Samstag, 19. Mai 2018

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Mit Tee und Wochenende ins Wochenende starten: Wunderbar.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Ihr merkt es am Blog - im Moment fliegen die Wochen nur so an mir vorbei. Eine Weiterbildung hat meinen Tagesablauf sehr umgekrempelt und vor allem meinen Schlafrythmus aus der Bahn geworfen. Kennt ihr das, dass eine Stunde früher aufstehen massive Auswirkungen hat? Sechs Uhr ist definitiv nicht meine Uhrzeit.

Aber abgesehen davon pflanzt diese Weiterbildung neue Ideen in mein Hirn und ich hoffe, dass diese früher oder später ganz tolle Blüten treiben. Während ich darauf warte und im übertragenen Sinne ein bisschen gieße, sammle ich natürlich auch weiterhin spannende Netzfunde - diese Woche auch einen eigenen:

Für das *innenAnsicht-Magazin habe ich das Drama "Was werden die Leute sagen" rezensiert. Der Film erzählt die Geschichte der 15-jährigen Nisha, die von ihrem Vater aus Norwegen nach Pakistan entführt wird. Nach anfänglichem Widerstand versucht sie, im Land ihrer Vorfahren klarzukommen. Sehr berührend, aber voller Wut. Um es kurz zu machen: Ab ins Kino mit euch!

Weil euch der Film ja nicht das ganze Wochenende beschäftigen wird, habe ich euch noch weitere Artikel mitgebracht, die sich grob mit der Repräsentation von Frauen in der Literatur und im Literaturbetrieb befassen.

Homers "Odyssee" wurde neu ins Englische übersetzt - und erstmals von einer Frau. Emiliy Wilson hat dabei aufgezeigt, wie viele frauenfeindliche Formulierungen die vorigen Übersetzer (sic!) in den Text gemogelt haben. Im griechischen Original findet sich beispielsweise niemals der Begriff "Schlampe".  Deutschlandfunk Kultur hat die Neuübersetzung besprochen.

"Brauchen wir mehr (interessante) Frauenfiguren in der Phantastik?" wird bei Tor-Online gefragt in Anlehnung an eine Diskussion des Phantastische-Autoren-Netzwerks in Köln. In dieser sollte es ursprünglich auch um Rassismus gehen, aber dasThema ist zugunsten weiblicher Repräsentation untergegangen. Schade. Dass man nämlich beides hinbekommen kann, zeigen Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romane. Da wimmelt es nur so von interessanten Frauenfiguren und gleichzeitig findet er sehr klare Worte und Bilder zum Thema Rassismus.

Nichtsdestotrotz interessiert mich natürlich auch die Frage weiblicher Repräsentation. Und so habe ich mich gefreut, dass Anja Stephan eine Reihe zu Frauen in der Fantasy gestartet hat. Im ersten Teil geht es um die unterschiedlichen Gründe zu kämpfen. Ihr niederschmetterndes Ergebnis: Frauen sind in den meisten Fällen halt irgendwie dabei und haben die Aufgabe, den Helden anzuhimmeln und danach brav zu Haushalt und Kindern zurückzukehren. Dabei wäre es ja gerade innerhalb fantastischer Welten möglich, sich von Stereotypen und Klischees zu lösen und Welten zu erschaffen, in denen Geschlechtlichkeit andere Zuschreibungen hat...
Der zweite Teil beschäftigt sich mit den Konnotationen der Wörter "Held" bzw "Heldin". Selbst im Duden unterscheidet sich die Definition. Männlichen Helden werden dabei Eigenschaften wie "Kühnheit" oder "Unerschrockenheit" angesichts großer Aufgaben und Kämpfen zugesprochen und den Heldinnen Aufopferungsbereitschaft für andere. Puh... Ich glaube, da gibt's noch einiges zu tun.

Wieder einmal geht es mir persönlich dabei gar nicht mal darum zu sagen: "Frauen müssen werden wie Männer. Nur noch besser!" Ich finde es nicht falsch, sich für andere einzusetzen. Es ist noch nicht mal falsch, einen Helden anzuhimmeln. Weiblich konnotierte Eigenschaften abzuwerten, ist scheiße. Es ist nur unheimlich schade und verdammt faul, wenn Figuren rein aufgrund ihres Geschlechts bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden und von diesen nicht abweichen können. Das gilt dann übrigens auch für Männer. Die dürfen gerne ebensoso häufig weinen wie Frodo auf dem Weg zum brennenden Berg, wenn's nach mir geht.

Es heißt, um vielfältigere und dabei glaubwürdigere Frauenfiguren zu bekommen, seien mehr Autorinnen notwendig. Dieser Artikel von The Nerd Daily nennt acht Frauen, die "grimdark fantasy" schreiben, also ein Subgenre, in dem es besonders dystopisch, unbarmherzig und brutal zugeht. Ehrlich gesagt: Nicht unbedingt meine Kragenweite. Aber ich kann mit vorstellen, dass Heldinnen in diesem Bereich sehr weit vom Klischee entfernt sein können. Also, falls das was für euch ist, lohnt sich sicher mal ein Blick.

Abschließend noch ein Wort zur DSGVO, der Datenschutzgrundverordnung. Am 25.5. ist der Stichtag, zu dem alle Anpassungen in Kraft getreten sein sollten. Mittlerweile habe ich mehrere Blogs gesehen, die sich deswegen auf privat umstellen, weil sie nicht wissen, welche Änderungen für sie relevant sein könnten. Bei Blogmojo habe ich eine Liste gefunden, die sich speziell auf Blogspotblogs bezieht. Ich werde mir die mal zu Gemüte führen. Falls ich damit länger brauche als bis kommenden Freitag: Nicht wundern, wenn dieser Blog zwischendurch mal "privat" ist. Ich komm wieder. Aber vorher muss ich mich noch mit meiner Steuererklärung auseinandersetzen...

Habt ein schönes Wochenende!


Samstag, 5. Mai 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Puh, da war auf einmal der April rum. Bei mir hatte sich eine kleinere Blogunlust breit gemacht, die aber nun hoffentlich ausgestanden ist. Auf jeden Fall freue ich mich, heute wieder am Samstagsplausch teilzunehmen.

Passiert ist in den letzten Wochen unter anderem, dass ein befreundetes Paar geheiratet hat. Zu meiner großen Ehre durfte ich Trauzeugin der Braut sein und so die Eheschließung in vorderster Reihe miterleben. Das bedeutete nicht zuletzt Synchronschniefen mit der Braut. Ich bin immer noch schwer gerührt und glücklich, dabei gewesen zu sein.

Weil ich im Zuge dieser Hochzeit wieder mal viel mit dem Zug unterwegs war, gibt es jetzt auch wieder meine...

Netzfunde der Woche



Aus der Reihe "Dinge, die mich erstaunen Was soll der Scheiß eigentlich?": In der Sendung "Maischberger" wurde einmal mehr darüber diskutiert, ob man eigentlich noch rassistische Bezeichnungen für Schwarze Menschen verwenden dürfe. Dabei sei "bis zur 58. Minute allein das N-Wort 26 Mal ausgesprochen" worden, berichtet Ali Schwarzer in den Übermedien.
Mir ist klar, dass es schwierig ist, immer auf dem neuesten Stand zu sein, welche Selbstbezeichnungen en vogue sind, wie man gerade richtig gendert und so weiter. Dafür muss man sich aktiv mit diesen Themen beschäftigen. Aber dass um die immer gleichen rassistischen Begriffe alle paar Wochen in den Öffentlich-Rechtlichen debattiert werden soll, versteh ich nicht. Da gibt's einfach nichts mehr zu debattieren. Echt nicht.

Um diskriminierende Sprache ging es auch im fluter., allerdings gleich an vier Beispielen zu gendersensibler Sprache und rassistischen Beleidigungen. Neben Marlies Krämer kommen auch Tahir Della, Lann Hornscheidt und ein Student zu Wort. Ganz klar: Sprache ist eine riesige Baustelle. Aber das schöne an Baustellen ist ja, dass sie am Ende etwas Schöneres und besser Funktionierendes hinterlassen. 

 
Ebenfalls bei fluter. habe ich eine Reihe gefunden, die die internationalen Effekte von #metoo zusammenfasst. Das fand ich sehr spannend zu lesen! Denn abgesehen von Deutschland und den USA hab ich in meiner Filterblase wenig mitbekommen. Hier geht's zum ersten und da zum zweiten Teil.

Nach dieser Lektüre hab ich mir dann auch erstmal die aktuelle Ausgabe des Magazins zum Thema "Körper" bestellt. Ich werde davon berichten!

Bereits vor einiger Zeit habe ich das feministische Magazin "an.schläge" abboniert. Die erste Ausgabe fand ich schon mal super und hab mich deswegen sehr gefreut, dass die leitende Redakteurin Lea Susemichel DeutschlandradioKultur ein Interview gegeben hat - über ihr Magazin und darüber, wie sie zum Feminismus gekommen ist.

Weit weniger gefreut hat mich dieser andere Beitrag des DeutschlandradioKultur. Darin ruft Svenja Faßpöhler Frauen dazu auf, "sexuelles Begehren selbst zu formulieren". Dagegen ist erstmal auch nichts einzuwenden - tatsächlich ist "weibliches" Lust ja bis heute viel weniger erforscht als männliche. Blöd wird es an der Stelle, an der Frau Faßpöhler meint, wir lebten heute nicht mehr in einem Patriarchat "im rechtlichen Sinne". Also in der ersten Antwort. Nun weiß ich nicht genau, was ich mir unter einem Patriarchat im rechtlichen Sinne vorstellen soll. Ich bezweifle aber hart, dass ein Land das Patriarchat in dem Moment abschüttelt, in dem es "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" in seine Verfassung schreibt. Dann geht es auch weiter mit victim blaming im Rahmen von #metoo und ehrlich gesagt... an dem Punkt habe ich die Lektüre abgebrochen, weil ich vor lauter Augen verdrehen nichts mehr sehen konnte. Ich kann deswegen auch nicht sagen, ob Frau Faßpöhler meint, dass die Formulierung des eigenen sexuellen Begehrens mich vor sexualisierter Gewalt irgendwie schützen würde. Wundern würde es mich nicht...

Leider hat auch Barbara Puchler bei ZeitOnline auf eine ähnliche Pauke. Ebenfalls in Bezug auf #metoo findet sie, Frauen sollten aufhören, sich als das "schöne Geschlecht [zu] gerieren" und schon sei sexuelle Belästigung Schnee von gestern. Also weg mit Make-up, Highheels und hautengen Hosen? Frau entsage allen Oberflächlichkeiten und schwupps hätten wir eine gleichberechtigte, gewaltfreie Gesellschaft?
I call bullshit. Für mich riecht das gewaltig nach "Wenn Frauen nur endlich wären wie Männer, könnte man sie auch endlich behandeln wie echte Menschen", nach einer tief sitzenden Verachtung für weiblich konnotierte Eigenschaften.
Ich finde es sehr wichtig, dass Frauen nicht geschminkt auf Highheels und in hautengen Schuhen auftreten müssen. Dass hübsch zurecht gemacht sein nicht der Preis ist, den wir zahlen müssen, um als Frauen zu leben. Aber im Gegenzug würde ich keiner Frau verbieten wollen, sich mit "weiblichen" Attributen zu schmücken. Menschen in ihrer persönlichen Ausdrucksform zu beschneiden, unter dem Vorwand, ihnen dafür Rechte zu gewähren, ist scheiße. Menschen zu suggerieren, dass sie mit ihrer Kleidung, ihrem Outfit irgendwie dazu beitragen würden, zur Zielscheibe sexualisierter Gewalt zu werden, ebenfalls. Von tatsächlicher Gleichberechtigung können wir meiner Ansicht nach jedenfalls erst dann sprechen, wenn tatsächlich egal ist, wer was anhat und wie viel Farbe die Person sich egal wo aufgetragen hat. Noch ein Artikel, der mich frustriert.

Also lieber was anderes lesen und zum Abschluss nochmal freuen! Wusstet ihr - um bei der Lust zu bleiben - , dass der Wonnemonat Mai auch der Monat der Masturbation ist? Ich wusste es nicht, sehe da aber durchaus einen Zusammenhang. Im Missy Magazine hab ich nachgelesen, wie es dazu kam. 

Und mit diesem frisch angelesenen Wissen geh ich in die Sonne. Kommt ihr mit?

Samstag, 14. April 2018

[Samstagstee] mit bedrohten Männern

Weniger Salat, dafür Tee und meinen Senf dazu gibt's auch an diesem Samstag wieder.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Ganz ehrlich? Wie schon bei der letzten Woche gibt's gar nicht mal so viel zu erzählen. Deswegen springe ich auch sofort zu den Netzfunden, wenn ihr nichts dagegen habt.

Nicht gelesen habe ich in den vergangenen Tagen den Jens Jessens Artikel "Der bedrohte Mann" in der ZEIT. Unter anderem, weil ich mich weigere, für reaktionären Scheiß auch noch Geld zu bezahlen. Immerhin verdient der Herr ja indirekt daran mit. Und die billigen Argumente gegen Feminismus kann ich mir auch in hoher Dosis gratis im Internet durchlesen. Es sind nämlich immer dieselben. "Mimimi, wir Männer dürfen gar nichts mehr sagen", "#notallmen" und so weiter. Trotzdem kam ich nicht darum herum, vom Artikel Notiz zu nehmen, denn gefühlt haben sich alle dazu geäußert. Wer nicht zustimmte, sah sich gezwungen, dagegen zu halten. Es ärgert mich ziemlich, dass mit so einem Mist so viel Aufmerksamkeit errungen werden kann. Aber zumindest zwei Repliken habe ich gerne gelesen.

So wie die von Marcel Wicker bei Pinkstinks. Im Antwortbrief zerlegt Marcel Wicker nicht nur die Argumentation Jessens, sondern erläutert ganz nebenbei noch, dass ja auch Männer Feministen sein (und sogar selbst was davon haben) können. Grundsätzlich sei das gar nicht so schwer, meint er. Feminismus bestehe nämlich in erster Linie darin, "kein Arschloch [zu] sein."
 

Margarete Stokowski ist gewohnt spitzzüngig und bezeichnet Jessens Auslassungen in ihrer Kolumne bei SpiegelOnline als "völlig irren Thesengulasch an prominentester Stelle". Ihre These: Nach seinem Artikel müsse sich keiner mehr sorgen, die peinlichsten Äußerungen zur #metoo-Debatte beizutragen.

Das war's schon für diese Woche! Genießt das Wochenende in vollen Zügen - das hab ich nämlich auch vor!
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