Mittwoch, 9. August 2017

Juli - es war regenbogenbunt!

Auf Mondkunst rekapitulieren Hana und Nria jeden Monat, was sie so getan haben. Nachdem der Juni ausgefallen ist, folge ich für den Juli rückblickend ihrem Beispiel.

Für mich selbst gewerkelt im Juli:
Im Rahmen der CSD-Linkparade habe ich mir ein regenbogenbuntes Hexagonkissen genäht. Dieses hat auch tatsächlich den größten Teil meiner Werkelzeit gebunden. Hat Spaß gemacht!

Fluff präsentiert Regenbögen.

Für andere gewerkelt im Juli:
Daneben sind Kleinigkeiten entstanden, die ich hier aber noch nicht gezeigt habe. Vermutlich begegnen euch beide noch in Frau Jules Reihe "Politisiert euch!". Aber vorher muss ich sie noch vor die Kamera bekommen...

Angefangene Projekte:
Nichts, was momentan unvollendet herumliegen würde.

Gescheiterte Projekte:
Nö.

Neue Schnittmuster, Anleitungshefte und Bücher:
Im Schnittmuster- und Anleitungsbereich habe ich nichts neues gekauft. Allerdings ist "Craftista! Handarbeit als Aktivismus" in meinem Bücherregal gelandet, nachdem ich diesen Artikel im innenAnsicht-Magazin gelesen hatte.

Stoff gekauft:
Für das Regenbogenkissen habe ich ordentlich eingekauft - den gab mein Stoffschrank nämlich nicht her. 1,61 m² sind neu hineingewandert.

Stoff vernäht:
Leider hab ich nicht ganz so viel verarbeitet wie gekauft. 1,37m² sind direkt wieder verschwunden. Wir merken: Mein Stoffschrank beinhaltet noch Material für mehr Regenbögen!

Material verarbeitet:
Außer Stoff ist nichts weiter passiert.

Pläne für den August:
Konkrete Pläne habe ich nicht - dafür bin ich im August zu viel unterwegs.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Werkelpläne für den August?

Sonntag, 6. August 2017

[Samstagstee] am Sonntag

Mein neuer Teeuntersetzer von Antje. Ist er nicht wundervoll?

Hallo ihr Lieben,

heute zeigt mein Foto gleichzeitig auch einen Glücksmoment der letzten Woche. Da kam ich nämlich am Sonntagabend vollkommen erledigt von einem Festivalwochenende nach Hause - und zog einen dicken Umschlag aus dem Briefkasten. Die liebe Antje von fairy&snail hat mich mit einem kleinen Präsent überrascht, als Dankeschön für ihr feministisches Monsterchen Agneta. Als hätte sie geahnt, dass ich auch heute wieder reichlich müde und mit Halsschmerzen (fiese Klimaanlage im Zug!) aus dem Wochenende zurückkommen sollte, beinhaltete es diesen liebenswürdig bestickten Untersetzer sowie einige Beutel Tee. Diese führe ich mir nun zu Gemüte, während ich bei Andrea nachschaue, was ihr so die Woche über getrieben habt. Vorher habe ich aber noch ein paar Netzfunde für euch.

"Farbe, Vielfalt, Toleranz!" war das Motto.
Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben hat am Montag ihre regenbogenbunte Linkparade zum CSD geschlossen - jedenfalls für dieses Jahr. Ich hoffe sehr auf eine Neuauflage 2018. Vorher habe ich aber nochmals einen Blick in die Sammlung geworfen, um sicher zu gehen, dass ich keinen Beitrag verpasst habe.

Toleranz fordert nicht nur Karins Linkparade, sondern auch dieser Artikel über Fat Acceptance und Body Positivity. Natürlich haben wir alle irgendwelche Idealvorstellungen, ästhetische Vorlieben - aber die haben erst einmal mit uns selbst zu tun, nicht mit den anderen. Und für diese anderen gilt, was Your Fat Friend am Ende schreibt:
"Dignity is not earned. Safety is not a reward. None of us should have to overcome our bodies just to be safe, to be loved, to be treated like anyone else. Safety, acceptance and love are for all of us. Not just the ones we’re comfortable with." 
Das finde ich einen ziemlich wichtigen Gedanken im Umgang mit anderen Menschen - und zwar unabhängig davon, ob sie jetzt dick sind oder irgendeine andere negativ konnotierte Eigenschaft haben. (Im Artikel geht's allerdings auch erst mal um Optik - bei Überzeugungen ziehe ich nämlich sehr wohl Grenzen, hinter denen niemand mehr erwarten kann, Liebe und Akzeptanz von mir zu bekommen.)

Außerdem bin ich im Guardian über einen Nebeneffekt der globalen Erwärmung gestolpert: Weil die Gletscher in den Alpen mit rasender Geschwindigkeit wegschmelzen, tauchen dort nun immer häufiger die sterblichen Überreste von Menschen auf, die dort verschwunden sind - teilweise erlangen ihre Angehörigen so nach 75 Jahren endlich Gewissheit über den Verbleib ihrer Lieben. Den Artikel findet ihr hier

Kommt gut in die neue Woche!


Mittwoch, 26. Juli 2017

[Rezension] Good Night Stories for Rebel Girls

Rezension
"Good Night Stories for Rebel Girls" von Elena Favilli und Francesca Cavallo
Astrid Lindgren kennt jeder. Aber habt ihr schon mal von Maud Stevens Walker gehört? Nein? "Good Night Stories für Rebel Girls" würde das ändern. Mir ist da nämlich im Juni schon wieder ein hübsches Buch zugelaufen, das dann ganz ungeplant mit nach Hause musste...

Das Buch stellt einhundert Frauen in Kurzbiografien vor. Einige von ihnen sind oder waren Schriftstellerinnen, andere Sportlerinnen. Musikerinnen, Politikerinnen und Aktivistinnen sind ebenso dabei wie Königinnen und Journalistinnen. Women of Colour sind ebenso dabei wie Frauen mit Behinderungen und Transfrauen, ihre Herkunft umfasst die ganze Welt und zwei Jahrtausende. Gemeinsam ist all diesen Frauen, dass sie etwas Außergewöhnliches geleistet haben und jede dieser Leistungen wird gefeiert. Mir hat gefallen, dass dadurch vermittelt wird, dass jede auf ihre Art, mit ihren Stärken und Fähigkeiten etwas Positives in ihrem Bereich erreichen kann - dass es nicht schlimm ist, dass wir nicht alle beispielsweise Naturwissenschaftlerinnen sind.
Passend dazu und sehr schön finde ich die Möglichkeiten, sich selbst in das Buch einzubringen. Nach den hundert Porträts findet sich eine Doppelseite, in die man seine eigene Geschichte  und das eigene Gesicht eintragen kann.

Den Gesichtern der Frauen wird ebenso viel Raum gegeben wie ihre Biographie, jeweils die rechte Seite ist gefüllt mit einem Porträt von insgesamt 60 Künstlerinnen aus aller Welt, die ganz unterschiedliche Stile haben. Manche sind kantiger als andere, einige sind sehr bunt, ein paar sind sehr verträumt - eben so unterschiedlich wie die porträtierten Frauen. Natürlich sagen mir einige Bilder mehr zu als andere. Aber auch hier schätze ich die Abwechslung und vor allem die liebevolle Zusammenstellung. Ich habe bei allen Illustrationen den Eindruck, dass die jeweilige Künstlerin die Essenz der Porträtierten eingefangen hat. Die Bebilderung war letztendlich auch der Grund für den sehr spontanen Kauf!

Rezension
Das ist Maud Stevens Wagner, eine der porträtierten Frauen.
Die größte Stärke des Buches für mich liegt aber darin, dass ich unheimlich Lust bekommen habe, weiter zu recherchieren, ausführlichere Biographien zu lesen - und vielleicht sogar zu schreiben. Als ich an dem Punkt war, dass ich am liebsten Porträts sticken und diese dann betexten wollte (vollkommen wahnsinnig!), habe ich mich schnell auf meine negativen Kritikpunkte konzentriert.

Diese negativen Punkte gibt es nämlich trotz aller Begeisterung auch: Das Buch wird auf der Rückseite beworben, es sei ein "must-have for the nightstand of every girl or young woman you now" und es ist tatsächlich auch ein bisschen aufgemacht, als könnte es sich um Gute-Nacht-Geschichten für Mädchen handeln. Zu klein dürfen diese Mädchen aber nicht sein, denn auch wenn oft eine Märchenstruktur bedient wird ("Once upon a time..."), sind die Texte doch teilweise gespickt mit Fremdwörtern, die auch nicht erläutert oder im Folgesatz umschrieben werden.

Leider wird die Märchenstruktur auch nicht ganz konsequent durchgezogen: "Once upon a time..." ist zwar meist der Textbeginn, aber eben nicht immer. Das wirkt auf mich, als hätte man ein Konzept nur halb durchgezogen. Gleichzeitig wirken Textteile teilweise seltsam unverbunden, als hätte man vergessen, sie an die richtige Stelle zu schieben. Informationen stehen irgendwo am Ende, obwohl sie sich in der Mitte wunderbar eingepasst hätten. Hier scheint mir, dass ein korrigierender Durchgang vor der nächsten Auflage keine schlechte Idee wäre, denn für mich widerspricht das der vielen Arbeit und Liebe, die so offenkundig in diesem Buch steckt.


Das Cover hat mich wieder mal erwischt... Ist es nicht hübsch?
Und was ist jetzt mit Maud Stevens Wagner? Die war die erste bekannte US-amerikanische Tattookünstlerin überhaupt. Ansonsten ist Maud einfach einer von hundert Gründen, dieses Buch zu kaufen. Trotz meiner Kritikpunkte kann ich hier nämlich eine ganz entschiedene Leseempfehlung aussprechen.

Welches Buch hat euch zuletzt begeistert? Erzählt mal!

Samstag, 22. Juli 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Frühstück im Weltladen am Charlottenplatz - mit Kaffee und aktivistischer Hirnnahrung

Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr hattet alle eine schöne Woche? Meine ist so an mir vorbeigerauscht, dass ich am Freitagabend völlig überrascht vom Wochenende war. Gefühlt war immer noch eher Mittwoch. Aber mittlerweile bin ich jetzt ausgeschlafen bin, war in einem meiner Lieblingscafés frühstückslesen und klicke mich gleich an mein CSD-Blogparaden-Regenbogenkissen gekuschelt zu Andreas Samstagsplausch - so komme ich schnell im Samstag an.
Nachher treffe ich mich mit meiner Mama, um einen längst überfälligen Mutter-Tochter-Urlaub für den Spätsommer zu planen. An meiner Seite will sie sich nämlich erstmalig in ein Flugzeug wagen - und dann Berlin erkunden. Ich freu mich jetzt schon!

Bevor ich nachlese, wie ihr anderen eure Woche verbracht habe, will ich euch an meinen Netzfunden der Woche teilhaben lassen:

Über Lisa von "Radau im Nähzimmer" habe ich eine Seite voller Mitschnitte von Ringvorlesungen der Gender Studies der Uni Marburg aus den letzten Jahren gefunden. Ich bin ja jetzt einige Zeit aus dem Studium raus - und noch länger aus der Phase, in der man inspirierende Vorlesungen hört. Schön, dass die Uni Marburg diese Mitschnitte öffentlich zugänglich gemacht hat!


Dank der Instastory von Feminismus im Pott bin ich auf diesen Beitrag des Deutschlandfunks über Homosexualität im Frauenfußball aufmerksam geworden, in dem nicht nur darüber gesprochen wird, dass lesbische Frauen trotz eines vermuteten Anteils von etwa fünfzig Prozent recht unsichtbar bleiben, sondern auch über die Sexualisierung in der Vermarktung des Sports, um "den Frauenfußball sexy [zu] machen, so dass Männer uns dafür mögen. Das ist ja auch nur eine Form von Sexismus." Dass diese Strategie offenbar nicht so richtig aufgeht, bemerke ich als fußball-desinteressiertester Mensch ever hauptsächlich daran, dass Männerfußball für nervtötende Ausnahmezustände führt, während ich von den Damen tatsächlich nur mitbekomme, wie deren Brüste in den Medien herumgeschwenkt werden. Aufmerksamkeit auf die sportliche Leistung zu lenken, funktioniert offenbar nicht so richtig.

Bei Spiegel Online hat Margarete Stockowski wieder einmal heftig mit den Augen gerollt, nachdem Claus Kleber ein Interview mit Maria Furtwängler geführt hat. Sie hat mit ihrer Stiftung MaLisa eine Studie zu unterschiedlicher Geschlechterrepräsentanz in Fernsehen und Kino durchführen lassen - ein Studienthema, das zu dem Herr Kleber gerne wissen möchte, ob Frau Furtwängler mit ihrer Studie eine Umerziehungsagenda verfolge, die auf  "Geschlechterproporzgeschichte"herauslaufe. Warum "Umerziehung" jetzt vielleicht nicht das Wort der Wahl sein sollte, warum es schön wäre, mehr weibliche Vorbilder in audiovisuellen Medien zu haben und was das Festhalten an einer männlichen Besetzung von Doctor Who mit Asbest zu tun hat, fand ich hier wie üblich sehr angenehm zu lesen. Nicht angenehm zu lesen und nicht empfehlenswert sind die Kommentare unter der Kolumne. Wie üblich, wenn's um Feminimus geht (auch wenn ich hier auf die Schnelle keine Gewaltfantasien gesehen habe, wie sie einem auf Facebook und Instagram um die Ohren fliegen).

Dass man Kommentare einfach grundsätzlich nie lesen sollte, schreibt Lady Tea im innenAnsicht-Magazin zu den "13 Dingen, die mir der Feminismus beigebracht hat".Wie recht sie doch hat! Mit anderen Punkten auf ihrer Liste ebenfalls.

 Habt alle ein wundervolles Wochenende!

Donnerstag, 20. Juli 2017

[CSD-Blogparade] Ein ganzer Regenbogen

Das ist mein Eulerich Fluff. Er hat ein Körnerkissen im Bauch und mag Regenbögen und riesige Lollies.
Im Mai hat mich Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben gefragt, ob ich Lust hätte, sie bei ihrer Linkparty zum CSD als Paradebloggerin zu unterstützen. Und ob ich das hatte! Mittlerweile läuft die Parade seit dem 28.6. und die hier zu bestaunenden Beiträge sind ganz unterschiedlich und allesamt fantastisch.

Ich darf heute eine Werkelei hinzufügen, von deren Entstehung ihr auf Instagram bereits kleine Ausschnitte erspähen konntet: Eine regenbogenbunte Hexagon-Kissenhülle.

Diese Kissenhülle leuchtet, wenn man sie in die Sonne hält. Ich bin hin und weg davon.
In Finnland hatte ich einen Mitbewohner, den ich sehr mochte. Er hat mir Kuchen gebacken, wenn ich krank war, ich habe ihm Pfannkuchen zum Frühstück gemacht. Wenn ich eine Umarmung brauchte, habe ich an seine Tür geklopft. Erst nach Monaten, in einer ziemlich betrunkenen Nacht, hat er mir gesagt, dass er schwul ist.
Schon kurz darauf haben wir unsere WG aufgelöst und jeweils die Heimreise angetreten. Ich war traurig, weil Finnland mein happy place geworden war. Mein Mitbewohner hingegen war panisch, weil er zu Hause sein Coming Out gegenüber seinen Eltern plante.
Wochenlang habe ich ihm über einen Ozean hinweg virtuell die Hand gehalten, während er mehrere Anläufe unternahm, es ihnen zu sagen und sich im letzten Moment doch nicht traute. "I just couldn't do it. I am so afraid. What if they don't love me anymore?"
Als er sich doch getraut hat, hat seine Mutter ihn zuerst gefragt, ob er psychatrische Hilfe in Anspruch genommen hat und danach überhaupt nicht mehr mit ihm gesprochen.

Fluff findet, man kann sich ziemlich gut an das Kissen ankuscheln.
An diesen ehemaligen Mitbewohner denke ich, wenn jemand behauptet, Homosexuelle würden  dermaßen hofiert werden, dass man sich als heterosexuelle Person diskriminiert fühle.
Ich fühle mich nicht diskriminiert als Frau, die in einer Beziehung mit einem Mann lebt. Ich bin dankbar, dass ich meinen Eltern von meinem Partner erzählen kann, ohne Angst vor ihrer plötzlichen Ablehnung zu haben. Dass ich am Montagmorgen im Büro vom Wochenende mit dem Lieblingsmenschen erzählen kann, ohne dass tagelang darüber getratscht wird. Ich sehe keine Diskriminierung darin, dass meine Beziehungsform derart gewöhnlich ist, dass sie kein Politikum ist.
Ich habe nur ein paar vereinzelte Hexagone gequiltet. Das sieht luftiger aus, finde ich.
Sexualität kann erst dann wirklich Privatsache sein, wenn sie als alltäglich wahrgenommen wird. Dass das nicht der Fall ist, zeigen geifernde Reaktionen auf die Öffnung der Ehe. Es müsse doch mal Schluss sein, las ich viel zu oft und fragte mich, warum denn bitte Schluss sein sollte, solange die Liebesbeziehungen mancher Menschen als Beziehungen zweiter Klasse behandelt werden? Solange nicht völlig wurscht ist, wer mit wem wie verbunden ist, bleibt die Liebe ein politisches Thema - und CSD-Linkparaden wie diese sowie andere Pride-Aktionen notwendig. Um für Sichtbarkeit zu sorgen. Um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es neben der Heterobeziehung auch noch was anderes gibt. Und um so Stück für Stück für Normalität zu sorgen.

Gewöhnung funktioniert nämlich. Nachdem die Mutter meines ehemaligen Mitbewohners tagelang nicht mehr mit ihm gesprochen hat, ist ihr aufgefallen, dass die Homosexualität ihres Sohnes einen Scheiß daran ändert, dass er ihr liebenswerter, kluger, freundlicher Sohn ist. Heute sagt sie zu Nachbarn: "Na und? Dann hab ich halt einen Schwiegersohn, statt einer Schwiegertochter. Und wisst ihr was? Der ist super!"

Wenn ihr auch dazu beitragen möchtet, dass die Nähblogs ein bisschen zu mehr Farbe, Vielfalt und Toleranz beitragen, könnt ihr noch bis zum 31. Juli mitmachen. Ich würde mich sehr freuen, von euch zu lesen!
Hier geht's entlang zum Mitmachen!

Samstag, 15. Juli 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Regenbogenfarbener Samstagstee
Guten Morgen ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Meine ist verdammt schnell vergangen - nicht zuletzt, weil ich fleißig an meinem Beitrag zu Karins CSD-Linkparty herumgestichelt habe. Am Donnerstag ist mein Paradebeitrag nämlich schon dran! Parallel zur eigenen Näherei habe ich mit Spannung verfolgt, was die anderen Beitragenden so zu zeigen und zu sagen hatten und fand jeden einzelnen Post lesenswert. Bis zum 31.7. hat ihr alle noch die Gelegenheit, ebenfalls farbenfrohe Fotos und Werkeleien zu teilen. Ich würde mich freuen, noch viele andere Beiträge zu lesen!

Hier gibt es alle bisherigen Beiträge zu sehen.

Auch andere Ecken des Internets waren diese Woche sehens- und hörenswert. So bin ich vor einiger Zeit auf den feministischen Blog thea gestoßen, der sich nicht zuletzt damit auseinandersetzt, wie Frauen in der Sprache vorkommen. Als sprachverliebte Feministin ist das natürlich ein Blog für mich! Zuletzt ging es um historische Zitate - und warum diese frauenfeindlich sein können. Dass "Dann sollen sie doch Kuchen essen!" a) falsch übersetzt wurde und b) vermutlich nicht mal was mit Marie Antoinette zu tun hat, wird hier ausgiebig erklärt und in einen größeren Zusammenhang gestellt. Spannend!

Verdammt verstörend fand ich hingegen den Vortrag "Der Wille zum Nein" von Dania Alasti. Sie spricht darin über die Rechtsprechung in Vergewaltigungsfällen. Die Erkenntnis, dass nach deutschem Recht Sitzblockaden physische Gewalt sind, sexuelle Handlungen gegen den Willen der oder des Anderen lange Zeit aber nicht als solche gewertet wurden, ist krass. Der Vortrag enthält die recht detailierte Beschreibung eines Übergriffs, seid also vorsichtig.

Hier könnt ihr euch den Podcast anhören.
Zuletzt habe ich mich auch noch massiv über diesen Artikel auf ZEIT Online geärgert, in dem eine Journalistin sich darüber auslässt, was für eine tolle Möglichkeit Umzüge seien, um eine Stadt kennenzulernen. Während ich versucht war, ihr stattdessen ausgedehnte Spaziergänge vorzuschlagen, rollten meine Augen langsam in den Hinterkopf. Besonders angesichts solcher Sätze kommt mir ja auch die Galle hoch: 
"Umzugstage sind eine genderdebattenfreie Zone – die Jungs schleppen, bohren und wuchten, die Mädels wickeln ein, packen aus und dekorieren herum – MINT-Kampagne my ass."
Hätte ich das mal früher gewusst. Blöderweise habe ich mich nämlich vor dieser Lektüre zwecks Umzugshilfe mit einem befreundeten Paar verabredet. Zum Kisten tragen und in Autos wuchten, um genau zu sein, gemeinsam mit allen Anwesenden.

Wenn meine Arme dann vor lauter Schlepperei dann bis zum Boden reichen, werde ich mich noch bei Andreas Samstagsplausch niederlassen und herausfinden, was ihr diese Woche so getrieben habt. . Ich freu mich drauf!

Habt ein zauberhaftes Wochenende!

Mittwoch, 12. Juli 2017

Feministenmonster

Das grüne Herz am rechten Fleck: Mein neuestes Monsterchen ist fertig!

Anfang des Jahres habe ich mich auf Instagram bereit erklärt, bei #freudeschenken 2017 teilzunehmen und im Rahmen dessen fünf weiteren Menschen in diesem Kalenderjahr eine Freude zu machen. Mittlerweile ging das zweite Päckchen auf Reisen - zu Veronika, erneut mit einem revoluzzzionären Monsterchen nach einen kostenlosen Tutorial von Revoluzzza.

Veronika mochte das erste #freudeschenken-Monsterchen und beschreibt sich in ihrer Instagram-Bio als Feministin. Was lag da näher, als mal wieder ein feministisches Monster zu verschicken?


Kämpferisch: Die Rückenverzierung.
Warum eigentlich Feminismus? "Wenn du für Gleichberechtigung bist, warum dann eine Bezeichnung, die Frauen so herausstellt?", hat mich ein Freund mal gefragt - und er ist bei weitem nicht der Einzige, der diese Bezeichnung nicht einleuchtend findet. 
Mir erscheint sie passend, weil es immer noch weiblich konnotierte Eigenschaften und Tätigkeiten sind, die in der Gesellschaft weniger Anerkennung erfahren.

Beispiel gefällig? Dass textile Handarbeiten nicht als Handwerk, sondern als Tüddelkram gelten, entspricht diesem Mechanismus. "Das kann man doch alles kaufen. Was für eine Zeitverschwendung!" höre ich sehr viel häufiger als Argument gegen meine Hobbys als mein Bruder, der gerne an Autos herumschraubt.

Das Ziel kann an der Stelle ja nun nicht sein, die Nase über meinen Werkzeug schwingenden Bruder zu rümpfen, damit wir beide gleich (mies) behandelt werden. Wünschenswert ist in meinen Augen stattdessen, dass weiblich konnotierte Eigenschaften und Tätigkeiten eine Aufwertung erfahren, um sie auf denselben kulturellen Status zu heben, wie ihre männlichen Pendants.

Natürlich ist das bei weitem nicht alles, was man über Feminismus sagen kann. Deswegen schreiben andere ganze Bücher oder Blogs darüber oder nehmen Podcasts dazu auf. Aber dieser Mechanismus ist der Grund, warum ich mich mit dem Begriff des Feminismus identifizieren kann. 

Und damit geht dieses Monsterchen mit erhobener Faust zu Jules Monatssammlung politischer Handarbeiten.

Sonntag, 9. Juli 2017

[Samstagstee] am Sonntag

Samstagstee mit Lektüre und kunterbunten Hexagonen - beides werdet ihr bald wiedersehen.
Hallo ihr Lieben,

long time no see. Dass ich zu Hause kein Internet mehr hatte, hatte ich ja berichtet. Deswegen wollte ich meine Fortbildung in Kulmbach unter anderem nutzen, um im Hotel ein paar Blogposts vorzubereiten. Ich hätte auch Dinge zu erzählen gehabt, zum Beispiel habe ich "Wonder Woman" im Kino gesehen (und fand ihn eher mies), habe einen feministischen Post für Frau Jules Sammlung politischer Handarbeiten zur Hälfte geschrieben und mich riesig über das "Ja!" zur Ehe für alle gefreut...

Aber zur selben Zeit ist eine Frau gestorben, die ich sehr mochte. Hätte ich gewusst, wie wenig Zeit wir haben würden, hätte ich sie öfter getroffen, häufiger Kontakt gehabt, ... So kannte ich sie viel weniger gut, als ich wollte. Aber trotzdem wird sie mir in Erinnerung bleiben als einer der freundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe, liebevoll und mit weit offenen Armen - bereit, mich von der ersten Minute an in ihr Herz zu schließen. Sie ist jetzt seit zwei Wochen tot und ich glaube, so richtig ist das immer noch nicht bei mir angekommen.

Aber zumindest habe ich es geschafft, mir wieder Internet zu beschaffen, so dass ich euch in den nächsten Wochen wieder mit Netzfunden, Werkeleien und Buchrezensionen beglücken kann. Es ist schön,wieder hier zu sein und an Andreas Samstagstafel verspätet Platz nehmen zu können.

Habt eine wundervolle Woche - und sagt euren Lieblingsmenschen, dass ihr sie mögt.

Samstag, 24. Juni 2017

[Samstagstee] mit bunten Netzfunden

Archivbild again, ich war diese Woche unterwegs - leider ohne Kamera.
Diese Woche war ich fortbildungsbedingt in Kulmbach, einem fränkischen Städtchen in der Nähe von Bayreuth. Die letzten fünf Tage waren richtig intensiv, ich habe ganz viel gelernt und hoffe, dass mich das alles auch längerfristig weiterbringt. Zu kurz gekommen ist dabei leider das Erkunden der Stadt - außerhalb der Biergärten, Dönerbuden und Restaurants, die ich so in Mittagspausen und an Feierabenden aufgesucht habe. Schade, denn die durch Renaissance und Barock geprägte Innenstadt ist wirklich hübsch und die Plassenburg scheint zumindest von dort aus tatsächlich einen Spaziergang wert zu sein!

Statt spazieren zu gehen, habe ich die viel zu warmen Abende zumindest teilweise im Internet verbracht und dabei einiges aufgestöbert, was ich gerne mit euch teilen möchte und zu diesem Zwecke zu Andrea schubse.

Erinnert ihr euch noch an meine Begeisterung über die kleine Google-Doodle-Maus zum Frühlingsanfang, mit den putzigen Stickereien in ihrer Wohnhöhle? Hier hatte ich darüber geschrieben. Und konnte mich am Mittwoch über eine Fortsetzung freuen: Es gab nämlich auch ein Doodle zum Sommeranfang

So niedlich! Die Google-Doodle-Sommermaus.

Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben startet in der nächsten Woche eine Linkparty zum CSD, dem Christopher-Street-Day. Diesen Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag wird überall auf der Welt genutzt, um für Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transpersonen und Intersexuellen zu demonstrieren - für Vielfalt, Toleranz und eine bunte Welt. Deswegen wird es bunt bei Karin - und ich darf am 20. Juli mit einem bereits geplanten Post als Parade-Bloggerin mit dabei sein. Wer euch noch mit ganz viel Farbe erfreuen wird, findet ihr hier heraus.

Auch mit dem nächsten Fund bleibe ich beim Thema: In seiner aktuellen Reihe "Extreme(ly Queer) Muslims" führt Dylan Marron Interviews mit Muslimen, die schwul, lesbisch oder transgender sind - um mit dem Vorurteil aufzuräumen, es handle sich dabei um einen unüberwindbaren Gegensatz. Die Teenvogue hat dafür lobende Worte gefunden und auch mir haben die drei bisherigen Episoden gut gefallen. Wer neugierig geworden ist, kann hier das erste Interview anschauen - oder in Dylan Marrons Youtube-Kanal nach weiteren Videos Ausschau halten.


Danach habe ich noch was Fieses im Kontrast: In der Online-Ausgabe der WAZ wurde am Mittwoch ein Artikel über eine geleakte WhatsApp-Unterhaltung der AfD in Sachsen-Anhalt erschienen, in der unter anderem ein Polizist "Säuberungen" in den Medien nach der "Machtübernahme" fordert. „Unschön gerade im Wahljahr, dass das veröffentlicht worden ist“, wird AfD-Landtagsabgeordneter und Bundestagskandidat Andreas Mrosek aus Dessau im Artikel zitiert. Dass das geleakt wurde, ist nicht mein Problem mit diesen Chat-Nachrichten, echt nicht.

Damit ich euch nicht mit sowas ins Wochenende entlasse, hier noch eine Idee, wie man die Welt vielleicht zu einem freundlicheren Ort machen könnte: Die HNO-Klinik in Hannover sucht  Menschen, die Lust haben, kleine Häkelschnecken zu fertigen. Die sind als Geschenk gedacht für Kinder, die ein Cochlea-Implantat bekommen. Mehr Infos und einen Link zum Anleitungs-PDF findet ihr hier.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende. Genießt es, was auch immer ihr tut!

Mittwoch, 21. Juni 2017

[Rezension] Ink


Metallisch schimmernder Einband? HervorragendeBeute für meine innere Buch-Elster!
In der vorletzten Ecke des Untergeschosses von All Amounts of Books (Soho, London), wo der Fußboden zittert, wenn die Tube darunter hindurch fährt und wo alle Bücher nur ein Pfund kosteten, schimmerte es mir aus einem Regal entgegen. Metallisch kupfern, mit stilisiertem Vogelmuster hat mich "Ink" von Alice Broadway direkt angezogen. Weil es sich um ein unkorrigiertes Rezensionsexemplar handelte, stand nicht einmal eine Inhaltsangabe hinten drauf. Trotzdem habe ich es mitgenommen und bin bereits auf der Heimreise nach Stuttgart tief in die Welt eingetaucht, die sich rund um die Hauptperson Leora entfaltet.

In der dargestellten Gesellschaft werden alle wichtigen Ereignisse im Leben der Menschen auf deren Haut tätowiert. Durch Blut, Schmerz und Tinte wird so den Mitmenschen offen gelegt, wer man ist - und das vom zweiten Tag des Lebens an. Die Tattoos sind sogar über den Tod hinaus so wichtig, dass Verstorbene gehäutet, die Tattoos zu einem Buch gebunden und in der Familie durch die Generationen weitergereicht werden. So bewahrt man die Ahnen vor dem Vergessen - dem schlimmsten, was mit einem Menschen geschehen könnte. Entsprechend ist die Verbrennung des eigenen Hautbuchs die höchste Strafe überhaupt, zu der ein Mensch verurteilt werden kann.
Die Körperkunst ist so zentral für das Selbstverständnis, dass untätowierten Menschen Hass entgegen schlägt: Ihre Weigerung, ihr Selbst nach außen zu kehren, wird als potenziell kriminell motivierte Heimlichtuerei empfunden - und mit einer Gewalt bekämpft, die noch vor Leoras Geburt in Zwangsumsiedlungen (und vermutlich weit Schlimmerem) mündete. Dieser Hass wird zum Zeitpunkt der Erzählung von einem neuen Präsidenten erneut geschürt, dessen Agenda mit "Make Tattoos great again!" gut beschrieben wäre.

In dieser Gesellschaft sucht Leora mit 16 Jahren gerade ihren Platz, als sie erfährt, dass ausgerechnet ihr kürzlich verstorbener Vater "vergessen" werden, das Buch aus seiner Haut also verbrannt werden soll. Das stellt ihr Leben komplett auf den Kopf und lässt sie an allem zweifeln, was sie bisher für selbstverständlich gehalten hat.

So ein hübsches Buch kann ich unter keinen Umständen liegen lassen. Erst recht nicht, wenn es nur ein Pfund kostet.

Nachdenklich ist Leora, ein bisschen grüblerisch. Ein Mädchen, das lieber hinter Büchern verschwindet, als mit Klassenkameraden Party zu machen. Mit einer mir aus meiner eigenen Pubertät durchaus vertrauten Akribie untersucht sie die neuesten Dehnungsstreifen und würde ihren Körper lieber verstecken als ihn der Welt so offenherzig zu präsentieren, wie es üblich ist. Meinem jugendlichen Ich hätte Leora eine ziemlich gute Identifikationsfläche geboten.

Trotzdem war ich am Ende nicht rundum beglückt und das liegt nicht nur daran, dass ich mittlerweile älter bin und meine Dehnungsstreifen längst als vorhanden akzeptiert habe. Besonders gestört hat mich, dass im ersten Teil des Buches Schlussfolgerungen für meinen Geschmack nur sehr langsam gezogen werden - Puzzleteile werden ausgeworfen und liegen dann gefühlt ewig direkt nebeneinander, ohne offiziell zusammengesetzt zu werden. Irgendwann verkehrt sich dieses Tempo dann auch noch ins Gegenteil. Im letzten Viertel des Buches findet eine derart massive Charakterentwicklung statt, die ich einem so nachdenklichen Charakter wie Leora in einer so kurzen Zeitspanne schlicht nicht abnehme. Allerdings muss ich an dieser Stelle der Autorin auch zugestehen: Es ist ihr erster Roman - da kann und muss man noch nicht alles richtig machen, finde ich.
Rein persönlicher Geschmack ist die Sprache. Diese war mir etwas zu schlicht, zu wenig poetisch. Mich hat sie entfernt an "Hunger Games" erinnert, das mich nicht zuletzt aufgrund des sprachlichen Stils nicht überzeugt hatte (weshalb ich nur den ersten Band kenne).

Überhaupt hat sich mir der Vergleich zur ebenfalls dystopischen "Hunger Games"-Reihe von Suzanne Collins aufgedrängt. "Ink" ist allerdings (zumindest im ersten Band) trotz aller abgeschälter Haut und latent faschistoider Gesellschaft wesentlich unblutiger, zarter in der Darstellung von direkter Gewalt. Und obwohl in beiden Fällen viel über Kleidung gesprochen wird - die Klamotten in "Ink" sind nicht so pompös. Was deutlich stärker herausgearbeitet wird und was mir unheimlich gut gefallen hat, sind die Folklore und die Darstellung der Gesellschaftsordnung von Leoras Welt. Diese Aspekte hatten mir bei den "Hunger Games" massiv gefehlt, denn ich lege sehr viel Wert darauf, einiges über die dargestellte Welt zu erfahren. Dass diese in "Ink" so intensiv erfahrbar gemacht wird, ist auch der Grund, warum ich die folgenden beiden Bände vermutlich lesen werde - und sie Fans von "Hunger Games", dystopischen Jugendromanen und Tattoos durchaus ans Herz legen möchte.

Samstag, 17. Juni 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Archivbild again: Dieses Mal aufgrund Internetausfalls.
Guten Morgen, ihr Lieben!
Mich hat diese Woche ein schweres Los ereilt, nämlich der nachhaltig aktive Ausfall des WLANs in meinem Zuhause. Deshalb schreibe ich diesen Post vorab, um euch überhaupt mit einem Lebenszeichen zu erreichen - am Handy schreibt es sich nicht ganz so angenehm.

Weil ich trotz Internetausfalls nicht so viel gewerkelt, sondern gelesen habe, müsst ihr euch heute auch noch mit fremden Stickereien begnügen. Die Vogel-Pin von Paulina Bartnik sind definitiv einen Blick wert - so naturgetreue und liebevolle Arbeiten könnte ich mir stundenlang anschauen.

Tierisch ist auch der nächste Link aus dem Jahre 2016. Ein schnuffiger Kater namens Barney hat zwanzig Jahre lang auf einem Friedhof gewohnt und dort bis zu seinem eigenen Tod Trauernden Trost gespendet. Wenn ich da an meine alte WG-Katze denke, die auch immer ankam, wenn es mir nicht gut ging und sich mit ihrem warmen, kleinen Körper um mich herumgewickelt hat, glaube ich, dass einem kaum etwas Besseres passieren kann.

Im ZEIT-Magazin fand ich einen Artikel zum Single-Dasein als Frau und fühlte mich an einen Punkt erinnert, den ich in meinen "Zehn Fakten über die Liebe" erwähnt hatte: Dass mir oft die Vorstellung begegnet, man sei als Mensch nur mit Partner eine vollständige Person. Marlene Teschner hat über diese Vorstellung aus persönlicher Sicht als Frau Ende 40 geschrieben und man hört das Augenrollen in jedem einzelnen Satz. Besonders geht ihr auf den Keks, dass diese Unvollständigkeit offenbar besonders für Frauen angenommen wird, während bei Männern viel stärker Konnotationen wie "Freiheit" und "Selbstbestimmung" im Mittelpunkt stünden. Ich geh dann nochmal nachschauen, in welchem Jahrhundert wir uns derzeit befinden...

Beim Springen von Link zu Link bin ich auf einen Artikel über Gisella Perl gestoßen, eine Gynäkologin, die im Konzentrationslager Auschwitz gezwungen war, mit Dr. Mengele zusammenzuarbeiten. Angesichts seiner tödlichen Experimente mit Schwangeren und deren ungeborenen Kindern sah sie nur einen Ausweg, um zumindest das Leben der Frauen zu retten: Abtreibungen ohne Schmerzmittel, ohne Desinfektionsmöglichkeit. Ich bin immer wieder berührt, wie viel einzelne Menschen auf sich genommen haben, um anderen (noch größeres) Leid zu ersparen - und traurig, dass nur so wenige bekannt sind.

Diese Links schicke ich nun zu Andrea und wünsche euch allen ein zauberhaftes Wochenende!

Mittwoch, 7. Juni 2017

[3 of a kind] I am slightly obsessed with

Im Juni will Sas etwas über die größten Obsessionen unseres Lebens wissen. Da musste ich wirklich nicht lange darüber nachdenken...
(Feministische) Stickerei ist eine ganz aktuelle Obsession. Mehr zu diesem Monsterchen findet ihr hier.
Meinem Instagram-Feed sieht man sehr genau an, wofür ich mich interessiere. Zwei der besonders herausstechenden Bereiche sind Stickerei und Feminismus - mit Überschneidungen zwischen beidem. Diese Überschneidungen haben mir erst so richtig gezeigt, wie viel politisches Potenzial in meinem scheinbar rein dekorativen Hobby steckt. Von den vielen stickenden Feministinnen möchte ich euch drei zeigen, die meinen Feed ganz besonders bereichern: fembroidery, Brinn Jones, Needle and Bitch.

Eine liebe Nähkromantin hat mir wundervolle Ohrringe gebastelt - passend zum ersten Lieblingsfandom.
Harry Potter war das erste Fandom, das mich so richtig erwischt hat. Davor gab es natürlich auch Bücher, die ich mochte, aber ich wollte noch nie so unbedingt in einem leben - Briefe mit Eulen verschicken, in der Winkelgasse umherbummeln und einen eigenen Zauberstab besitzen. Bei keinem anderen Fandom habe ich zuvor Fanfiction geschrieben oder mich anhaltend über das vollkommen dysfunktionale Mediensystem beklagt (der Regierungseinfluss ist definitiv zu groß!). In dem Moment, in dem ich dies tippe, habe ich das dringende Bedürfnis, mich an eine Fanfiction über eine junge Redakteurin beim Tagespropheten zu setzen, die entgegen der Anweisungen ihres Chefs im Zaubereiministerium recherchiert und dabei... Aber erst einmal diesen Blogpost über Obsessionen fertigstellen, nicht wahr?

Finnland - definitiv eine kleine Obsession von mir. Fragt meine armen Freund*innen.

2014 habe ich vier Monate im Südwesten Finnlands verbracht, wo die Straßenschilder finnisch und schwedisch sind, wo es nicht so viel kälter und dunkler ist als in Deutschland und wo die beste Uni-Bibliothek steht, die ich je hatte. Ich vermisse sie ebenso wie meine Flurnachbarn im Wohnheim und den Weg am Fluss, den ich immer entlang gegangen bin, um bei Lidl einzukaufen (weil Essen in finnischen Supermärkten astronomische Preise hat). Nach meiner Rückkehr habe ich etwa ein halbes Jahr lang jeden zweiten Satz mit "In Finnland..." angefangen. Es ist seitdem nur ein wenig besser geworden.

Noch mehr prächtige Obsessionen findet ihr bei Sas. Ich freue mich schon aufs Stöbern!

Samstag, 3. Juni 2017

[Samstagstee] mit Amanda Palmer

Guten Morgen! Ein Symbolbild - ich tippe dies nämlich schon am Freitagabend.
Guten Morgen, ihr Lieben!
Wenn ihr das lest, bin ich wahrscheinlich schon auf dem Sprung zum Bodensee - der Lieblingsmensch und ich nutzen das lange Wochenende nämlich, um ausgiebig gemeinsam in Zügen zu sitzen.


Am Donnerstag haben wir in München ein Konzert besucht, auf das ich mich mehr gefreut habe als auf jedes andere bisher: Amanda Palmer & The Legendary Pink Dots, die gerade mit ihrem gemeinsamen Album "I Can Spin A Rainbow" durch Europa touren. Und oh mein Gott, wie sehr blieb all diese Vorfreude hinter dem eigentlichen Konzert zurück. Es war mehr als fantastisch. So intensiv und seltsam und - herzlich. Ich liebe es ja sehr, wenn die Musizierenden miteinander und mit ihrem Publikum interagieren - und das tut Amanda. Unter Umständen mopst sie sich auch mal ein Smartphone aus dem Publikum, antwortet auf Zurufe aus dem Publikum und plaudert mit den anderen Menschen auf der Bühne. Ich habe an diversen Stellen laut gelacht, an anderen stand mir das Wasser in den Augen. Meine Gänsehaut reichte ungelogen von den Ohrläppchen bis zu den Kniekehlen. Und als sie ein Lied für ihren verstorbenen besten Freund Anthony spielte, habe ich schließlich Rotz und Wasser geheult. So darf das sein. Ganz, ganz große Konzert-Liebe und bestimmt nicht das letzte Konzert von Amanda, das ich sehen werde.

Mein Backpatch - natürlich war die Kutte mit in München.
Und heute geht es also an den Bodensee. Ehrlich gesagt, weiß ich noch nicht, was wir dort machen werden - der Lieblingsmensch gedenkt mich zu überraschen. Ich bin sowas von gespannt und (schon wieder) voller Vorfreude. Dieses Wochenende ist bereits jetzt ein grandioses Wochenende - und genau so eines wünsche ich euch auch, ganz egal, was ihr damit anstellen mögt!

Noch mehr Glücksmomente, Wochen(end)pläne und vieles mehr findet ihr bei Andreas Samstagsplausch.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Mai - hier wird gekuschelt

Auf Mondkunst rekapitulieren Hana und Nria jeden Monat, was sie so getan haben. Auch im Mai folge ich diesem Beispiel.

Für mich selbst gewerkelt im Mai:
Im Mai habe ich insgesamt nicht so viel geschafft und für mich selbst war nichts dabei. Das finde ich aber auch nicht weiter tragisch, denn erst am Wochenende hatte ich eine zündende Idee für ein Projekt, das tatsächlich mal wieder für mich selbst ist... Stay tuned, es wird bunt - und knochig!

Snuggly Foxes von Urban Threads wurden zu einer kleinen Kissenhülle.
Für andere gewerkelt im Mai:
Der Kuchenfuchs bekam zum Dank für wundervolles Gebackenes ein kuscheliges Kissen mit - na klar! - Füchsen. Das Kissen brachte mir trotz der Hitze ein paar über den Tag verteilte Umarmungen ein.

Angefangene Projekte:
Zwei Kleinigkeiten habe ich zugeschnitten, die kann ich euch hoffentlich bald zeigen. Auch die werden nach Vollendung auf die Reise geschickt.

Gescheiterte Projekte:
Wenn ihr euch gewundert habt, warum das vielfach erwähnte Flapperdress für den Bücherball entgegen aller Pläne im Mai nicht auftaucht - ich habe es erneut in die Ecke gepfeffert. Der Stoff und ich sind weiterhin keine Freunde und nachdem auch der zweite Versuch schlicht enttäuschend war, habe ich nun keine Lust mehr darauf. Mal sehen, was ich nun stattdessen für den Ball verwende...

Neue Schnittmuster, Anleitungshefte und Bücher:
Ich habe ein neues Stick-Motiv von Urban Threads gekauft. Wie gesagt, es wird knochig und regenbogenbunt. Ich weiß nur noch nicht, wann genau...

Stoff gekauft:
Ist euch aufgefallen, dass ich dieses Jahr noch keine Hexagone gepostet hatte? Der Grund: Seit Oktober (!) fehlte mir das Vlies für diesen Sternenquilt. Diesen Mangel habe ich am vergangenen Samstag im Rahmen des Nähbloggerinnen-Treffens in Stuttgart endlich beseitigt. 1,4 m² sind damit dazugekommen, werden aber hoffentlich auch zeitnah wieder verschwinden.
Vom Tauschtisch auf dem Treffen ging auch ein Rest schwarzer Wollfilz mit, dessen genaue Größe sich nur schwer ausmessen lässt. Ich behaupte mal 0,7m² könnten es sein.

Stoff vernäht:
Zugeschnitten habe ich nur 0,92m². Allerdings bin ich ausgleichenderweise auf dem Nähbloggerinnen-Treffen auch 5,6m² losgeworden. Davon war ich ziemlich begeistert, denn es ist so schade, wenn schöne Stoffe ungeliebt in einer Kiste vor sich hin vegetieren.

Material verarbeitet:
Ich habe eine gewisse Menge Schwarztee für das oben gezeigte Fuchskissen verwendet. Der Färbeeffekt hat mich sehr überzeugt.

Pläne für den Juni:
Da der Bücherball unaufhaltsam näher rückt, lautet der Plan eindeutig: Eine Entscheidung treffen, was ich trage und darauf hinarbeiten.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Werkelpläne für den Juni?

Montag, 29. Mai 2017

Komm kuscheln!

Snuggly Foxes von Urban Threads, kombiniert mit meinem liebsten Patchwork-Muster.
An einem Samstag im April habe ich angesichts einer leeren Fadenrolle beschlossen, spontan ein weiteres Stickprojekt zwischenzuschieben. Wer mir bei Instagram folgt, konnte davon auch bereits kleine Einblicke erhaschen.

Das Stickmuster ist, wie meist, von Urban Threads. Ich habe es vor längerer Zeit einmal als Freebie abgreifen können, aber bis zum 31. Mai findet noch ein shopweiter Sale statt - alle Motive zum halben Preis. Nur, falls es jetzt jemandem in den Fingerspitzen juckt. Ich für meinen Teil habe mir schon wieder ein neues Motiv gesichert...

Schlaft gut, kleine Füchse!
Weil das weiße Fuchsfell sonst untergegangen wäre, wollte ich gerne naturfarbenen Hintergrundstoff verwenden. Da ich davon nichts mehr zu Hause hatte, warf ich die Stickerei nach Vollendung kurzerhand in einen Topf starken Schwarztees. Vom Färbeergebnis bin ich ziemlich angetan! Eigentlich hatte ich anschließend geplant, auch die äußeren hellen Bereiche zu färben. Allerdings kamen mir dann ein Feiertag und spontane Ungeduld dazwischen. Zum Ausgleich habe ich mich für naturfarbenes Quilting entschieden. 

Die Schnuggelfüchse ziehen heute bei Kerstin ein, dem Kuchenfuchs und ihres Zeichens liebe Kollegin von mir. Mehr als verdient hat sie sich diese kleine Aufmerksamkeit durch regelmäßige, spektakuläre Backwerke, die sie selbstlos in der Teeküche abstellt - und liebenswerterweise "Warnmails" an Ausgewählte schickt, um sicherzugehen, dass wir auch wirklich ein Stück abbekommen. Wer nämlich zehn Minuten zu spät kommt, steht vor traurigen Krümel- und Cremeresten.

Bevor sie hoffentlich Kerstin erfreuen, schauen die kuschligen Füchse aber noch bei Gabis Linkparty für Handgesticktes vorbei und auch beim Modern Patch Monday der Modern Cologne Quilters.

Samstag, 27. Mai 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden


Mopstass' mit aktuellem Stick-Quiltprojekt.
Hallo ihr Lieben!
An diesem Morgen bin ich schon ganz aufgekratzt, denn heute ist das Nähbloggerinnen-Treffen in Stuttgart! Daher brauche ich jetzt erst einmal eine beruhigende Tasse Tee, bevor ich mich aufmache, um Stoffe zu streicheln, natürlich nur geplante Einkäufe zu tätigen, einen Tauschtisch unter die Lupe zu nehmen und ganz, ganz viel zu plaudern. Jedenfalls, wenn mich nicht die Schüchternheit überfällt und mich stumm und kulleräugig daneben stehen lässt.

Vorher möchte ich aber für diejenigen unter euch, die heute mehr Zeit im Internet verbringen, auf ein paar Netzfunde aufmerksam machen, die ich in dieser und der vergangenen Woche an Land gezogen habe.
Den "braunen Regenbogen" fand ich sehr spannend zu hören.
Die neueste Episode des kleinercast beschäftigt sich mit Homosexuellen in der AfD - einer Partei, die ja nicht gerade dafür bekannt ist, für irgendetwas neben der biodeutschen Hetero-Familie sonderlich offen zu sein. Auf welche Art LGBT-Themen rechts interpretiert werden und welche Argumentationsmuster dabei bedient werden, wird hier in etwas über einer Stunde beleuchtet.

Für einen weiteren Blick über den deutschen Tellerrand kann ich an dieser Stelle die vierte Episode von Nancy empfehlen, in der Kathy und Tobin mit und über schwule Republikaner in den USA sprechen, über deren Selbstverständnis und Hoffnungen an die Trump-Regierung. 

Hier entlang zu Väterprivilegien und kreativen Beleidigungen.
Diese Woche gab es außerdem eine Premiere beim Lila Podcast, nämlich die erste Episode mit einem Mann. Nils Pickert ist Journalist und Aktivist bei Pinkstinks und spricht über feministische Vaterschaft und beispielsweise darüber, dass der Vatertag ja auch genutzt werden könnte, um sich intensiver mit der Familie und der Rolle als Vater auseinander zu setzen, anstatt sich mit anderen Männern zu betrinken.

Hier äußert sich die Journalistin Dunja Hayali über Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was heißt das eigentlich für unsere Gesellschaft? Ich kleiner Audio-Junkie habe mich besonders gefreut, dass ihre Gedanken sowohl als geschrieben, als auch gesprochen vorliegen. Der WDR 3-Podcast "Das Grundgesetz geht alle an!" wird sich offenbar durch das ganze Grundgesetz arbeiten und ich glaube, da lohnt es sich, häufiger mal hinzulesen und zu -hören.

Zuguterletzt habe ich noch was Historisches für euch, einen Artikel über die sogenannten Ghost Girls. So nannte man vor hundert Jahren die Frauen, die Ziffernblätter für Uhren mit Radium bemalten. Das ließ nicht nur die Uhren, sondern auch die Frauen selbst im Dunklen leuchten - und brachte letzteren aufgrund fehlenden Arbeitsschutzes den Tod. Dass einige noch sterbenskrank die Kraft aufgebringen konnten, für die Rechte und das Leben ihrer Kolleginnen zu kämpfen, hat mich sehr beeindruckt. Achtung, da sind ein paar Fotos dabei, die die Langzeitschäden radioaktiver Strahlung zeigen.

Mit diesen Funden im Gepäck schaue ich nun noch kurz rüber bei Andrea und schaue mal, was ihr so diese Woche getan habt.

Genießt das Wochenende!

Mittwoch, 24. Mai 2017

Zehn Fakten über mich und die Liebe

Auf die Liebe (und gutes Essen - was beinahe das Gleiche ist)!
Astrid sammelt im Mai Fakten über die Liebe. Beim Lesen ihres Posts ist mir ganz warm ums Herz geworden. Trotzdem ist es in der Linksammlung noch recht leer, da ist noch Platz für viel mehr Fakten. Vielleicht hat ja noch jemand Lust, teilzunehmen? Bis zum 31. Mai ist noch Zeit!
  • Als ich deutlich jünger war als heute, habe ich mich diverse Male in fiktionale Charaktere verknallt. Meine Begeisterung für Iros verdanke ich einem jugendlichen Punk mit grünem Haar in einem Kinderbuch über eine besetzte Fabrik, deren punkige Bewohner gegen Umweltschweine und Hundekampfveranstalter kämpften. Das hatte ich nur einmal aus der Bücherei ausgeliehen und es ist sicher zehn Jahre her, aber ich erinnere mich immer noch an Satzfetzen.
  • So gern ich fiktionale Charaktere mag: Mit Liebesromanen kann man mich normalerweise jagen. Ziemlich weit sogar. Über "Die Frau des Zeitreisenden" (Audrey Niffenegger) und "Gut gegen Nordwind" (Daniel Glattauer) habe ich allerdings literweise Tränen vergossen und beschlossen, dass es sich dabei um Bücher handelt, ohne die ich nicht mehr leben möchte. Sie ziehen daher häufiger mit mir um, anstatt in einem Bücherregal meiner Eltern auf mich zu warten.
  • Vor einiger Zeit habe ich die Kriegstagebücher von Astrid Lindgren gelesen - besonders berührt hat mich dabei ihre Liebe und ihr Mitgefühl für all die Menschen, die im Krieg ihr Leben, ihre Angehörigen oder ihr Zuhause verloren haben. Ganz unabhängig von der Nationalität schaute Astrid Lindgren einfach auf die Menschen. Von diesem Buch muss ich euch bei Gelegenheit noch mehr erzählen.
Durch ihre Kriegstagebücher ist mir Astrid Lindgren noch mehr ans Herz gewachsen.
  • Man sagt, Liebe geht durch den Magen. Für mich stimmt das definitiv. Ein zuverlässiger Weg in mein Herz führt über die Zubereitung eines guten Frühstücks. Das ist übrigens auch der einzige Weg, mich am frühen Morgen dazu zu bewegen, freiwillig das Bett zu verlassen.
  • Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick. Natürlich haben auch mir schon Menschen auf Anhieb gefallen. Aber es liegen Welten zwischen der anfänglichen Begeisterung für jemanden, die sich anfühlt als hätte ich kiloweise Brausepulver verschluckt und der ruhigen, vertrauensvollen Wärme, die mich bei längerfristiger Zuneigung erfüllt. Schön ist aber natürlich beides. 
  • Übrigens habe ich dieses aufgeregte Kribbeln nicht nur bei romantischen Begegnungen: Auch der Beginn einer Freundschaft ist bei mir erfüllt von geröteten Wangen, viel Gekicher und einer entschieden zu großen Portion "Und dann hat sie gesagt..." Falling in friendship ist definitiv ein Ding (und äußerst großartig!).

Inschrift an der Stuttgarter Grabkapelle. Über diesen schönen Ort habe ich hier mehr berichtet.

  • Es ist mir in Sachen Liebe herzlich egal, wer da eigentlich mit wem verbunden ist. Frauen mit Frauen, Frauen mit Männern, Männer mit Männern, mehr als zwei Menschen? Das ist mir alles herzlich egal, so lange alle Beteiligten sich freiwillig und aus vollem Herzen auf ihre jeweilige Konstellation einlassen. Liebe ist Liebe. Dass wir in Deutschland nach wie vor keine rechtliche Gleichstellung der homosexuellen Nicht-Ehe haben, macht mich wütend. Von Zuständen im Rest der Welt wie beispielsweise Konzentrationslagern für schwule Männer in Tschetschenien mal ganz zu schweigen.
  • Bei aller Begeisterung für die romantische Liebe: Ich bin entschieden dagegen, den Zustand als Single nur als möglichst rasch hinter sich zu bringende Übergangsphase zu sehen, die keinen Wert in sich selbst hat. Alleinstehend zu sein ist kein Mangel, der möglichst rasch behoben gehört und schon gar kein Zustand, der den eigenen Wert irgendwie einschränkt. Es macht mich traurig, wenn wundervolle Singlefreundinnen und -freunde an sich als Mensch zweifeln, weil sie keine Beziehung führen.
    Ich liebe Handarbeiten. Sowohl den Akt an sich, als auch das Endergebnis.
    • Do what you love and love what you do. So überstrapaziert dieser Spruch sein mag, so wahr ist er auch. Nun ist es den meisten Menschen nicht vergönnt, den ganzen Tag nur ihren Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen. Beispielsweise wäscht sich mein Geschirr nicht von allein und nach Feierabend in einer langen Supermarktschlange zu stehen ist auch eher ungeil. Aber wenigstens einen Ausgleich zu haben, der einen weit weg bringt von aller Blödigkeit, ist Gold wert. In der Kombination aus Handarbeiten, Hörbuch und einer Tasse Tee  habe ich diesen Ausgleich für mich gefunden. Das beste daran? Ich kann ihn fast überall haben und in beinahe jeden Tag integrieren.
    • Handgemachte Geschenke sind nicht nur eine ziemlich logische Folge meiner Begeisterung für Handarbeiten, sondern haben auch ganz viel mit Liebe zu tun. Nicht nur, weil so viel Zeit und Arbeit drinsteckt, sondern auch, weil man so intensiv an die andere Person denkt, während mal eine Auswahl trifft. Jede Entscheidung für einen Schnitt oder ein Muster, ein Material, eine Farbe oder eine Verzierung wird an der empfangenden Person gemessen und so genau wie möglich getroffen. Bei gekauften Produkten ist mir das kaum möglich. So gerne ich selbst solche Geschenke mache, so gerne bekomme ich sie auch. 

    Und jetzt ihr! Ich freue mich darauf, von euren romantischen und anderen Lieben zu lesen!

    Sonntag, 14. Mai 2017

    [Samstagstee] am Sonntag

    Meinen Samstagstee trinke ich in dieser Woche am Sonntag. In Wirklichkeit ist es außerdem auch Kakao. Ihr merkt es wahrscheinlich daran, dass ich verhältnismäßig still bin - derzeit versucht sich immer Material für mindestens zwei Wochen in eine zu quetschen.

    Gequetscht habe ich aber natürlich auch tolle Dinge und war mit Nico von Art und Stil im Kino. Wir haben uns "Embrace - Du bist schön" angeschaut. Ich liebe es ja, Onlinebekanntschaften aus dem virtuellen in den realen Raum zu haben. Trotzdem war ich ein bisschen aufgeregt - völlig zu Unrecht natürlich. Nico ist nämlich eine ganz wunderbare (Kino-)Begleitung: offen, herzlich, eloquent und witzig. Der Film hat uns beiden insgesamt sehr gut gefallen, aber auch gleich noch viel zu quatschen gegeben. Neben all der Begeisterung für die sympathische Hauptperson und ihre tollen Interviewpartner fand ich es bedauerlich, dass Diäten als von vornherein zum Scheitern verurteilt dargestellt wurden (von Ernährungsumstellung wurde gar nicht gesprochen) und schlank sein als etwas, das nur unter größten Qualen erreichbar sei.



    Unser Zusammentreffen verdanke ich übrigens Andrea von Michou à la Mode und ihrer Blogaktion Siebenschön. Darin möchte sie mit sechs weiteren Frauen verschiedenen Aspekten von Schönheit auf die Spur kommen möchte. Nico und ich gehören dazu, außerdem Bine, Stella, Martina und Kiki. Hinter den Kulissen findet schon ganz viel Austausch statt und ich bin sehr neugierig, wohin die Reise so geht.

    Über Facebook bin ich auf ein Video von ze.tt über Laura Schwengber gestoßen, die auf Konzerten Musik in Gebärdensprache übersetzt. Fand ich super - besonders, dass sie auch Anfragen ablehnt, wenn ihr das zu dolmetschende Material zuwider ist.


    Wer wie ich einen Teil des Sonntags damit verbringt, in wüste Mittelerde-Nerderei zu verfallen, der/die könnte mit dieser interaktiven Karte unter Umständen ziemlich glücklich werden. Darin sind nämlich nicht zuletzt wichtige Ereignisse verzeichnet, was zeitlich-räumliche Einordnungen sehr erleichtert. (Und wusstet ihr eigentlich, dass Mordor nach dem Ende des Ringkriegs im Dritten Zeitalter schließlich zur Kornkammer des wiedervereinigten Königreichs wurde und Saurons befreite Sklaven regen Handel mit den Menschen in Gondor trieben? Ich find's super. Steht allerdings nicht in der Karte, muss ich gestehen.)

    Zurück in der echten Welt engagiert sich der Eishersteller Ben & Jerry's unter anderem in Deutschland für die Ehe für alle. In diesem Blogposts des Unternehmens ist ein Tool integriert, mit dem man den Bundestagsabgeordneten des eigenen Wahlkreises diesbezüglich vorformulierte Mails schreiben kann. Ich habe eventuell ein bisschen gespamt. Aus einem Interview von ZEIT online mit Mitgründer Jeff Furman geht hervor, dass dieses Engangement tiefreichende Wurzeln im Unternehmen hat. Hat noch jemand spontan Lust auf Eis?

    Auf den verschlungenen Empfehlungswegen von Bloglovin ist mir eine neue Podcast-Entdeckung zugelaufen: eigenstimmig. Dieser Podcast porträtiert in Folgen unter einer Stunde jeweils eine Frau, die sich mit Leidenschaft ihrer Aufgabe widmet, sei es ihr Beruf oder ihr Hobby. In Folge 3.9 spricht Susanne alias Frau Nahtlust. Ich werde aber bestimmt noch viele weitere Folgen hören, denn ihr wisst ja: habe ich einmal angebissen, gebe ich einen Podcast nicht so schnell her.

    Über folgendes Video zu einem vollkommen aus dem Ruder laufenden Menstruationsgespräch habe ich herzlich gelacht, obwohl es natürlich musikalisch so gar nicht meine Kragenweite ist. Aber "placenta" und "shopping center" zu reimen, fand ich schon sehr grandios.


    Jetzt muss ich mich wohl um Geschirrberge kümmern, die sich in der Küche türmen: Der Lieblingsmensch war nämlich übers Wochenende da und hat dafür gesorgt, dass ich hochanständig verköstigt wurde. Dafür hopse ich aber noch rüber zu Andrea und schaue nach, wie es anderen diese Woche ergangen ist.

    Kommt gut in die neue Woche!

    Samstag, 6. Mai 2017

    [Samstagstee] mit Netzfunden

    Guten Morgen! Ich starte mit meiner Bamberg-Tasse ins Wochenende.
    Guten Morgen, ihr Lieben!
    Na, hattet ihr eine gute Woche? Meine fand einen kleinen Höhepunkt, als ich am Mittwoch einen knallgelben Briefumschlag von Frau Jule aus meinem Briefkasten zog. Bei Instagram habe ich ihn gezeigt und mich ausgiebig gefreut. Mehr Ohrenfutter für mich! Hurra!

    Ansonsten war ich in dieser Woche wieder einmal ein bisschen mehr im Internet unterwegs und habe Netzfunde im Gepäck:

    Kürzlich habe ich mich mit einer Freundin über Minimalismus unterhalten. Mit knapp 30 zieht sie für einen auf ein Jahr befristeten Vertrag quer durch die Republik. Sie wird in einem möblierten Zimmer wohnen und ihren Kram wieder einmal bei ihren Großeltern einlagern. Ich zweifelte einmal mehr daran, ob die Menschen meiner Generation Minimalismus an sich so geil finden oder ob sie nur einfach keine Möglichkeit sehen, materielles Zeug in ihrem Leben immer wieder von A nach B nach C ... mitzuschleppen. Hier ist mir noch im April der passende Artikel von jetzt.de vor die Füße gefallen. 
    *Hier* findet man die neueste Episode des Lila Podcasts.
    Im Lila Podcast ging es am 1. Mai um rechte und um wütende Frauen, Ivanka Trump und Privilegien, feministische Slogans auf Shirts, Wegwitzelung als Widerstandsform und vieles mehr. Habe ich wie üblich gerne gehört und bin dadurch dieses Mal auf den Podcast Nancy gestoßen, in den zwei junge Menschen aus den USA sich über ihre Homosexualität unterhalten. In der zweiten Episode hab ich schon geheult (übrigens vor Rührung, was nicht das schlechteste ist). Dass beide Podcastenden asiastischstämmig sind, erwähnen sie am Ende der Eröffnungsepisode, wo es sinngemäß heißt: "Ihr dachtet die ganze Zeit, wir wären weiß? Das ist euer Problem."

    Neil Gaiman hat ein Gedicht über Hass geschrieben. Hier hat  Anna Eijsbouts aus "Hate for Sale" ein animiertes Video geschaffen, das ich sehr sehenswert finde. Eine schriftliche Version des Gedichts konnte ich leider nicht finden; teilweise sind einzelne Worte scher verständlich. Aber die Message ist klar, oder?
    edit: Dank Kristin habe ich nun noch einen Link für euch - hier gibt's den Text zum Nachlesen. 

    Frau Jule hat im April politische Inhalte in DIY-Blogs gesammelt und die Sammlung Anfang der Woche veröffentlicht. Ich war mit einem eigenen Beitrag dabei und habe mich mit viel Neugier durch die der anderen Teilnehmenden geklickt. Falls es einmal eine Wiederholung gäbe, wäre ich sehr begeistert.

    Astrid sammelt im Mai persönliche Fakten über die Liebe. Beim Lesen ihres Posts wurde mir ganz warm ums Herz - vielleicht möchte die eine oder andere ja ihre Fakten auch noch beitragen? Ich würde gerne noch mehr über die Liebe lesen.

    Jetzt lese ich aber erst einmal bei Andra, wie es euch in dieser Woche so ergangen ist und schwinge mich dann hinter die Nähmaschine. Das bereits mehrfach erwähnte Flapperdress soll heute erstmals Gestalt annehmen!

    Habt ein liebevolles Wochenende!