Samstag, 2. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden


Symbolbild: Der Untersetzer von Antje liegt nach wie vor unter meiner Lieblingstasse.
Hallo ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Ich hoffe, sie war wirklich nett zu euch und hat euch nicht mehr aufgebürdet, als ihr auf einmal tragen konntet und wolltet.
Für mich ist besonders das Wochenende aufregend. Während ich das bei Andreas wöchentlichem und sehr liebgewonnenem Samstagsplausch verlinke, mache ich mich nämlich in Berlin bereit, um zu IKEA zu fahren. Grundsätzliche Möblierung der Wohnung wird angeschafft, da ich bei meinem Umzug quer durch die Republik keine Möbel mitschleppen werde (und für ein langsames Zusammensammeln auf Flohmärkten keine Zeit ist). Der Plan: So viele Bücherregale, wie irgendwie möglich! Drückt mir doch bitte die Daumen, dass der Lieblingsmensch und ich nach diesem Samstagvormittag im IKEA immer noch zusammenleben wollen...

Um die Vorfreude auf den IKEA-Besuch in Balance zu bringen, habe ich mich diese Woche weiterhin mit dem Fall der Gießener Ärztin Kristina Hänel beschäftigt. Auch Margarete Stokowski hat den Fall in ihrer Kolumne aufgegriffen - und die ist wie üblich lesenswert. Mein persönlicher Lieblingssatz: ""Gebärmutter" ist nicht die Funktionsbeschreibung eines ganzen Menschen, sondern ein Organ." Es stehen aber auch viele andere gute, wichtige Sätze drin - beispielsweise darüber, dass jeder andere Arzt auf seiner Webseite völlig selbstverständlich kundtut, welches Spektrum seine Arbeit umfasst und auch, warum es so problematisch ist, das bei Schwangerschaftsabbrüchen nicht zu tun.

Kurz nach dem Urteil hat die Ärztin auch ein Interview gegeben, das auf Change.org veröffentlicht wurde. Das fand ich auch sehenswert, hier ist es bei Facebook zu finden und auch ohne Mitgliedschaft anschaubar.

Letzten Samstag hatte ich ja schon erwähnt, dass das Umfeld von Frau Hänel Spenden sammelt, um ihr finanziell beizustehen. Am Dienstag betrug der Kontostand bereits über 7000 € (Quelle), die Geldstrafe ist damit also bereits abgedeck. Mich hat das sehr gefreut!

Einen weiteren bewegenden Artikel habe ich auf ZEIT ONLINE gefunden. Eine Redakteurin mit vietnamesischen Wurzeln erzählt von ihrer Kindheit, die stets von Abschiebung bedroht war, über Freunde der Familie, die plötzlich nicht mehr da waren, über die stets gepackten Notfalltaschen neben der Tür. Durchsetzt ist der Bericht von Protokollschnipseln aus Fragen der Behörde und Antworten ihres Vaters.

Zuguterletzt habe ich bei Deutschlandfunk Kultur noch einen kurzen Beitrag über Roller Derby gehört, der in ein paar Minuten erklärt, was diesen sport "partizipatorisch, inklusiv und feministisch" macht. Häufiger mal Roller Derby genießen zu können, ist ja einer der Gründe, warum ich mich auf Berlin freue.

Habt alle ein tolles Wochenende und erholt euch gut!

Kommentare:

  1. Liebe Sabrina
    Ich drücke dir ganz fest beide Daumen. Das kommt sicher gut.
    Ich kenne diesen Fall gar nicht aber ich glaub ich werde mich da mal einlesen.
    Liebs Grüessli
    Katja

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    1. Danke! Daumen drücken ist immer gut.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Ikea heute - das ist ein kühnes Unterfangen! Aber was muss muss...
    Die Sache mit dem Paragrafen 219a habe ich auch mit viel Wut im Bauch ( ohne Gebärmutter ) verfolgt und den erwähnten Artikel zu Vanessa auch verschlungen...
    Ich wünsch dir viele Bücherregale!
    Astrid

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    1. Ja, unter der Woche bin ich leider erst nach dem Umzug hier. Aber es lief ganz gut, wir waren gleich zur Ladenöffnung da und konnten so das Gewühl umgehen.
      Jetzt heißt es warten auf die Lieferung...

      Ich finds immer gut, auch solidarisch wütend zu sein in Fällen, wo man gar nicht (mehr) akut betroffen ist.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Den Artikel in der ZEIT habe ich auch gelesen. Schrecklich, was den Menschen zugemutet wird. Der fall erinnert auch an das Mädchen aus Nepal, die in D geboren wurde und dennoch abgeschoben wurde.
    Frage: Es ist Samstagsmittag: Bist Du mit Deinem Lieblingsmenschen nach dem IKEA Besuch noch zusammen? Liebe Grüße aus Wien und ein schönes Adventswochenende wünscht Petra

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    1. Ja, an das Mädchen hatte ich auch gedacht.

      Der Lieblingsmensch und ich haben sowohl beide den IKEA Besuch überlebt als auch unsere Beziehung mitgenommen. Jetzt gabs erst mal was zu essen und nun warten wir auf die Lieferung...
      Liebe Grüße aus Berlin
      Sabrina

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  4. Hahaha! Ich wünsche der Beziehung alles Gute, auf dass sie das IKEA-Basteln überlebe. :-) Liebe Grüsse von Regula

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    1. Zumindest den Einkauf haben wir mit Bravour gemeistert - hoffentlich kommts nachher beim Einkauf nicht knüppeldick. :D
      Liebe Grüße
      Sabrina

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  5. Na das war ja dann ein erfolgreicher Ausflug. Einen schönen ersten Advent und herzlichen Gruß Sylvia

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  6. So nun hast du deinen IKEA-Besuch schon hinter dir, deine Regale alle gekauft und dein Lieblingsmensch mag dich noch immer :-)

    Gruß Marion

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    1. Voller Erfolg würde ich sagen!
      Liebe Grüße
      Sabrina

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  7. Ikea führte zu Beziehungsbruch... ;-) so wie ich in den Kommentaren lese, habt ihr es gut überstanden...
    Liebe Grüsse
    Angy

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    1. Ja, ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass das der beste IKEA-Besuch meines bisherigen Lebens war.
      Liebe Grüße
      Sabrina

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  8. Wenn Du jetzt nach Berlin ziehst (und dort hoffentlich mindestens bis zum nächsten Sommer bleibst), besteht eine Chance, dass man (wir) sich (uns) eventuell im nächsten Juni treffen kann (können), wenn ich wahrscheinlich wieder in Berlin sein werde. Alles Gute und Liebe für den Umzug, und auf dass der Lieblingsmensch auch beim täglichen Zusammenleben so lieb mit Dir bleibt. lg, Gabi

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    1. Oh, das wäre ja fantastisch, wenn wir uns da in echt kennenlernen würden! So schnell wird Berlin mich sicher nicht wieder los.
      Danke für deine lieben Wünsche!
      Sabrina

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  9. Den schwedischen Härtetest überstanden ... herzlichen Glückwunsch, ihr seid krisenfest, hihi!
    Das mit Frau Hänel ist ein krasser Scheiß, oder? Der arme Mann musste mich von der Decke kratzen, an die ich gegangen bin, als er mir das erzählt hat, und da er selbst seinerseits auf der Palme saß, war das ein ziemlich artistischer Akt. Aber wir sind wieder auf dem Boden und haben auch bereits gespendet. Jemand in meinem ganz nahen Umfeld leidet unter massiver Tokophobie, sie würde sich höchstwahrscheinlich umbringen, wenn sie schwanger werden würde und nicht sehr rasch und ohne große Umwege abtreiben könnte, und durfte sich schon Sachen anhören wie "Dann darfst du eben einfach keinen Sex haben" oder "Das sind doch alles nur Ausreden." Grunz.
    Haariges, haariges Thema.

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    1. Hihi, das ist doch mal ein gutes Ergebnis für ein Wochenende, oder?
      "Krasser Scheiß" trifft es ziemlich genau, ja. Aber deine Beschreibung eurer Wut hat mich immerhin zum Lachen gebracht, während ich meinerseits an die eine Freundin dachte, die im Zusammenhang mit Frau Hänel zu mir meinte, sie würde eher mit einem Kleiderbügel in sich herumstochern als eine Schwangerschaft fortzuführen. Was ja durchaus die Option beinhaltet, daran zu sterben. Was für einen Bullshit sich die Person in deinem Umfeld anhören musste, ist absolut widerwärtig.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  10. Liebe Sabrina,

    ich habe ja inzwischen den beneidenswerten Raum gesehen, der inzwischen wohl von Bücherregalen und Büchern bevölkert ist (?). Ich freue mich auf Bilder! :)

    Diese Geschichte mit Frau Hänel hat mich auch sehr aus der Fassung gebracht, und ich hab meinem Unmut auf der Polit-Plattform schlechthin (twitter) Luft gemacht. Tatsächlich kam ein kluger Kommentar dazu, dass eigentlich nicht dieses Urteil rückständig ist, sondern der Paragraf.
    Und ein anderer Tweet kommentierte zu dem Thema sinngemäß: "Wie geil wäre das, wenn Abtreibungsgegner mit ihrer Klage gegen Frau Hänel am Ende eine Gesetzesänderung des Paragrafen 219a erwirken würden."

    Ich würde lachen. Ziemlich laut.

    Und ja - auch als Mutter von vier Kindern sehe ich den ganz dringenden Bedarf an legalen Schwangerschaftsabbrüchen. Es kommt leider nicht jedes Kind geliebt auf die Welt. Aber wie bloggte eine Kollegin so treffend: "Sobald wir schwanger sind, gehören wir Frauen irgendwie nicht mehr uns selbst."

    Und viel zu oft scheinen wir schon deshalb nicht uns selbst zu gehören, weil wir schwanger werden könnten. Die Argumentation jeglicher Abtreibungsgegner ist schlicht und ergreifend absurd. Und misogyn.

    So, und nun wünsche ich dir alles Gute für die neue Wohnung!
    Lieber Gruß,
    Sonja

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    1. Liebe Sonja,

      die Bücher befinden sich noch bei mir in Stuttgart und bei meinen Eltern, daher sind die Regale momentan noch etwas jungfräulich. Aber Anfang nächsten Jahres ändert sich das vermutlich. Zumindest langsam, denn ich fürchte, ich habe so viele Regale aufgestellt, dass ich noch einen Haufen Bücher kaufen muss, um diese Bibliothekswand aufzufüllen.

      Ja, der Kern des Problems ist natürlich der Paragraf - bisher ist es halt wohl so, dass die meisten Anklagen dieser Art einfach fallen gelassen wurden. Aber du hast natürlich recht: So eine Verurteilung ist sicher nötig, damit sie eine Gesetzesänderung nachziehen kann - woher sonst soll die Wut und der Schwung kommen, das in Angriff zu nehmen?
      Ich würde mich auch sehr freuen - und Frau Hänel scheint ja bereit zu sein, diesen Kampf weiterzuführen.
      Dass du als Mutter da dringenden Bedarf siehst, finde ich gar nicht so erstaunlich. Tatsächlich ist es wohl in den Statistiken so, dass die meisten Schwangerschaftsabbrüche von Frauen gewünscht werden, die bereits Kinder haben - beispielsweise, weil sie sich außer Stande sehen, (noch) mehr Kindern gerecht zu werden. Militante Abtreibungsgegner scheinen aber nur kinderhassende Singlefrauen zu sehen, die jede Nacht in ein anderes Bett kippen. (Was ich für meinen Teil auch für ziemlich legitim halte, nebenbei erwähnt.)
      Und gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass dir als Mutter das Schicksal ungeliebter Kinder noch mehr zu Herzen geht. Ich habe kürzlich irgendwo im Umfeld einer Pro Choice-Diskussion den Satz gelesen "Ich träume von einer Welt, in der alle Kinder gewollt und in Liebe zur Welt kommen." - und das erscheint mir so wichtig. Es gibt doch eh so viel Elend und Schmerz auf dieser Welt.

      Absurd und misogyn ist die Argumentation definitiv. Selbst ein hirntoter Mensch besitzt mehr Selbstbestimmung über seinen Körper (siehe Einverständnispflicht bei der Organspende) als eine lebendige Schwangere. Das ist doch wirklich genau das: absurd.
      In diesem Fall zieht ja anscheinend auch das Argument nicht, dass nicht nur der eigene Körper betroffen sei - warten da draußen doch ein Haufen Leute auf lebensnotwendige Spenderorgane. Da liegt es dann schon nahe, dass da massiv misogyne Grundhaltungen dahinter stecken...

      Vielen Dank und liebe Grüße
      Sabrina
      Sabrina

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    2. Liebe Sabrina,

      diesen Traum der "geliebten Kinder" teile ich so sehr! Mir geht jedes traurige Kinderschicksal zu Herzen. :(

      Ich bin froh, dass Frau Hänel nicht aufgibt und für uns alle weitermacht.

      Der ganze Schwangerschafts-Diskurs ist einfach grotesk. Und die "Praxis" bewegt sich häufig jenseits von Menschenrechten und Legalität.
      Neulich habe ich einen Bericht gelesen, dass auch in Deutschland geistig behinderte Frauen zwangssterilisiert werden.
      Auch in Brasilien sind Fälle von Zwangssterilisation bei Mehrgebärenden und völlig gesunden Frauen vorgekommen - Amnesty International setzt sich da ein. Aus China liegen derweil Horrrormeldungen über die erste genetische Kreuzung von Schwein und Mensch vor.
      Jetzt werfe ich natürlich viel durcheinander und hole einige extreme Beispiele dazu. Sie alle provozieren alle ähnlich ethische Fragestellungen.

      Und während in vielen Kulturen ein schwangerer Babybauch als heilig gilt, und seine Berührungn einer Segnung gleichgesetzt wird, haben wir scheinbar jeglichen Bezug dazu verloren. Das spiegelt sich auch in der immer verwirtschaftlicheren Geburtshilfe wider.

      Aber ich schweife nun ab. Das Thema rund um Schwangerschaft und Abbruch einer Schwangerschaft hat sehr viele Facetten. Ich finde, die Gesetzeslage sollte die Entscheidungsfreiheit Betroffener respektieren und stärken. Es gibt viele Fälle, in denen ein Abbruch durchaus sinnvoll ist. Ich weiß nicht, was ich meiner 17jährigen, ungewollt schwangeren Tochter eines Tages raten werde. (Ich hoffe, ich muss es nicht!)


      Ich fürchte, dass dieser Diskurs weiterhin ein Thema sein wird. Und ein Recht, für das wir weiterhin einstehen müssen. :(

      nun denn- ich hoffe, das war jetzt nicht zu verworren! Es beschäftigt mich sehr.

      Lieber Gruß,
      Sonja

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    3. Liebe Sonja,

      ja, im großen Bereich Schwangerschaft (oder noch allgemeiner: Fortpflanzung) gibt es verdammt viele Aspekte, die es vertragen, dass da genauer hingeschaut wird.
      Ich habe einige Freundinnen und Bekannte, die aus ganz unterschiedlichen Gründen keine Kinder wollen. Diese Frauen haben festgestellt, dass es bis kurz vor den Wechseljahren quasi unmöglich ist, sich sterilisieren zu lassen, weil das so eine große Entscheidung sei. Auch hier wird den Frauen die Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper genommen. (Als wäre ein Kind zu bekommen, nicht eine mindestens ebenso weitreichende Entscheidung.)

      Natürlich sind das oft Aspekte, die einen großen Teil der Menschenheit nicht betreffen, beispielsweise weil sie weder eine Behinderung haben, noch Mehrfachgebärende sind, noch in Brasilien oder China leben. Nichtsdestotrotz finde ich es wichtig, da hinzuschauen und auf eine Verbesserung hinzuarbeiten.

      Also, ja: Ich finde nicht deinen Kommentar verworren, sondern das Thema einfach sehr umfangreich - und an vielen Stellen hochproblematisch. Umso besser, wenn man darüber spricht und damit vielleicht auch Leute auf Aspekte stößt, die ihnen vielleicht gar nicht bewusst waren.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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