Montag, 25. September 2017

Wir sind 87 Prozent.

Mein Deutschland ist bunt. Und ich möchte, dass das so bleibt!
87 Prozent der deutschen Wahlberechtigten haben bei der Bundestagswahl nicht die AfD gewählt. Ich las heute, man solle das positiv sehen. Es sei doch eine Mehrheit, eine große sogar.

Aber sich an diesem Montag auf rosarote Mehrheitswattebäuschchen zu blicken, heißt auch, nicht in die andere Richtung zu schauen, wo die 13 Prozent der Wähler*innen stehen, die eben doch die AfD gewählt hat. Eine Partei, deren Spitzenkandidat direkt nach Verkündung der ersten Ergebnisse davon sprach, die künftige Regierung zu "jagen". Eine Partei, die eine rückwärtsgewandte Familien- und Geschlechterpolitik vertritt. Eine Partei, die offen rassistische Ressentiments bedient.

Ob ich die Wähler dieser Partei alle für Sexist*innen und Rassist*innen halte? Ich halte sie vor allem für Menschen, denen es nichts ausmacht, Sexist*innen und Rassist*innen dulden und unterstützen. Für Menschen, denen es egal ist, wenn andere unter deren Ansichten und Handlungen zu leiden haben. Und das finde ich verdammt beängstigend - ganz unabhängig vom konkreten Label.


Wir sind 87 Prozent. Aber das ist nur dann etwas wert, wenn wir diese große Mehrheit auch einsetzen. Wenn wir unsere Demokratie und unseren Pluralismus nicht mehr für selbstverständlich halten. Wenn wir nicht mehr so tun, als wäre Politik irgendetwas, was "die da oben" unter sich ausmachen und was uns eigentlich gar nicht betrifft. Wir müssen die nächsten vier Jahre etwas tun - für unsere Demokratie. Für mehr Mitgefühl. Für ein Deutschland, in dem man auch dann gut und gerne leben kann, wenn man aus irgendeinem Grund anders ist als die anderen.

Kommentare:

  1. Deine Hexis habe ich gerade entdeckt, nachdem ich statistische Übersichten über das Wahlverhalten bei der Süddeutschen angeschaut habe, die auch die Bundesrepublik mit Hexagonen darstellte. Deine bunte Decke gefällt mir natürlich besser. Und klar sind wir in der großen Überzahl. Aber schlucken musste ich schon, wenn angekündigt wird vom Gauleiter:"Wir holen uns unser Land, unser Volk zurück". Gehöre ich nicht dazu! Was heißt das, was wird passieren? Wir müssen wohl wehrhaft sein?
    LG
    Astrid

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    1. Die Bundesrepublik in Hexagonen klingt eigentlich ganz nett. Ich glaub nur, die (politischen) Farben gefallen mir nicht so gut...

      Ich muss so ziemlich bei jedem Satz schlucken, den dieser Mann sagt. Ich möchte nirgendwohin zurückgeholt werden. Und schon gar nicht in diese völkische Blase, in der er lebt.

      Wahrscheinlich bleibt uns gar nichts anderes übrig, als wehrhaft zu sein. Oder in deinem Fall - auch nach so langer Zeit weiterhin zu bleiben.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. sehr richtig und wichtig. man muss aber aufpassen, dass man sich mit diesen 87% nicht zu sicher fühlt und sich entspannt zurücklehnt. die cdu/csu gehört dann eben auch dazu und das ist auch nichts, was man als tolerant und weltoffen bezeichnen kann. wir erinnern uns an das "drama" um die ehe für alle oder seehofers neuerliche äußerungen den rechten flügel seiner partei zu öffnen und zu stärken. brrrrrrr.
    liebe grüße,
    jule*

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    1. Genau das. Sich auszuruhen, weil man ja die Mehrheit ist, wäre genau das Falsche. Es hat ja (hoffentlich) eh niemand erwartet, dass die sogenannte Alternative jetzt direkt die absolute Mehrheit erreicht. Aber ein Blick in die Geschichte zeigt ja, dass sich solche Verhältnisse auch ändern.

      Und dass die Union Teil der 87 Prozent ist, macht die Zahl wirklich auch nicht schöner. Gerade mit jemandem wie Seehofer und seinem Schmuseangebot mit dem rechten Rand. Das einzige, was mich da trösten kann, ist, dass seine Partei in Bayern massive Einbrüche zu verzeichnen hat. (Dass parallel die AfD in Bayern die höchten Erfolge innerhalb der alten Bundesländer hatte, lässt diesen Trost aber auch recht zweifelhaft ausfallen.)

      Was ich jedenfalls hauptsächlich ausdrücken wollte, ist Folgendes: Wir können uns jetzt nicht vier Jahre lang auf der Mehrheit ausruhen oder wahlweise zu Hause herumtüddeln, in der Hoffnung, dass das "da draußen" sich schon von allein erledigt.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Ich könnte jetzt behaupten, dass wir sogar 94% sind. Das gilt leider nur für unsere klitzekleine Stadtteilinsel in einem Wahlkreis, der beinahe einen AFD Vertreter nach Berlin geschickt hätte. Auf Mehrheitswattebäuschchen ausruhen, ist da ganz sicher keine Option. Die Insel zu verlassen und mit den Leuten von nebenan wirklich ins Gespräch zu kommen, finde ich aber extrem schwierig.
    Viele Grüße,
    Malou

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    1. Hui. Direktmandate für die AfD sind natürlich auch so ein ganz harter Brocken. Schön, dass du auf einer Stadtteilinsel wohnst, I guess?
      Aber ja, ich finde diese Gespräche auch schwierig. Wenn die Gräben, die es zu überwinden gilt, so breit und tief sind, ist es halt schwer, da überhaupt eine Brücke zu finden, auf der man sich irgendwie treffen kann.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  4. Ich habe es schon auf Instagram festgestellt ... irgendwie schockierte mich das Ergebnis nicht (leider hatte ich sogar mit etwas mehr gerechnet), aber umso mehr müssen wir alle gucken, nicht in so einer Filterblase zu verschwinden.
    Alles ein bisschen ätzend. Aber ... zusammen können wir das schon schaffen. Schakka!

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    1. Ja... aber gerade jetzt sind Filterblasen natürlich besonders kuschelig, ne?

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