danke. Den Verbleibenden sei gesagt: Der Blick ins Programm dieser angeblichen Alternative ist besonders dann zu empfehlen, wenn ihr noch nicht wisst, ob ihr überhaupt wählen gehen werdet. Dürfte euch motivieren. Denn jedes Kreuz, das ihr irgendwo anders auf dem Zettel macht, reduziert den relativen Anteil der rechten Stimmen.

Zuletzt hat auch der von mir vielgeliebte Lila Podcast eine Episode zur Bundestagswahl gemacht, in der sie einen etwas weiteren Blick in die deutsche Parteienlandschaft werfen.

Wenn euch das noch nicht weiterhilft, möchte ich euch nochmal ans Herz legen, euch die verschiedenen Tools anzuschauen, die euch dabei unterstützen können, die Parteien auf bestimmte Punkte hin abzuklopfen: der altbekannte Wahl-O-Mat, der Sozial-O-Mat für Fragen der Sozialpolitik und deinwal.de für den Überblick über Parteien-Positionierung in den Bundestagsabstimmungen der letzten Legislaturperiode.

Habt alle ein zauberhaftes Wochenende - ganz egal, wo ihr seid!

Samstag, 9. September 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Guten Morgen! Lasst uns zusammen eine Tasse Tee trinken.

Hallo ihr Lieben,

hui, ging die Woche schnell vorbei! Angefangen mit einem ziemlich coolen Bierbraukurs in München (wenn ihr mögt, erzähle ich euch in den nächsten Tagen ein bisschen mehr dazu?) am vergangenen Wochenende, habe ich einige Abende mit lieben Menschen verbracht - und während ihr das hier lest, bin ich auch schon wieder auf Achse und sause zur nächsten Freundin, um dort einen Abend im privaten Pub zu verbringen.
Vorher lasse ich mich aber an Andreas Plauschtafel nieder und schaue nach, wie es euch in dieser Woche so ergangen ist. 

Aber vorher zeige ich euch noch, was ich trotz aller Aktivitäten außer Haus in dieser Woche im Netz so gefunden habe:

"Das Zeigen der Vulva rettet die Menschheit." So ist das nämlich.

Unheimlich gefeiert habe ich auf der Fahrt von und nach München die neueste Episode des Lila Podcasts. Darin geht es um die Vulva, also den äußerlich sichtbaren Bereich der Genitalien. Womit wir an einem der Knackpunkte wären, die auch im Podcast angesprochen werden: Ich war wieder einmal versucht, von "weiblichen" Genitalien zu schreiben. Was aber halt nicht unbedingt zutrifft: Es gibt Menschen, die weder weiblich noch männlich sind. Es gibt Menschen, die sich männlich identifizieren, aber eine Vulva haben - genauso wie es Frauen mit Penissen gibt. Mithu Sanyal, über deren Buch zur Vulva es im Podcast geht, hat angemerkt, wie gerne sie von der Geschlechterdichotomie weggekommen wäre, aber wie schwer es ihr gefallen sei, wie sehr ihr alternative Worte gefehlt hätten, um auszudrücken, was sie eigentlich meinte.

Mithu Sanyal erwähnt im Podcast, dass sie beim erstmaligen Anblick ihrer Vulva unsicher war, ob diese eigentlich ansehnlich sei oder eher gar nicht. Da musste ich spontan an einen meiner liebsten Instagram-Accounts denken:  The Vulva Gallery macht die unterschiedlichen Ausprägungen sichtbar, die Vulven so haben können. Sichtbare innere Schamlippen? Narben? Haare? Pigmentflecken? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Und es gibt deswegen erst recht nichts, was nicht okay wäre, genau so wie es ist. So ein liebevoller und versöhnlicher Blick - mir tut schon allein die Existenz dieses Accounts gut.

Ergänzend zur Episode des Lila Podcasts sei hier noch einmal diese  kleinercast-Episode erwähnt.
Während ich den Lila Podcast angehört habe, musste ich auch wieder an diese Episode des kleinercast denken, in dem es unter anderem darum geht, warum es so wichtig ist, dass Kinder die richtigen Begriffe für Genitalien lernen. 

Dieser Artikel hat mich unheimlich traurig gemacht. Dass bereits im Alter von sechs oder sieben Jahren kleine Mädchen davon überzeugt sind Mädchen und Frauen seien per se weniger schlau oder gar brillant als Jungs und Männer, ist ein verdammt großes Armutszeugnis.

Habt ein wunderschönes Wochenende!

Montag, 4. September 2017

[3 of a kind] I want to do someday

Im September will Sas drei Dinge von uns erfahren, die wir eines Tages tun wollen. Die Frage war gar nicht so schwer, denn in meinem Notizbuch steht eine wohlgefüllte Bucket-List mit den unterschiedlichsten Zielen. Mich auf drei konkrete Punkte zu beschränken, ist mir da viel schwerer gefallen...

Schloss Turaida, umgeben von nebelvergangenen Wäldern. 
Roadtrip durchs Baltikum. Seit ich 2014 auf einer Busreise mit Erasmus-Studierenden in dieser Gegend unterwegs war, zieht es mich dorthin zurück. Tallinn ist mir als verwinkelte Märchenstadt im Gedächtnis geblieben, doch am schönsten fand ich es in Lettland. Das Schloss Turaida mit deinem Park hat mich besonders beeindruckt. Zum Schloss gehört nämlich ein Park, in dem ein Künstler während der Sowjetzeit Skulpturen zu Volkssagen verteilt hat - ohne Titel, um sie vor Zensur zu schützen. Leider war damals viel zu wenig Zeit, sie mir genauer anzuschauen...

Intensive Beschäftigung mit Fan Studies. Im selben Jahr habe ich auch angefangen, mich in das weite, wunderbare Feld der Fan Studies einzulesen. Wie wundervoll muss es sein, zu einem so grandiosen Thema zu forschen? Ein tolles Semester lang habe ich Hausarbeiten über Harry Potter und Game of Thrones verfasst... Leider habe ich es aber versäumt, mir die Buchtitel rauszuschreiben, denn es würde mich sehr in den Fingern jucken, mich da wieder einzugraben.

LARP ausprobieren. Falls ihr es nicht kennt: LARP steht für Live Action Role Play. Das heißt, Leute verkleiden sich und spielen einen Charakter in einer großen Geschichte. Viele meiner Freunde larpen, aber irgendwie habe ich es bisher noch nie geschafft, mich einfach zu überwinden und mitzumachen. Wenn ich ihnen dabei zuschaue, wie sie in monatelanger Arbeit Kleidung nähen und verzieren, sich Hintergrundgeschichten ausdenken und mit leuchtenden Augen irgendwelche LARP-Anekdoten erzählen, bin ich ein bisschen neidisch.

Sas' Sammlung ist den ganzen Monat geöffnet. Vielleicht fallen euch ja auch drei Dinge ein, die ihr irgendwann einmal tun wollt? Ich bin gespannt!

Samstag, 2. September 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Ehrlich gesagt: Das ist Kakao vom vergangenen Sonntag. In meinem herzallerliebsten Café Tasso in Berlin.
Hallo ihr Lieben!

Viel zu lange schon habe ich nicht mehr an Andreas Plauschtafel Platz genommen, aber heute ist es endlich mal wieder so weit. Allerdings muss ich gestehen, dass ich diesen Beitrag vorbereite und es erst im Laufe des Wochenendes schaffen werde, bei euch vorbeizuschauen. Ich bin nämlich schon wieder unterwegs! Nach mehreren Wochenenden auf Festivals oder beim Lieblingsmenschen in Berlin, gönne ich mir nicht etwa eine Ruhepause, sondern sause zur Besten nach München. Dort will ich heute lernen, wie man Bier braut. Ich bin ganz schön gespannt...

Als ich Sonntagnacht verspätet aus Berlin zurückkam, warteten meine Briefwahlunterlagen auf mich. Mittlerweile habe ich die Zettel sogar schon ganz strebsam ausgefüllt und zur Post getragen. Einfach fand ich das dieses Mal überhaupt nicht. Aber in den Weiten des Internets gibt es natürlich hilfreiche unterstützende Tools. Der Wahl-O-Mat ist ja hinreichend bekannt, nehme ich an. Anhand 38 Thesen, die sowohl insgesamt 32 Parteien als man selbst beantwortet, wird die Übereinstimmung mit eben jenen Parteien erreichnet. Neu war mir DeinWal.de. Dieses Tool ist nicht nur putzig illustriert, sondern auch reichlich aufschlussreich. Anhand diverser Fragen zu verschiedenen Politikfeldern errechnet sich am Ende die eigene Überschneidung mit verschiedenen Parteien. Der Clou daran: Anders als beim Wahl-O-Mat werden dafür keine hypothetischen Stellungnahmen von Parteien herangezogen, sondern die konkreten Entscheidungen in Abstimmungen der vergangenen Legislaturperiode. Das empfinde ich persönlich als "zuverlässiger". Wer allerdings seine Stimme lieber einer ganz kleinen Partei geben möchte, zieht hier natürlich keine Erkenntnisse draus und ist beim Wahl-O-Mat besser aufgehoben. Fun-Fact: Die Ergebnisse beider Tools waren bei mir sehr vergleichbar. Und obwohl sie mir keine Entscheidung abnehmen können, fand ich sie dennoch ziemlich hilfreich.

Lesenswert fand ich dieses Interview des ZEIT Magazins mit der Soziologin Jutta Allmendinger. Ihre These: Der Arbeitsmarkt ist auf die Bedürfnisse von Frauen und ganz besonders Müttern so schlecht ausgerichtet, dass für viele bis heute der Rückzug daraus verlockender ist. Und das, obwohl Berufstätigkeit für Männer wie Frauen identitätsstiftend ist.

Habt ein traumhaftes Wochenende!