Samstag, 8. April 2017

[Samstagstee] mit der Schönen und dem Biest

Tee und Pfannkuchen - ich liebe Wochenendfrühstücke!
Guten Morgen, ihr Lieben!

Wieder einmal kann ich mich gar nicht richtig zum Plauschen niederlassen, sondern renne sozusagen nur einmal quer durch Andreas metaphorischen Raum und winke allen Plaudernden zu. Ich bin auf dem Sprung zum Bahnhof, um lieben Freunden einen Besuch abzustatten.

Diese Woche habe ich mir mit Kolleginnen "Die Schöne und das Biest" im Kino angeschaut, obwohl ich von Haus aus kein großer Disney-Fan bin. Hauptsächlich wollte ich aber gerne Emma Watson sehen. Leider muss ich sagen, dass der Film mich eher enttäuscht hat. Das liegt zum einen daran, dass wir die deutsche Fassung gesehen haben und gerade bei Gesang die Lippenbewegungen wirklich nicht zum Text passen. Normalerweise stört mich das weniger, hier war es aber ein bisschen krass. Mir persönlich war es auch zu viel CGI - ich mag es nicht, wenn ich erkennen kann, dass die Kulissen minimalst sind. Aber das sind eher Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was mich wirklich gestört hat: die klischeegemäße Darstellung von Geschlechterrollen. Die Grundgeschichte ist da bekanntermaßen sowieso eher hmpf: Aufopferungsvolles Mädchen taut mit ihrer Liebe einen bösartigen, kaltherzigen Typen auf und rettet ihn vor dem Verderben. Damit kann ich noch umgehen, weil "liebevoll" und "aufopferungsbereit" nicht die einzigen Charaktereigenschaften von Belle sind. Ich mag, dass sie ein Bücherwurm ist und ihrem Vater beim Werkeln hilft. Die Szene, in der Belle vom Kleiderschrank ein pinkes "Prinzessinnenkostüm" übergeworfen bekommt und daraus hervorkrabbelt, um das Kostüm anschließend in Streifen gerissen für einen Fluchtversuch zu nutzen, fand ich noch ziemlich großartig. Hier kann das als Ausdruck von Selbstbestimmung gelesen werden. Ganz anders empfinde ich dagegen die Szene im Kampf ums Schloss, in der der Kleiderschrank Männer in Frauenkleider stecken und sie davon so entsetzt und beschämt sind, dass sie die Flucht ergreifen. Haha, Männer in Frauenkleidern, wie peinlich? Muss das sein? Ich finde es wirklich schlimm, dass auch 2017 "weiblich" assoziierte Dinge für Männer als Downgrade gelesen werden.
Habt ihr den Film gesehen? Und hat er euch gefallen?

Zum Zhema Geschlechterzuschreibungen habe ich hier einen Artikel über eine 90-Jährige gefunden, die beinahe ihr Leben lang vor der Welt verborgen hat, dass sie trans ist - und die jetzt ihr Frausein in vollen Zügen genießen kann. Ich freue mich riesig. Für sie im Speziellen und insgesamt, dass unsere Welt heute so viel freier und offener sein kann als vor einigen Jahrzehnten noch. Ich möchte, dass das so bleibt und dass es damit weitergeht, weil noch längst nicht "alles gut" ist (wie ich ja leider im Kino wieder festgestellt habe).

Passend dazu hat Frau Jule Mitte der Woche dazu aufgerufen, mehr Politik in Handarbeitsblogs zu thematisieren. Der April wird hier daher politischer sein. Weil es mich nervt, dass Handarbeiten so oft mit "Rückzug ins biedermeierliche Private, also Unpolitische" gleichgesetzt wird. Weil Politik nicht im luftleeren Raum stattfindet und nicht vor dem "Privaten" anhält. Weil man laut Paul Watzlawik nicht nicht kommunizieren kann und deshalb auch Schweigen ein Statement ist.
Ich bin gespannt, was bis zum Ende des Monats bei Jule zusammenkommt - und wen ich alles dort lesen werde.

Jetzt muss ich tatsächlich flitzen. Habt alle ein wunderschönes Wochenende!

Kommentare:

  1. na dann ein famoses wochenende! und hatte sich vergangene woche nicht irgendein musiker mit mitte 70 auch mit seiner homosexualität geoutet? passt da ja auch rein... um disneyfilme mache ich in der regel auch einen großen bogen. schade, dass diese neuverfilmung anscheinend doch nicht so gut war. dabei hatte ich in vielen artikeln rundherum gelesen, dass das nun endlich mal wirklich was für frauen sei... nunja. tiger girl gibt aufs maul ;)
    und danke für die verlinkung und ich bin gespannt, wie sich das ganze so entwickelt.
    liebe grüße,
    jule*

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    1. "Nun endlich mal wirklich was für Frauen" ist aber auch schon so 'n Ding, bei dem ich die Ohren anlege. :D
      Von Disney habe ich jetzt jedenfalls wieder eine Weile genug - jedenfalls so lange, bis sie Elsa eine Freundin geben. (Wobei ich auch in der Diskussion dauernd dachte: "WTF? Nur weil sie am Ende keinen Kerl hat, muss sie lesbisch sein? Was zur Hölle?!" - und befürchte, dass sie unendlich viele Lesben-Klischees hineinkippen würden. Hmpfs.)
      Gleich lese ich bei dir ein bisschen um Thema Tiger Girl nach!

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  2. Hmpf. Nach meiner Erfahrung im Leben ist ja bereits das aufopferungsvolle Mädchen, dass sich den kaltherzigen aber ja ach so faszinierenden Typen greift, schon immer deswegen die Gelackmeierte, weil der sich eben leider nicht ändert, sondern sie jahrelang langverprügelt, betrügt und ihr Geld versäuft. Ich bin mir also nicht so sicher, ob man kleinen Mädchen unbedingt immer noch beibringen muss, dass sich Menschen durch Liebe ja so herrlich einfach ändern lassen. Nicht, dass das nicht möglich wäre, aber so leicht wie im Märchen geht es dann halt doch leider nicht. Außerdem gibt es ja auch nette Männer. ;-)

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    1. Ja, ja und ja. Komplette Zustimmung. Das ist genau das, was mich an dieser Grundkonstruktion so aufregt. :)
      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  3. Ich kenne den agilem nicht. Ich glaube ich halbe früher mal die Serie sporadisch geschaut.
    Viel Spaß mit Deinen Freunden und ein schönes Wochenende. Herzlichen Gruß Sylvia

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    1. Vielen Dank, es war wirklich schön! :)
      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  4. Es wäre schön, die schweigende Masse zum Reden zu bringen. Viel Erhellendes beim Politisieren wünscht dir Regula

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    1. Mit gutem Beispiel vorangehen und so. :)
      Vielen Dank und liebe Grüße,
      Sabrina

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  5. Ui auf die politischen Themen bin ich gespannt. Hab ein tolles Wochenende Liebe grüße Marnie

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    1. Das freut mich!
      Ich hoffe, dein Wochenende war auch schön.
      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  6. Da ich keine Disneyfilme schaue, kann da ünerhaupt nicht mitreden...;-)
    Bei Jule wirst du mich nicht finden, weil für mich persönlich ist mein Blog mein Handarbeitstagebuch.
    Wünsche dir einen wunderschönen Sonntag
    Liebe Grüsse
    Angy

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    1. Ich wünsche dir trotzdem auch einen sehr schönen Sonntag!

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  7. Dass der Film recht eindimensional werden könnte, habe ich mir schon gedacht. Einen Anreiz zum Umdenken wollte er sich ja auch nicht auf die Flagge schreiben, denn die Kasse muss stimmen. Eine wirkliche Neuinszenierung wäre vermutlich etwas für´s Theater. Kommt vielleicht noch. Dass es heute deutlich mehr Freiheiten bezüglich Geschlechterrollen gibt ist absolut notwendig - und da ist noch extrem viel Paltz nach oben! Da geht noch sehr viel mehr! Hoffe ich doch. Grinsen musste ich über das Unterfangen, Handarbeiten zu politisieren. Sorry! Häkeln gegen Trump? Ich weiß, ich bin oberflächlich und doof! ;-) Und so war das auch nicht gemeint... Alles ist Politik, jeder Tag, jede auch noch so private Aktion. Bin mal gespannt, ob bei Jule NUR geschwafelt wird, oder ob auch jemand aus der "Strickecke" Persönlichkeit zeigt und etwas TUT und sich für oder gegen etwas engagiert. DAS wäre interessant. Nicht nut leere Worte...
    Auf eine engagierte und ereignisreiche Woche (freu... habe Ferien!)!
    Solveig

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    1. Ja, dass man da nicht viel erwarten konnte, war wirklich von vornherein zu vermuten. Leider habe ich es trotz dieser Vorahnungen nicht geschafft, mich nicht zu ärgern.^^
      Ja, jede noch so private Aktion ist in sich eine politische Handlung, so sehe ich das auch. Und von dem her finde ich es gar nicht so schlimm, wenn vielleicht an vielen Stellen auch "nur" geredet und erläutert wird, was an der privaten Handarbeitsaktion genau der politische Anteil ist - und warum diese Handarbeit eben deshalb kein hirnloser Scheiß ist, den Leute machen, weil sie irgendwie zu viel Zeit hätten oder so.
      Natürlich freue ich mich auch über Berichte über öffentliches Engagement mit Handarbeitsbezug (ich erinnere mich an spannende Blogposts über Nähgruppen mit Geflüchteten, an Aktionen in denen Obdachlose benäht wurden usw.), aber so groß muss es für mich persönlich gar nicht werden.
      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  8. Mich stört auch das Klischeehafte an Disneyfilmen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ha! Noch eine mehr. :D
      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  9. Ich habe den Film gesehen und war wirklich enttäuscht. Ein klarer Abklatsch von dem Zeichentrickfilm und die Klischees, so wie du sagst hervorgehoben. Vielleicht habe ich mich auch nur blenden lassen, als ich den Trailer sah. Empfehlen möchte ich ihn nicht.
    Politik. Auf meinem Blog, eher nicht. Ich bin auch kein politischer Mensch. Dafür lasse ich den Anderen ihr Sein, so wie sie es wollen. Mir ist es völlig egal ob Frau Mann sein will oder umgekehrt. Wer sich wie kleidet bleibt jedem selbst überlassen. Ich nehme die Menschen so wie sie sind und sehe immer das Gute in ihnen. Was manche eben ausnutzen und ich wieder im Nachteil bin. (und auf die Nase falle)
    Ich schau jetzt mal bei Jule vorbei. Muss mir selber ein Bild machen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Viele haben es ja auch gefeiert, dass der Film so sehr nah am Zeichentrick war. (Ich persönlich finde eine Neuverfilmung mit stellenweise identischer Umsetzung komisch, aber da steckt halt viel Fanservice drin.)
      Ich finde ja, deine Herangehensweise an Menschen ist super. (Und in meinen Augen ist sie auch durchaus politisch, aber das hängt sicher daran, wie man dieses Wort definiert und versteht.) Dass du dir immer ein eigenes Bild machen gehst (hier ja nun auch^^) ist auf jeden Fall eine gute Idee. :)

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  10. Uach. Ich fand den Trailer schon irgendwie nicht so doll, hatte aber gehofft, die könnten einfach nur keine Trailer, ich mag Emma Watson gern. Aber das - das klingt tatsächlich höchstens mittelprächtig. Schade! Aber ich fänd ja vor allem mal eine Auflösung dieser typischen Konstellation "Junges hübsches Frauli heilt armes, von Schlimmwelt fies verletztes und drum exorbitant grobes haariges Grunzmanngetier durch Sanftheit und Liiiiebe, und guck mal, was für ein romantischer Sonnenuntergang, und ihr schönes Kleid!" total reizvoll. Gibts aber natürlich nicht in dem Kontext. Dafür in anderen - ich muss da immer an die Stelle in "Sturmhöhe" denken, wo Catherine der unglücklich verliebten, dummen Isabella erklärt, dass sie Hathcliff nicht ändern kann und er sie bei lebendigem Leib fressen wird, und Isabella so "Schnief! Du bist ja nur eifersüchtig!" Und dann frisst er sie, man höre und staune, wahrhaftig (metaphorisch) bei lebendigem Leib. Krhrhr - tja, kluge Leute, in diesem Fall die Autorin, gab es eben schon immer.

    Jules Projekt ist ja wild, gefällt mir. Ich finde es gar nicht schlimm, wenn Leute nur über ihr Selbstgemachtes bloggen, aber - neulich bei der Raumfee las ich doch tatsächlich so einen unfassbaren Kommentar, da hat irgendso eine arme Irre sie erst angesäuselt, quasi, sie solle doch ihren schönen Blog nicht mit so politischem Kram kaputtmachen, also wirklich, und als Katja schrieb, erlaube mal, ich schreibe, worüber ich will, wurde das zart säuselnde Stimmchen der kritik urplötzlich zur Harpye und SO eklig, dass ich, nachdem ich meinen Unterkiefer wieder eingerenkt hatte, Tränen gelacht habe über eine solch plumpe, exorbitante, schamlose, peinliche, vollkommen groteske Dreistigkeit. Na, und da hörts dann wirklich auf, also wenn Leute die Belieferung ihrer Komfortzone von anderen Privatpersonen derart vehement und aggressiv einfordern. Bah, ich glaub, das werde ich nie vergessen - so eine soll mir mal auf den Blog tanzen, die schneid ich in Scheibe (mit Worten, nur mit Worten, versteht sich, die Schnitzmesser bleiben artig in der Schublade).
    Jules Aktion jedenfalls, die behalte ich mal im geneigten Auge.

    Liebe Grüße!
    Maike

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    1. Liebe Maike, vielen, vielen Dank für deinen langen Kommentar! Ich habe mich sehr gefreut, von dir zu lesen. :D
      Vor allem musste ich schon mal über deine Beschreibung dieses "Handlungstyps" sehr lachen. Schön, dass das schon seit "Sturmhöhe" eben auch angezweifelt wird.

      Huiuiui, die Dame bei der Raumfee scheint ja auch ein spezielles Exemplar gewesen zu sein. Natürlich haben wir alle Wünsche, was wir so lesen wollen. Im Moment halte ich es beispielsweise mit Jule und würde mir ein bisschen mehr Stellungnahme um die Hübschigkeit herum wünschen. Die Wünsche kann man auch äußern - anderen Privatpersonen vorschreiben zu wollen, wie sie ihre Freizeit am besten für mich verbringen können, finde ich aber reichlich unverschämt. Im Zweifel müssen wir unsere Wünsche halt bei anderen Schreiberlingen erfüllen, als denen, die wir bislang kennen. Dafür gibt's doch so viel Internet, damit jeder was findet.^^

      Alles Liebe,
      Sabrina

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    2. Argh, bei mir klemmen (ehrlich!) das e und das n, ausgerechnet - "Heathcliff" natürlich und "Scheiben", im Plural. So, jetzt mache ich die Tastatur doch mal sauber, ist bestimmt wieder eine halbe Katze drin.

      Ich freue mich momentan auch sehr über bloggerische Stellungnahmen. Gar nicht zwingend riesengroß und wild, aber einfach eine grundlegende Positionierung. Die "Refugees Welcome!"-Welle fand ich sehr liebenswert, aber ein bisschen problematisch, weil ich damals dachte, na, da wird noch die Hütte brennen, ein klein wenig differenzierter wäre hilfreicher, weils weniger Munition liefert (und vor allem ist ja auch bei so etwas immer klar: Der lange Atem entscheidet, nicht das Strohfeuer, drum war ich da ein bisschen distanzierter und dachte mir, na, mal schauen, wohin sich das wohl entwickeln mag, besser jetzt mit Hilfe zurückhalten und in einem halben Jahr dann damit anfangen, wenn der Ansturm vorbei ist, das Interesse nachlässt und immer noch Hilfe gebraucht wird). Aber trotzdem. Bei vielen Blogs entsteht recht schnell so eine Grundvertrautheit im Umgang miteinander, aber entscheidendere Dinge weiß man gar nicht übereinander, und ich habe festgestellt, dass es mir besser gefällt, wenn das "Profil" klarer ist und es eben nicht nur um Handwerkliches geht, sondern um den ganzen Menschen und so eine Art Grundverortung in der Welt. Zum Beispiel gefiel es mir bei Gabi von made with blümchen von Anfang an, dass man ihr Interesse für Nachhaltigkeit, fairen Handel, fairen Umgang miteinander immer wieder deutlich spürt - sie hängt es nicht an die große Glocke, aber es ist da, so ein Unterton, der manchmal lauter wird. Da bleibe ich sehr viel eher hängen als an glatten, geschmirgelten Blogs, bei denen nur wenig zu erspüren ist, wie der Mensch dahinter wohl sein mag.

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    3. Keine Sorge, ich hab dich verstanden. (Meine Buchstabenlücken sind immer zu gleichen Teilen auf klemmende Tastaturen und Unachtsamkeit zurückzuführen.^^)
      Deinen Punkt, an Themen dranzubleiben und diese dann dauerhaft zu verfolgen und nicht nur auf einer Trendwelle mitzuschwimmen, die sich dann im Sande verläuft, finde ich ebenso wichtig wie dein Bedürfnis nach differenzierter Betrachtung. Natürlich gibt es sowas wie plötzliche Naturkatastrophen, die zeitlich begrenzte, aber schnelle Hilfe erfordern. Aber wie du sagst: Das Flüchtlingsthema ist eines, das unsere Gesellschaft sicherlich noch lange beschäftigen wird. Ich glaube, Frau Jule hatte in ihrem Post darauf hingewiesen, dass sich mittlerweile leider nur noch die Rechten hörbar zu Wort melden, wenn es um dieses Thema geht. Das ist mies.
      Der Punkt mit dem "Profil" ist auch ein wichtiger für mich. Ich weiß schon ganz gerne, mit was für einem Menschen ich es da zu tun habe, was für Werte, Entscheidungen und Grundsätze hinter den Werkeleien steckt, die präsentiert werden. Dazu sind ja nicht unbedingt wöchentlichen Glaubensbekenntnis-Posts nötig (was natürlich nicht heißt, dass man es nicht "darf"), aber ich mag es, wenn es mitschwingt. Und durch Jules Post ist mir persönlich klar geworden, dass mir das bei meinem eigenen Blog noch zu wenig ist.

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  11. "Und durch Jules Post ist mir persönlich klar geworden, dass mir das bei meinem eigenen Blog noch zu wenig ist. "

    Ja, das geht mir ähnlich. Allerdings finde ich es immer schwierig - wirkliche Nachhaltigkeit beispielsweise ... also, ja, ich flicke Klamotten, bis sie nur noch aus Nähten bestehen, mache viel selbst, repariere eine Menge. Aber dann kaufe ich auch wieder Sachen neu, manchmal günstig und ohne direkt nachverfolgbare Herkunft. Bestelle einen Stanzer aus Japan oder irgendeinen hübschen Jersey-Stoff, der nicht bio ist, oft auch eher nicht in Deutschland gewebt. Ich bin nicht konsequent, und oft ärgert es mich - aber offensichtlich nicht so sehr, dass ich es ändere, denn in wessen Hand liegt mein "handwerkliches Konsumverhalten", wenn nicht in meiner eigenen? Mein ökologischer Fußabdruck liegt deutlich unter dem Durchschnitt - aber das ist ja kein Freibrief, um dann woanders rumzuferkeln, solange man immer noch unterm Schnitt bleibt. Ich bin da ganz und gar nicht eins mit mir selbst. Vegtarierin seit früher Kindheit, aber keine Veganerin, nicht mal ansatzweise, dabei weiß ich genau, was hinter Eiern und Milch steckt. Ich finde auch Selbstgeißelung ganz doof, aber ... puh. Weißt Du, was ich meine? Schwierig finde ich das, ein privilegierter, gieriger kleiner Mensch zu sein in einer Konsumgesellschaft mit all ihren herrlichen, blutigen Verlockungen.

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    1. Ja, ich weiß genau, was du meinst. Es gibt viele Aspekte meines Lebens, die ich beispielsweise alles andere als nachhaltig finde. Ernährung gehört wie bei dir dazu, Mobilität teilweise auch. Ich habe beispielsweise kein Auto und gehe zu Fuß ins Büro. Andererseits habe ich eine Fernbeziehung quer durch Deutschland und verwende aufgrund meiner Arbeitszeiten dann öfter das Flugzeug, um wenigstens irgendwie auf 40 gemeinsame Stunden zu kommen, statt die Hälfte des Wochenendes in Zügen zu sitzen. Ähnliche Beispiele gibt es da reichlich.
      Andererseits versuche ich mir auch klar zu machen, dass man allein nicht die Welt retten kann – und dass jeder Schritt in die richtige Richtung positiv ist. Mit anderen über solche Themen zu sprechen oder sich auf andere Weise auszutauschen, kann einem wiederum Anstöße geben, irgendeinen Aspekt ebenfalls mal auszuprobieren (beispielsweise nach tollen Rezepten von Freund*innen häufiger vegan zu kochen, wenn man schon kein kompletter Veganer ist; Urlaube dann und wann in Deutschland zu machen, statt ans andere Ende der Welt zu fliegen, weil Bekannte einem einen tollen Ort am Rhein empfohlen haben, usw.).
      Dann ist man nicht ein einzelner gieriger, kleiner Mensch mit Privilegien, sondern Teil einer Gruppe, die sich gegenseitig inspiriert und mit den tollen Alternativideen ein bisschen von den fiesen Verlockungen ablenkt. Jedenfalls wäre das mein Wunsch.

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    2. Ist ja auch so: Jede kleine Bewegung in diese Richtung zieht weitere nach sich, bei einem selbst, bei anderen. Kleinvieh macht auch Mist, sozusagen. Ich habe schon lange beschlossen, dass ich 1. niemals versuchen werde, perfekt zu sein, das deprimiert nur, und eine deprimierte Maike ist ja auch kein Gewinn, und 2. zählt nun mal jeder Scheiß, den man NICHT macht, ein kleines bisschen, und das ist ja schon mal gut. So. Damit komme ich erfahrungsgemäß viel fröhlicher deutlich weiter gehopst, als ich mit strengeren Ansätzen missmutig geschlurft komme. Keine Schöpfungskrone und kein Umweltverdienstkreuz für mich, aber immerhin trotzdem nicht nichts.

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  12. Hach, das freut mich jetzt.Wir sind kreativ und keine Dummies. Im übrigen ist Handarbeiten ja auch durchaus politisch: kein Modeterror, vernünftig produzierte Stoffe usw. Ich mache jetzt ein paar Tage Pause und dann schau ich auch bei Jule vorbei.
    Frohe Ostern!
    Magdalena

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    1. Ja, das können beispielsweise politische Aspekte von Handarbeit sein - ich habe nur das Gefühl, dass das "von außen" oft gar nicht wahrgenommen wird. Ich freue mich, von dir zu lesen.
      Bis dahin viel Spaß in deiner Pause und frohe Ostern!
      Sabrina

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