Samstag, 21. Oktober 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Diese Katze ist entschieden für Tee - und gegen Catcalls.
Hallo ihr Lieben,

was für eine Woche! Ich wollte mit einer guten Freundin ein langes Wochenende in Irlands schöner Hauptstadt verbringen. Nun könnte ich euch in diesem Beitrag Dutzende Fotos aus Dublin zeigen, allerdings kamen mir ein paar Stürme dazwischen: Zuerst der schlimmste Hurricane seit 50 Jahren, der die grüne Insel einfach komplett lahm legte. Und dann ein Hashtag, der seitdem zumindest meinen Facebookfeed dominiert: #metoo

Unter diesem Hashtag teilen (zumeist weibliche) Betroffene sexualisierter Gewalt ihre Erfahrungen, oftmals mit detailierten Beschreibungen. Dass die meisten meiner Facebook-Freundinnen diesen Hashtag teilten, wundert mich kein bisschen. Ich wunderte mich über die Menschen, die sich von dieser "unerwarteten" Menge nahezu überwältigt fühlten. Offenbar leben sie in einer anderen Welt als ich. Schön, wenn sie durch so eine Aktion mal einen Blick in die andere Realität werfen können. Trotzdem hatte ich gemischte Gefühle, was diese Aktion betrifft, die ich erst gar nicht in Worte fassen konnte. Zum Glück haben das dann andere getan.

Charlott von der Mädchenmannschaft fomuliert in diesem Post einige Bedenken und Fragen - nicht ohne eingangs darauf hinzuweisen, dass es natürlich großartig und wichtig sei, wenn Menschen durch diesen Hashtag Empowerment erfahren. Unter anderem stört es sie, dass bei jeder Aktion zum Thema sexualisierter Gewalt (man erinnere sich beispielsweise an Aufschrei) erstauntes Augenreiben herrscht, als habe man noch niemals davon gehört, dass dieses Problem ein weit verbreitetes ist.

Stevie von Pinkstinks weist hier insbesondere darauf hin, dass Betroffene sexualisierter Gewalt niemandem Rechenschaft schulden. Dass das Posten oder Nichtposten des Hashtags nichts darüber aussagt, ob man betroffen war oder ist. Dass es problematisch ist, wenn dieser Hashtag Menschen unter Druck setzt, sich zu outen. Dass ihr als Feministin immer wieder hochpersönliche Infos abgetrotzt werden sollen, um zu rechtfertigen, warum sie sich feministisch engagiert und warum das ein verdammt großes Problem ist. Sehr wütender Text, der weit über den Hashtag hinaus reicht und dadurch umso interessanter ist.

Gerlinde Schrön von ze.tt wünscht sich in diesem Kommentar, dass nicht nur Frauen* untereinander über die Gewalterfahrungen sprechen. Sie vermisst die direkte Auseinandersetzung mit den Männern*, die diese Gewalterfahrungen verursacht haben. Ihre persönliche Erfahrung: Viele wissen und verstehen tatsächlich nicht, was sie ihrem Gegenüber angetan haben und antun.


Zuletzt habe ich auch noch eine Petition von Campact gefunden, die sich mit der Sprache beschäftigt, die Medien im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt nutzen.  Nötigungen und Vergewaltigungen als "Sexskandal" zu bezeichnen verschleiere, dass es in diesen Fällen um Unterdrückung und Gewalt ginge - und nicht um Sex. Sich hier verantwortungsvoll auszudrücken könnte helfen, einige Mythen zu Grabe zu tragen.Während ich diese Zeilen tippe, fehlen noch ein paar Unterschriften - vielleicht wollt ihr eure hinzufügen.

Mit diesen kritischen Stimmen im Gepräck setze ich mich an Andreas Samstagsplausch-Tafel - und verspreche euch für die kommende Woche schon mal die eingangs erwähnten Bilder von der grünen Insel!

Habt alle ein wunderschönes Wochenende!

Kommentare:

  1. Diesen Hashtag habe ich diese Woche auch gesehen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich möchte mich nicht outen. Allerdings macht es bekümmert zu sehen wie viele doch betroffen sind. (wenn das alles echt ist!)
    Unterschrieben, hab ich...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ich finde es völlig okay, sich nicht zu outen. Das ist ja auch etwas, das in den kritischen Posts dazu aufploppt: Niemand schuldet anderen diese persönlichen Erfahrungen.
      Mich macht es ein bisschen stutzig, dass in deinem Kommentar so ein gewisser Zweifel mitschwingt, dass du offenbar nicht ganz sicher bist, ob die ganzen '#metoos echt sind. Mir geht es nämlich eher andersrum: Dass ich eigentlich keiner Frau* glaube, die sagt, sie hätte nie irgendwas erlebt, dass mit Belästigung und sexualisierter Gewalt zu tun hat. Das umfasst ja nicht nur Vergewaltigungen, sondern schon viel subtilere Dinge - wie beispielsweise Leute, die nur mit deinen Brüsten sprechen, statt mit deinem Kopf oder Leuten, die unaufgefordert Bemerkungen über deinen Körper machen, Annäherungsversuche auch nach Aufforderung nicht stoppen, etc. - vieles davon kommt ja ganz ohne Körperkontakt aus. Ich habe das Gefühl, dass es deshalb vielen Frauen* gar nicht mehr bewusst wird, weil es so häufig passiert und man sich da mehr oder weniger gute Strategien zum Umgang angeeignet hat.
      Zumindest in meinem Bekanntenkreis habe ich die eine oder andere Zweifel äußern sehen, ob ihre Erlegbnisse "schlimm genug" sind, um den Hashtag zu teilen. Das finde ich auch etwas gruselig - wie sehr nicht okay muss ein Verhalten gewesen sein, damit ich mich "angemessenerweise" damit unwohl fühlen kann? Das kann vielleicht ein Vorteil dieses Hashtags sein.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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    2. Ich überlege seit dem Aufkommen des Hashtags, ob ich jemals etwas in Richtung sexueller Belästigung erlebt habe - und mir fällt tatsächlich nichts ein. Auch nichts kleines, subtiles.
      Ich glaube schon, dass sehr viele Frauen so etwas schon erlebt haben - aber sicherlich nicht alle.

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    3. Okay, krass. Wie gesagt, das läuft einfach meiner Wahrnehmung heftig zuwider. Das macht deinen Kommentar natürlich umso spannender für mich. Danke. :)

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  2. Irland ist sicher eine Reise wert... aber mit Hurrican sicher nicht sehr angenehm...
    Als Lehrerin bin ich natürlich auch immer wieder mit diesem Thema konfrontiert... und wenn ich manchmal so in die Runde schaue und bedenke, dass jedes dritte Kind sei es psychisch oder physisch missbraucht wird... da steigt eine Wut in mir auf...
    Dass die Täter nicht wissen was sie ihren Opfern antun... kann ich nicht nachvollziehen...
    Lese mich nachher noch durch die einzelnen Artikel.
    Wünsche dir einen schönen Sonntag
    Liebe Grüsse
    Angy

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    1. Zum Glück waren wir im Haus, als der Hurricane dann wirklich in Dublin angekommen war, denn das klang dann schon ganz schön heftig. Allerdings: Es ist schon auch spannend, so eine Stadt im Ausnahmezustand zu erleben. So leer werde ich Dublins Straßen an einem Nachmittag sicherlich nie wieder sehen. :)

      Stimmt, bei Kindesmisshandlung ist es sicherlich ganz ähnlich. Jedes dritte Kind ist einfach auch eine krasse Zahl. Der Vorteil solcher Hashtag-Aktionen ist sicher, dass die Statistiken damit ein Gesicht bekommen. Ich würde mir nur eigentlich wünschen, dass die abstrakten Zahlen uns bereits so aufrütteln, dass wir wirklich was dagegen tun wollen...

      Komm gut in die neue Woche!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Ich hatte den Hashtag relativ früh und ohne Kommentar geteilt, bevor mir der ganze Umfang der Aktion bewusst war. Mir ist dann kurze Zeit später ein weiterer Kritikpunkt begegnet: Gerade die detaillierten Beschreibungen sind starke Trigger für Menschen, denen schlimmes passiert ist und die nicht darüber sprechen wollen. Ähnliche Artikel zur Sprache im Journalismus habe ich auch gelesen (+ unterschrieben) und, daß auch über die Täter* gesprochen werden muß. Mal sehen wie sich das weiter entwickelt.
    Die Sturmwarnung hatte ich auch mitbekommen. Zum Glück ist hier an der Ostküste Englands nicht mehr viel davon angekommen.
    Liebe Grüße
    Janina

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    1. Oh ja, dass das natürlich unter Umständen auch heftig alle Triggerpunkte drückt, ist natürlich auch nicht zu vernachlässigen.

      Schön, dass du in England nicht mehr so viel abbekommen hast!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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