Freitag, 20. Januar 2017

[Was wir tragen, was wir sind] Stilphilosophie

Bei Art & Stil bin ich auf eine Blogserie gestoßen, die im Januar startet und sich mit Fragen rund um den (Kleidungs-)Stil befasst. Da bin ich dabei - nicht zuletzt, weil ich mir immer wieder vornehme, meine Kleidung selbst zu nähen und parallel dazu immer bewusster und zielgerichteter einkaufen möchte (und das nach wie vor bevorzugt Second Hand).

Verlinkt bei Art und Stil

Anhand mehrerer Fragen soll eigenen Stilvorlieben auf die Schliche gekommen werden, heute präsentiere ich euch die ersten vier und meine Antworten darauf. 

Welche Unterhaltung über Mode oder Stil hat Dich verändert?
Ich wage zu bezweifeln, dass es eine konkrete Unterhaltung war. Eher die gesamte Kommunikation und der Kontakt mit einer sehr lieben Freundin, die sich damals schon wesentlich stärker mit dem Thema befasste und viel Freude daran hat, sich mittels Kleidung und Make-up zu inszenieren. Damals war ich noch weit davon entfernt, mich überhaupt weiter mit dem Thema zu beschäftigen und Energie hinein zu investieren. Kleidung trägt man, damit man nicht nackt rumlaufen muss, fand ich - und möglichst welche, die man nicht ganz scheiße findet. V. hat mir gezeigt, wie viel Spaß es machen kann, sich ausführlicher mit so etwas "Oberflächlichem" zu beschäftigen.

Mit wem redest Du über Kleider?
Hauptsächlich spreche ich im Nähkontext über Kleidung. Und das, obwohl ich (leider) immer noch keine nähe. Da geht es dann viel darum, wie man gekaufte oder selbstgenähte Kleidung besser auf seinen eigenen Körper anpassen kann - und ja, auch darüber, anhand welcher Kriterien man auswählt, ob ein bestimmtes Kleidungsstück in den Schrank einziehen darf.

Glaubst du, du hast Geschmack oder Stil? Was ist dir wichtiger? Was verstehst Du darunter?
Die letzte dieser Fragen finde ich ganz entscheidend, weil die ersten beiden davon massiv beeinflusst werden. "Geschmack" definiere ich als "das, was einem gefällt". Im Gegensatz dazu ist "Stil" "die harmonische Zuspitzung des Geschmacks", also eine beschränkte Auswahl aus dem, was man gefällt.
Nach meiner Definition hätte damit jeder Geschmack, weil jedem irgendwelche Dinge gefallen. Das muss nicht notwendigerweise konsistent sein. Ich finde beispielsweise bonbonbunte Hippieklamotten mit verspielten Details an den richtigen Leuten genauso grandios, wie tiefschwarze, zerfetzte Gothic-Outfits an anderen.
Stil hat gemäß meiner Definition nicht automatisch jeder - und muss es vielleicht nicht einmal haben. Die Verengung und Zuspitzung auf einen roten Faden, der sich überall durchzieht, macht es zweifellos einfacher, morgens kombinierbare Kleidungsstücke aus dem Kleiderschrank zu angeln, reduziert den Anteil der "Hm, ist schon schön, aber irgendwie... hm"-Klamotten und erleichtert es, nach außen hin ein konsistenteres Bild abzugeben. Ich habe aber beispielsweise eine Kollegin, die montags wie Wednesday Adams herumlaufen möchte, dienstags wie Skater-Girl und mittwochs wie ein knallbunter Paradiesvogel_Hippie. Verdammt gut sieht sie an jedem Tag aus.

Wenn Du Dich nur mit Klamotten beschäftigen würdest, und man dich als Expertin nach deiner Stil-Philosophie fragen würde, was würdest du sagen?
Trage, was dir Spaß macht, worin du dich wohl fühlst, was zu dir und deinem Leben passt und lass dir da von niemandem reinreden.* Man sieht Menschen an, ob sie sich in ihrer Kleidung wohlfühlen - und das ist - zumindest für mich - das Entscheidende. Tja, so wortkarg kann eine Philosophie sein.


Erzählt mal, wie sieht's bei euch aus? Bei Art & Stil kann man sich noch bis zum Ende der Woche verlinken, aber ihr könnt natürlich auch einfach in den Kommentaren ein bisschen plaudern.

Dear international readers, as this is already a wall of text without a lot of pictures, I won't translate it. In this post, I talked about style and taste in clothing - if you do want to know what I think about it, please let me know in the comments and I might add a slightly shorter translation. 

*In deiner Freizeit. Dass Arbeitskleidung da unter Umständen Kompromisse erfolderlich machen, ist aber klar, nech? In manchen Berufen gibt's Uniformen und zerfetzte Strumpfhosen dürften auch in den meisten Büros ohne Kleiderordnung für Irritationen sorgen.  

Kommentare:

  1. Ich hab sicher Geschmack, aber ob ich einen Stil habe?
    Vielleicht jetzt wieder mehr, seit ich nicht mehr arbeite und im öffentlichen Blickfeld stehe und meine Neigungen ausschlaggebend sind. Ich bin ja jetzt auch so alt, dass es mich nicht wirklich mehr interessiert, weil ich mich auch nicht mehr mit der Frage rumschlage, wer ich bin und wie ich gesehen werden will. Kleidung suche ich jetzt vor allem unter dem Blickwinkel aus, das es mir angenehm zu tragen ist. Und da liege ich mit Selbstgenähtem richtig.
    Bon week-end!
    Astrid

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    1. Ja, selbst nähen zu können, bringt einem da definitiv was! Deswegen muss ich auch endlich mal meine "Furcht" vorm Kleidungnähen besiegen.^^

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  2. Ich finde unsere Definition von Geschmack und Stil übrigens gar nicht so unterschiedlich :-)

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    1. Ich hab, nachdem ich ein Weilchen bei dir geschmökert hatte, nochmal deinen Stilphilosophie-Beitrag gelesen und beim zweiten Mal auch gedacht: Hm, so weit weg sind wir da eigentlich nicht voneinander.^^

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  3. Wir kennen uns schon aus dem schwarz-grünen Forum und es wundert mich, dass du keine Kleidung nähst. Hatte ich jetzt einfach mal angenommen... Naja, aber es ist ein guter Tag um damit anzufangen. Jeder Tag! Unsere Ideen von Stil und Geschmack sind auch nah beieinander. Geschmack hat jeder, aber Stil muss man sich erarbeiten.

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    1. Oh ja, ein vertrautes Gesicht! In den letzten Jahren hat sich mein Schwerpunkt einfach immer stärker auf Patchwork verlagert. Mal gucken, zumindest ein wenig Kleidung zwischendurch wäre wirklich schön.

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  4. Mir geht es so wie deiner Kollegin - mal hab ich Lust auf diese Kleidung, mal auf jene. Ich befasse mich auch schon länger mit der Reduzierung des Kleiderschrankinhaltes, aber so richtig weit komme ich deshalb immer nicht. ;)
    Ich bin auf jeden Fall gespannt, was Du bei dieser Reihe noch so über dich verrätst. :)
    Liebe Grüße
    Antje

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    1. Ja, das kann ich mir gut vorstellen - man will ja genügend Kombipartner behalten für die einzelnen und so unterschiedlichen Stücke!
      Ich bin auch ganz gespannt auf die weiteren Fragen, die so kommen.^^

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