Dienstag, 12. Dezember 2017

[Rezension] The Slow Regard of Silent Things

"The Slow Regard of Silent Thing" von Patrick Rothfuss

"The Slow Regard of Silent Things" ist eine kurze Geschichte, die Teil der "Kingkiller Chronicles" von Patrick Rothfuss ist - eine Trilogie, von der derzeit zwei Bände veröffentlicht sind. Die Fangemeinde wartet sehnsüchtig auf den dritten Band um Kvothe, der in einer Spielmannsfamilie aufwächst, dann einige Jahre als Straßenkind verbringt und schließlich auf einer legendären Universität zum größten Magier aller Zeiten wird. (Da ich beide Bücher erst in der deutschen Hörbuchvariante kenne, findet sich in diesem Blog noch keine Rezension - zu verfälscht ist mir die Geschichte durch die doppelte Interpretation.)

"The Slow Regard of Silent Things" ist nicht lang, gerade mal 80 Seiten. Was darin passiert, ist schwer zu sagen - nicht zuletzt, weil man die ersten beiden Romane kennen muss, um sich überhaupt zurecht zu finden. Gezeigt wird das Leben der Nebenfigur Auri, die allein in den verschlungenen Gängen und Kammern tief unter der Universität lebt, das sie das im englischen Original das "Underthing" nennt. Gezeigt ist dabei durchaus auch wörtlich zu nehmen, denn "The Slow Regard of Silent Things" ist üppig illustriert mit filigranen Zeichnungen von Nate Taylor.
 Über sieben Tage hinweg begleitet man Auri auf ihren täglichen Wegen und bei ihren Aktivitäten. Beispielsweise macht sie Seife oder bemüht sich, den richtigen Platz für Fundstücke zu finden. Das klingt nicht nach einem "richtigen" Plot mit irgendeinem zu lösenden Konflikt? Ist es auch nicht. Im Prinzip ist es die Charakterstudie einer Figur, die von vielen Fans geliebt wird, stellenweise poetisch, mit traumhafter Atmosphäre und genauso seltsam wie ihre Hauptperson, sie sich irgendwo zwischen Abflussrohren herumschlängelt und darüber nachdenkt, wo sich ein beschädigtes Zahnrad wohlfühlen könnte.

Man folgt Auri, bekannt aus "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear", in ihr unterirdisches Reich.
Mich hat zu keinem Zeitpunkt gestört, dass das Buch seltsam ist. Das ist stimmig. Was mich stört, ist, wie wiederholt und energisch in Vor- und Nachwort darauf hingewiesen wird, dass dieses Buch seltsam ist. Als hätten die Lesenden nicht selbst die Möglichkeit, das auf 80 Seiten zu bemerken. Es ist in meinen Augen absolut unnötig, dass Patrick Rothfuss insgesamt viermal erwähnt, dass er auch nach zigfachen Korrekturdurchläufen und Dutzenden Beta-Lesenden unsicher war, ob "The Slow Regard of Silent Things" wirklich veröffentlicht werden sollte. Dieses Verhalten erinnert mich an eine Person, die eine Kontaktanzeige in der Lokalzeitung aufgibt und darauf hinweist, dass sie "ein bisschen verrückt, hihi" ist.

Meine Empfehlung: Lest das Buch, wenn ihr "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear" mochtet. Aber lasst Vor- und Nachwort weg. Sie nerven. Und haben zumindest meine Augen so in den Hinterkopf gedreht, dass ich Auris Geschichte beinahe nicht zu Gesicht bekommen hätte.

Besonders begeistert haben mich die verträumten, zarten Illustrationen von Nate Taylor.

Kommentare:

  1. "Dieses Verhalten erinnert mich an eine Person, die eine Kontaktanzeige in der Lokalzeitung aufgibt und darauf hinweist, dass sie "ein bisschen verrückt, hihi" ist."
    Hahahaha - ich weiß genau, was Du meinst, und ja, so was nervt. Sogar dann, wenn es eigentlich wahr ist, vielleicht sogar am meisten, denn wenn sich da einfach nur jemand darstellt, kann man ja kopfschüttelnd denken, na, wenn du meinst, und weiter im Text ... wenn man das, was der andere tut, aber auch toll findet, dann ist es manchmal ganz schön schade - ich verbinde so ein "uiuiui, ich bin sooo verrückt" instinktiv eher mit Leuten, die ich als Langweiler empfinde, und so ein "uiuiui, das ist so eine schräge Idee, ob das was für normale Leser ist?" eher mit Leuten, die schon froh sind, wenn sie anderthalb gerade Sätze zustandebringen. Und dieser genervte Impuls spielt dann gern mit rein und befleckt mir den Genuss.
    Doof eigentlich, aber so ist es. Aber Rothfuss ... er ist ja auch so hyperaktiv mit seinen Fans unterwegs, ein Verhalten, das ich auch eher von mittelmäßigen Autoren kenne, und dann ist er so gut, das verwirrt meinen armen kleinen Kopf, der da offenbar sehr ausgeprägte Schubladen eingerichtet hat.

    Hab ein schönes Wochenende!
    Maike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das find ich gut, dass ich nicht die einzige bin, die das so empfindet! (Mir kommen die Leute tendenziell auch immer eher lame vor...)

      Rothfuss hab ich auch nicht mehr bei Facebook abboniert, weil ich ihn im Fanumgang wie du auch eher unangenehm finde. Ich mag, wie er schreibt, aber wie er sich selbst darstellt, muss mir ja trotzdem nicht gefallen.

      Dir auch ein schönes Wochenende!
      Sabrina

      Löschen
  2. Ich liebe die "Kingkiller Chronicles" - und warte ebenfalls mehr als sehnsüchtig auf den dritten Band. Mittlerweile habe ich sogar schon Angst davor, dass er nicht halten könnte, was das Warten verspricht. ;) Tatsächlich lese ich die beiden Bücher seit dem dritten Advent zum 3. (?) Mal.
    Ich mag auch die Geschichte um Auri sehr, weil ich diese Figur einfach sehr faszinierend finde. Ich habe es ohne Vorwort gelesen - und bin nun froh darum. Ich befasse mich recht wenig mit dem Autor. Mir gefällt sein Erzähl-Stil sehr, aber ich brauche keinen Star-Kult um Autoren.
    Liebe Grüße
    Antje

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das ist so heimtückisch, wenn man auf den nächsten Teil einer Serie so sehr wartet und sich so viel davon verspricht, dass er das kaum noch einlösen kann. So ging es mir bei Harry Potter immer, aber da war ich glücklicherweise nie enttäuscht. Hoffen wir mal, dass das bei Kvothe auch so bleibt!

      Liebe Grüße
      Sabrina

      Löschen

Hey! Schön, dass ihr da seid. Dank eurer lieben Worte macht's dreifach Spaß! Und nicht wundern, wenn ihr eure Kommentare nicht sofort entdecken könnt - da ich sie moderiere, dauert es manchmal ein Weilchen. // Thanks for your comment. :)