Samstag, 17. Februar 2018

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Cthulu-Tasse im Wochenrückblick
In ungefähr diesem Zustand befand ich mich diese Woche auch.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind. 

Letzte Woche habe ich mich beim Samstagsplausch als "frisch genesen" bezeichnet. Das war mehr Optimismus und Vorfreude aufs Wochenende in Hamburg als irgendwas anderes: Donnerstagabend musste ich nämlich einsehen, dass ich nicht nur nicht genesen, sondern eindeutig fiebrig war. Und nochmal Bettruhe... Das macht mich unheimlich ungeduldig, weil um mich herum so viele Baustellen offen sind, die ich unbedingt beackern möchte! Aber dieses Mal zieh ich das durch mit dem Im-Bett-bleiben, bis ich wirklich wieder fit bin!

Immerhin hat sich das wieder positiv auf die Fülle an Netzfunden ausgewirkt, die ich euch heute präsentieren kann:
 
Dieses Jahr heiraten zwei meiner Freundinnen. Eine von ihnen wird ihren jetzigen Nachnamen behalten, die andere den ihres Ehemanns annehmen. In der Gesamtstatistik ist die zweite Wahl immer noch deutlich populärer: Ganze 80 Prozent der heiratenden Frauen entscheiden sich für einen Namenswechsel. Im Zeit-Magazin wird dieses Verhalten in einem Artikel kritisiert - weil das Private auch politisch ist und der Namenswechsel patriarchale Strukturen zumindest nicht in Frage stellt.

Am Freitag hat mir eine Freundin einen Screenshot der Sonntagsfrage geschickt, der mich so gar nicht erfreut hat: Blau lag laut infratest dimap nur einen mickrigen Prozentpunkt hinter rot. Nun sind solche Umfrageergebnisse ja immer nur genau das: Ergebnisse von Umfragen. Trotzdem finde ich es jedes Mal erschreckend zu sehen, wie Deutschlands älteste demokratische Partei und die Neurechten so aufeinander zu kippen - und frage mich jedes Mal: Was tun? Dieser Frage ist auch Anne von kleinerdrei nachgegangen und hat in diesem Post Strategien gegen den Empörungsburnout gesammelt. Besonders wichtig ist es aus ihrer Sicht dabei, sich bewusst auszudrücken. "Achtet auf eure Sprache. Achtet darauf, welche Worte ihr benutzt und wie ihr das tut. Erkennt die Macht von Sprache an und damit auch eure Verantwortung." Wie genau das aussehen kann, wird weiter aufgeschlüsselt. Fand ich für mich hilfreich.

Dass es wichtig ist, genau hinzuschauen und zu -hören ist auch Grundsatz dessen, was als Identitätspolitik bezeichnet wird: Bezeichnet wird damit ein politisches Engagement, das auf der Erfahrung von Unterdrückung gründet und sich dagegen auflehnt, mit den eigenen Erfahrungen, Wünschen und Bedürfnissen immer wieder an den Rand gedrängt zu werden. In diesem Artikel auf Geschichte der Gegenwart schreibt Patricia Putschert, es sei problematisch, "dass die Einteilung politischer Anliegen in wichtige und unwichtige, in Haupt- und Nebenwidersprüche aus der Position jener erfolgt, die im Kampf um Repräsentation immer schon auf der Gewinnerseite stehen." Diese Gewinnerseite, die berühmten alten weißen Männer, verteidigten ihre Privilegien zunehmend radikal. Gleichzeitig würde dadurch aber die weiße Identität auch immer stärker als eine von vielen wahrgenommen. (Überhaupt hab ich festgestellt, dass ich die Geschichte der Gegenwart mal im Auge behalten möchte. Da sind tolle Artikel dabei!)

Gerne gehört habe ich wie immer die neueste Episode des Lila Podcast. Besonders getroffen hat mich dabei der Verweis auf Studien, laut denen rund ein Drittel der Frauen bei vaginalem Sex Schmerzen haben (und bei Anal-Sex sogar fast drei Viertel!) - ohne deshalb abzubrechen. Weil sie Schmerzen für etwas halten, was zu Sex halt dazugehört. Weil ihnen die Lust ihres Partners wichtiger vorkommt als die eigene Schmerzlosigkeit. Das hat selbst beim Zuhören wehgetan.

Über den Widerstand gegen §219a StGB (kurz gesagt der Paragraph, der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet und genutzt wird, um Ärzt*innen zu verbieten, darüber zu informieren) hatte ich hier ja schon häufiger berichtet (zum Beispiel hier und hier). In der kommenden Woche kommt da nochmal Bewegung rein: Am 22. Februar wird im Bundestag über das Gesetz debattiert, wobei die Debatte live übertragen wird (Infos des Bundestags mit aktueller Uhrzeit usw.: hier) Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung hat für diesen Tag zu einer Demo aufgerufen. Momentan läuft bereits die zugehörige Fotoaktion. Teilnehmen möchte ich am liebsten an beidem. Sehe ich da bekannte Gesichter?


Für einen versöhnlichen Schluss habe ich diese Woche auch eine Rezension zum wundervoll illustrierten Buch Women In Science von Rachel Ignotofsky veröffentlicht. Schaut doch mal vorbei, vielleicht findet ihr ja neuen Lesestoff für euch!

Erzählt mal, wie war eure Woche so?

Mittwoch, 14. Februar 2018

[Rezension] Women in Science: 50 Fearless Pioneers Who Changed the World

Women in Science - 5 Fearless Pioneers Who Changed The World, Rezension
"Women in Science: 50 Fearless Pioneers Who Changed the World": Naturwissenschaftlerinnen in meinem Regal
Angezogen hat mich wieder einmal das Cover - coole Illustrationen, fast ein Regenbogenfarbverlauf und glänzende Elemente. "Women in Science: 50 Fearless Pioneers Who Changed the World" ist ein schönes Buch. Und sein Innenleben hält, was es außen verspricht: Die Illustrationen von Rachel Ignotofsky sind farbenfroh, liebevoll und lebhaft. Ich mag die tonigen Seiten, deren Farben ganz oft abgestimmt sind auf die konkrete Profession der gezeigten Frau.

Pro Doppelseite wird eine Frau dargestellt, die Herausragendes in den Natuswissenschaften geleitet hat - von Hypathia, einer der ersten Lehrerinnen in Alexandria (etwa 350 - 415 v. Chr.) bis zur Mathematikerin Maryam Marzqakhani (geb. 1977) geht es durch die Jahrhunderte. Als bestürzend empfand ich beim Lesen, wie oft die Frauen von Männern ausgebremst oder gar um Ideen bestohlen wurden. Nicht nur, weil universitäre Bildung lange Zeit den Männern vorbehalten war. Ich habe beispielsweise auch in der Schule gelernt, dass die Struktur der DNA von James Watson und Francis Cricket entdeckt worden wäre. Allerdings hätten die beiden ihren Medizin-Nobelpreis ohne unerlaubte Blicke in die Arbeit Rosalind Franklins nicht errungen. Erstaunlich, dass das in meiner Schulzeit nicht thematisiert wurde.

Neben den harten biographischen Fakten hat Rachel Ignotofsky auch lustige Anekdoten verpackt - etwa, dass Annie Easley, eine der ersten Afroamerikaner*innen, die als Informatiker*innen für die NASA arbeiteten, von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde und Präsidentin des Ski-Clubs der NASA war.

"Women in Science" beschränkt sich aber nicht auf die Biographien, sondern hat noch mehr zu bieten: Für Nicht-Naturwissenschaftler*innen unter den Lesenden gibt es unter anderem ein Glossar, in dem beispielsweise die DNA nochmal ganz knapp erklärt wird - ein ziemlicher Pluspunkt, wie ich finde. Weil die Autorin an ihrer Recherche so viel Freude hatte und diese mit ihrem Publikum teilen möchte, nennt sie einige ihrer Quellen - auch, weil es so viel mehr über die Frauen zu sagen gibt, als im Buch Platz finden konnte. Auf der Doppelseite "More Women in Science" reißt Rachel Ignotofsky ganz knapp 14 weitere Frauen an, um zu zeigen, dass es viel, viel mehr gibt. Sie schließt mit einem empowernden Statement: "The next great scientist could be you!" Es gibt also eine Menge zu entdecken - im Buch und auch darüber hinaus! Und wenn das immer noch nicht reicht, gibt es auch noch eine Postkartenbox zum Buch, so dass man die Damen auch noch an die Wand hängen und an Freund*innen verschicken kann!

Women in Science: Annie Easley arbeitete als Informatikerin für die NASA
Annie Easley war eine der ersten Afroamerikaner*innen, die für die NASA als Informatiker*in gearbeitet hat.
Bei aller Begeisterung habe ich auch zwei Kritikpunkte. Ich fand die Dichte an US-Amerikanerinnen sehr hoch. Das mag daran liegen, dass Rachel Ignotofsky selbst in Los Angeles wohnt oder daran, dass NobelpreisträgerInnen extrem häufig aus den USA kommen, aber dennoch hätte ich mir da eine größere Bandbreite gewünscht. Neben der Diversität fehlt mir an einigen Stellen auch eine kritischere Auseinandersetzung mit den Frauen: Beispielsweise wird eine Atombombe in meinen Augen kein Stück besser, nur weil Frauen an ihrer Erfindung beteiligt waren. Natürlich geht es darum, deren bahnbrechende Arbeit zu würdigen und auf einer einzigen Seite dann auch noch die Risiken und Nebenwirkungen dieser Arbeit zu diskutieren, ist vermutlich nur schwer möglich, aber bei mir hinterlässt das einen schalen Nachgeschmack.

Weil es natürlich auch außerhalb der Naturwissenschaften großartige Frauen gibt, hat Rachel Ignotofsky mittlerweile auch ein Buch über Athletinnen, Women in Sports, veröffentlicht. Nun ist Sport so gar nicht mein Thema, aber reinblättern möchte ich auf jeden Fall mal. Und falls sie danach losgeht und Schriftstellerinnen porträtiert, möchte ich bitte das Buch, die Postkartenbox und mindestens ein Shirt!

Bis es aber soweit ist, können wir ja aber auch an anderer Stelle weiterlesen. Zum Beispiel in Good Night Stories for Rebel Girls oder auch die Reihe Great Women von Astrid, die überhaupt erst meine Lust an Biografien geweckt hat.

Titel: Women in Science: 50 Fearless Pioneers Who Changed the World
Autorin: Rachel Ignotofsky
Verlag: Ten Speed Press
Umfang: 128 Seiten
  1. Preis: 12,99 €

Samstag, 10. Februar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Ich bin verliebt in die neue alte Teekannte. Und in farblich passende Zombie-Bücher.
Jeden Woche sammelt Andrea von Karminrot beim Samstagsplausch persönliche Wochenrückblicke. Meiner ist meist ergänzt durch Artikel oder Podcastepisoden, die mir in den letzten Tagen im Netz besonders aufgefallen sind.

Bei fantastischem Winterwetter habe ich diese Woche viel Zeit im Bett verbracht. Ich war nämlich krank - die hartnäckige Erkältung hab ich beim Umzug mitgebracht und dann vor lauter Kisten schleppen und Co nicht richtig auskuriert. Da hat sie sich nun gerächt. Tja, ich hab dann einfach umso mehr gelesen und Podcasts gehört.

Mein Highlight der Woche war "The Boy On The Bridge" von M. R. Carey. Der Roman ist teils Prequel, teils Sequel zu "The Girl With All The Gifts" und sollte definitiv als zweites gelesen werden, um so richtig genossen werden zu können.
Dargestellt wird eine Welt, die eigentlich schon untergegangen ist - durch eine Infektion verwandeln sich weite Teile der Menschheit in hirnlose Fressmonster und die Übriggebliebenen müssen irgendwie versuchen, sich und die eigene Spezies zu retten. Soweit so bekannt aus diversen Zombiefilmen, die ich gar nicht so gerne mag. Das Besondere an diesen Büchern ist für mich, dass "The Girl..." und "The Boy..." auf die grundpessimistische "Alle Menschen sind scheiße und bei der ersten Gelegenheit werden sie sich gegenseitig in den Rücken fallen"-Haltung bei gleichzeitiger "Nur der Mensch ist es wert, auf dieser Welt zu leben"-Überzeugung verzichten. Was mich besonders begeistert, sind aber die Figuren: Da sind kluge, coole, sympathische Frauen unterwegs, deren Betrachtung ganz ohne Male Gaze auskommt, ebenso wie grandios unsympathische Damen; es gibt schwule Männer, Personen mit Behinderung... Eine solche Bandbreite bin ich in der Nähe von Zombies nicht gewöhnt. Ich hab beim Lesen vor Frustration geheult und manchmal auch vor Erleichterung, ich hab laut gelacht und noch lauter (und ziemlich wüst) geflucht. Ganz große Buchliebe!

Verguckt hab ich mich gleich nochmal in Little Feminist, einem recht neuen Blog, der definitiv mehr Kommentare verdient hat, weil Lina nicht nur klug, sondern auch witzig über den Dreiklang "Arbeit, Angst, Ananas" oder über den Zusammenhang von Menstruation und Darmsperenzchen schreibt.

Amina von kleinerdr3i fragt sich nach Kritik aus ihrem Freundeskreis in diesem Post, ob sie zu politisch sei. Wenig überraschend lautet die Antwort: "nein". Weil politische Mühlen langsam mahlten, sei es nun mal wichtig, sich jetzt zu engagieren, um von den Ergebnissen auch noch was zu sehen zu bekommen - damit beispielsweise nicht mehr überwiegend Menschen ohne Uterus über Schwangerschaftsabbrüche entscheiden.

Dieser Artikel auf ZEIT online zieht Parallelen zwischen heutigen "Afrika-Schmonzetten" und dem Heimatfilm der Nachkriegszeit und erläutert, warum "Für immer Afrika" und Konsorten rassistisch sind: "Das Perfide der so unschuldig daherkommenden, verklärten Afrika-Filmbilder besteht nicht in den einzelnen Aufnahmen und Erzählungen, sondern darin, dass die immergleiche Geschichte unermüdlich reproduziert wird. Eine Geschichte, die ein rassistisch geprägtes Weltbild in Endlosschleife fortschreibt und bestärkt."

In einem Interview mit der Berliner Zeitung spricht Kholoud Bariedah über Frauenrechte in Saudi-Arabien und die Entstehungsgeschichte ihres Buches "Keine Tränen für Allah. Wie ich von Tugendwächtern verurteilt wurde und dem Frauengefängnis von Mekka entkam". Während ich dieses Ungetüm von einem Buchtitel eher abschreckend finde, fand ich Kholoud Bariedah im Interview umso sympathischer. "Ich liebe meine Heimat. [...] es ist ein Missverständnis, zu denken, ich wäre nur nach Deutschland gekommen, um ein freies Leben zu führen. Eher war es ein Ziel: Ich habe das Buch geschrieben, um Saudi-Arabien zu verändern." (Warum es allerdings so wichtig ist zu betonen, dass sie "recht gutes Deutsch" spricht, muss ein Geheimnis der Berliner Zeitung bleiben.)

Im Kaiserinnenreich bin ich auf einen famosen Post mit einer Menge Empfehlungen für Podcasts von und mit tollen Frauen gestoßen. Klickt euch da mal durch - nicht nur, wenn ihr auch krank im Bett liegen solltet, sondern auch beim Nähen, Regale einräumen, Pendeln...

So, damit sollte ich euch doch jetzt mindestens übers Wochenende bespaßt haben, oder? Während ihr lest und hört, mache ich frisch genesen eine große Stadt unsicher, die jetzt nur noch gut 90 Minuten Zugfahrt entfernt ist und lerne Menschen kennen, die mich virtuell schon ein ganzes Weilchen begleiten. Huiuiuim ganz schön aufregend, so ein Treffen "in echt"!

Genießt das Wochenende!
Ich liebe meine Heimat, wusste aber, dass ich nie dorthin zurückkehren kann, wenn ich das Buch veröffentliche. Ich würde dort verhaftet oder sogar getötet. Aber es ist ein Missverständnis, zu denken, ich wäre nur nach Deutschland gekommen, um ein freies Leben zu führen. Eher war es ein Ziel: Ich habe das Buch geschrieben, um Saudi-Arabien zu verändern. – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/29564790 ©2018

Dienstag, 6. Februar 2018

[Tell a Story] Zu Fuß unterwegs


Waldweg in der Nähe von Stuttgart-Rotenberg
Emma von Frühstück bei Emma sammelt unter dem Motto Tell a Story jeden Dienstag Fotos (und Worte) zu einem bestimmten Thema. Diese Woche ist "Zu Fuß unterwegs" dran. 

Spazieren, wandern, marschieren, aber auch stolpern, schlittern und schleichen. Zu Fuß unterwegs zu sein, liebe ich. Die Möglichkeit, Schritt für Schritt meine Umgebung zu erkunden - und dabei kleine Details zu entdecken. Die Gelegenheit, einfach mal für ein paar Stunden in der Natur zu sein und mich zu bewegen. Die Chance, meinen Körper zu spüren - und dabei nach mehreren Stunden ausgedehnter Wanderei auch an meine Grenzen zu stoßen. Während der vergangenen zwei Jahre war ich so häufiger im Stuttgarter Umland und auf der Schwäbischen Alb unterwegs. In der Gegend bin ich zwar aufgewachsen, aber erst in diesen beiden Jahren habe ich die Gegend wirklich kennen gelernt - zu Fuß. Zum Umzug hat mir der Lieblingsmensch nun ein Wanderbuch für die Berliner Umgebung geschenkt, die nehmen wir uns nun als nächstes vor. Und ich freu mich unheimlich darauf!


Samstag, 3. Februar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Ein schönes Wochenende wünscht euch die Teekatze!
Hallo ihr Lieben!

Eine Woche bin ich heute in Berlin - und diese sieben Tage waren sehr vollgestopft. Ummelden, Kisten auspacken, den Liefertermin des Schlafsofas wiederholt checken, feststellen, dass die Regalbretter niemals für meine Bücher ausreichen können - und nebenher versuchen, mich daran zu gewöhnen, dass da jetzt ständig ein zusätzlicher Mensch in meiner Wohnung ist, der nicht nur alle paar Wochen mal auftaucht. Ganz schön anstrengend. Ich war und bin viel geplätteter, als man annehmen sollte, denn von außen betrachtet, war das eine eher ruhige Woche. Immerhin: während der Auspackerei konnte ich einige Podcasts hören.

Komplett durchgesuchtet habe ich In trockenen Büchern von Alexandra Tobor. In jeder Episode nimmt die Autorin sich ein Sachbuch vor und fasst es, angereichert mit persönlichen Anekdoten, zusammen. Nun sind Sachbücher normalerweise nicht unbedingt die Lektüre meiner Wahl, aber gerade die neueste Folge über Monster macht mir Lust, da mal tiefer einzutauchen. Vielleicht ist für euch ja auch was dabei?

In der aktuellen Episode des Lila Podcast spricht Katrin Rönicke mit Ilan Stephani, die vor einigen Monaten ihr Buch "Lieb und teuer" veröffentlicht hat, in dem sie über ihre Zeit als Sexarbeiterin schreibt. Die Kombination von Feminismus und Prostitution ist ja ziemlich konfliktbeladen - umso spannender fand ich es, die Überlegungen einer ehemaligen Prostituierten zum Patriarchat und dessen Einfluss auf Sex und Sexarbeit zu hören. (Achtung, Ilan Stephani spricht auch über eine Vergewaltigung.)
"Ich will, wenn ich Patriarchat sage, nicht verwechseln zwischen Männern und Patriarchat. [...] Ich bin der Meinung, Prostitution ist ein Ausdruck von Patriarchat. Ich bin aber auch der Meinung, im Patriarchat zu glauben, es gibt die Gewinner, die wissen, sie haben die Macht, ist völlig old fashioned. [...] Ich habe Männer als so hilflos und taub erlebt, so überfordert damit, eine Frau sexuell zu erreichen und im Sex mal die Befriedigung zu erleben [...] Prostitution ist Ausdruck davon, wie sich eine Gesellschaft sexuell verpasst zwischen Männern und Frauen."
Ilan Stephani im Lila Podcast
Außerdem bin ich auf The I'm Tired Project gestoßen (hier bei Facebook, hier bei Instagram). In diesem Rahmen zeigen verschiedene Menschen in schwarz-weißen Fotografien, welches Vorurteil sie besonders ermüdet - mit Großbuchstaben auf ihrem Rücken. In den Bildunterschriften wird weiter erläutert und spezifiziert, in welcher Weise diese Vorurteile an sie herangetragen werden und warum sie so stören. Spannend!

Bevor ich gleich in meinem Zimmer verschwinde, um weiter Dinge hin und her zu räumen oder mich auf einen Erkundungsgang durch die neue Umgebung mache, setze ich mich noch schnell zu Andreas Samstagsplausch und lese nach, wie es euch ergangen ist.

Dienstag, 23. Januar 2018

[Tell a Story] Mein Lieblingsplatz

Blick auf die Ostsee in Ruissalo, Finnland - mein liebstes Foto ever.
Emma von Frühstück bei Emma sammelt unter dem Motto Tell a Story jeden Dienstag Fotos (und Worte) zu einem bestimmten Thema. Diese Woche ist "Dein Lieblingsplatz" dran - und angesichts einer Wohnung, die mittlerweile jede Wohnlichkeit hinter sich gelassen hat, bin ich gerne wieder mit dabei.

Monatelang habe ich nach meinem Auslandssemester in Turku, Finnland, von meinen Ausflügen ins Umland geschwärmt. Vom Himmel, der blauer ist, als irgendwo sonst. Vom Sonnenlicht, das auf dem Wasser glitzert. Vom Wunsch, die Zeit anzuhalten und nie wieder weggehen zu müssen. Irgendwo am Ostseestrand hatte ich mein Herz verloren. Und ich glaube, ein Teil davon liegt immer noch irgendwo zwischen diesen Steinen.

Auf dem Foto zu sehen ist die Insel Ruissalo, die vor den Toren der Stadt liegt. Bekannt ist sie vor das Ruisrock-Festival, das hier im Sommer stattfindet. Außerdem gibt es ein riesiges Gewächshaus, das auch einen Besuch wert sein soll und einen Golfplatz. Mir war das alles egal, ich wollte mir nur die Meeresluft um die Nase wehen und mit meinen Haaren spielen lassen. Ihr merkt es sicher schon: Hier ist eine ordentliche Portion Fernweh am Start!

Was ist euer Lieblingsplatz?

Samstag, 20. Januar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Tee zum Frühstück ist immer eine gute Idee.
Hallo ihr Lieben!
Wie war eure Woche? Meine war voller gepackter Kisten, Tüten, Koffer - und einer Menge unerwarteter Krempel in irgendwelchen Schränken. Puh! Wenn mein Bruder morgen kommt, um mir mir den Möbeln zu helfen, soll alles andere verpackt sein. Ein bisschen gibt es da noch für mich zu tun, daher werde ich mich gleich wieder auf die Arbeit stürzen. Aber vorher habe ich noch ein paar Netzfunde für euch:

Catcontent ist wichtig für die Seele: Die neu entdeckte Rusty Spotted Cat aus Sri Lanka ist zum Sterben niedlich. Guckt euch unbedingt den BBC-Trailer an (die zugehörige Doku ist noch bis Ende des Monats verfügbar!).

Vor nicht allzu langer Zeit hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es in Zukunft möglich sein soll, ein neues, drittes Geschlecht im Geburtenregister eintragen zu lassen. Dazu gibt es im Deutschlandfunk einen Beitrag, in dem direkt und indirekt Betroffene sowie eine Sexualwissenschaftlerin interviewt werden. Besonders berührend fand ich die Geschichte von Lucie Veith, Gründungsmitglied des bundesweiten Vereins Intersexuelle Menschen .e.V. Als sie mit 23 Jahren von ihrer Intersexualität erfuhr, war sie bereits mit ihrem Mann verheiratet. Er sagte ihr, "dass er genau diesen Körper und diesen Menschen und diese Seele, die in mir lebt, liebt. Dass ich genau die Person bin, die er begehrt und dass er daran nichts ändern möchte." Heute sind sie seit über 40 Jahren verheiratet. 

Über Pimmelwitze hat Margarete Stockowski in ihrer Kolumne schon in der letzten Woche geschrieben, aber mir ist der Text erst jetzt über den Weg gelaufen. "Männerkörper bleiben oft unsichtbar [...]: Sie scheinen nicht der Rede wert, außer da, wo man ihnen Schwäche andichten möchte"- nämlich mit der Unterstellung, sie hätten einen kleinen Penis. Dafür nennt die Kolumnistin diverse Beispiele, darunter natürlich auch den US-amerikanischen Präsidenten. Ganz ehrlich? Es gibt so vieles an diesem Mann zu kritisieren, die Größe seiner Genitalien kann man da gut aus dem Spiel lassen.

Im Rahmen der #metoo-Diskussion haben Catherine Deneuve und andere berühmte Frauen einen offenen Brief unterzeichnet, indem sie die Debatte mit den Worten diskreditieren, die Freiheit jemandem lästig zu werden gehöre zum Miteinander der Geschlechter unbedingt dazu, um nicht in einer totalitären Gesellschaft zu enden. Mittlerweile gab es dazu auch eine Nicht-Entschuldigung, aber eben auch die eine oder andere kritische Antwort. Die bei bento fand ich gut. In einem Punkt widerspricht Birte Vogel in diesem Post auf thea: Sie vertritt die Ansicht, dass die unterzeichnenden Frauen in den gegebenen Strukturen einfach so lange profitiert haben, dass sie sie "womöglich auch annehmen, ihr Marktwert würde ins Bodenlose sinken, wenn sie nun dafür wären, Täter zur Rechenschaft zu ziehen." Traurige Vorstellung. Darüber hinaus beantwortet der Post außerdem die Frage, warum so viele Frauen sich erst jetzt, als unter Umständen nach vielen Jahren, zu Wort melden. Damit ist er vielleicht eine ganz gute Grundlage für eine der ermüdenden Diskussionen, in denen den Betroffenen eine (Mit-)Schuld gegeben wird.

Bevor ich mich nun wieder über Kisten beuge, schubse ich diesen Post rüber zu Andreas Samstagsplausch. Nachher mache ich dann eine Runde durch eure Blogs, um nachzuschauen wie eure Woche so war.

Habt ein wunderschönes Wochenende!


Samstag, 13. Januar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Großartige Tasse ist großartig.
Hallo ihr Lieben,

meine letzte Arbeitswoche liegt hinter mir. So richtig angekommen, ist diese Erkenntnis noch nicht. Als ich gestern Abend noch mit ein paar Lieblingskolleginnen zusammensaß, fühlte ich mich jedenfalls eindeutig so, als würde ich am Montag wieder ganz normal hingehen. Deswegen gibt es heute auch ein Büroselfie mit der besten Tasse, die dort im Schrank aufzutreiben war.
Beim Abschiedsfrühstück flossen tatsächlich einige Tränen - nicht nur mein eigenes Team stand zum Feiern bereit, sondern auch mehrere Menschen aus anderen Abteilungen. Sehr rührend. Abschiedskarten sind eine noch rührendere Sache, die zumindest bei mir alle Schleußen öffnen. Meine Abschiedsrunde hat dann auch über eine Stunde gedauert - eine Menge Menschen musste umarmt werden. Jetzt hoffe ich, nicht zu viele Bazillen verteilt zu haben, denn kaum starte ich ins Wochenende, lässt sich eine die typische Urlaubsstart-Erkältung nicht mehr verbergen. Das Blöde daran: Am Wochenende muss ich noch mehrere Wohnungsbesichtigungen abhalten, denn die Suche nach der Nachmieterin wird langsam dringender.

Netzfunde gibt es diese Woche trotz Abschiedstaumel auch wieder: Über Dobrindts Aufruf zu einer konservativen Revolution habe ich hier schon berichtet. Natürlich gab es auch Anfang dieser Woche noch ein entsprechendes Medienecho. Besonders lesenswert fand ich dabei diesen offenen Brief von Gisa Bodenstein im Humanistischen Pressedienst. Darin geht es um die CSU als selbsterklärtes Bindeglied zwischen Christen und Konfessionslosen, um Selbstbestimmung und Menschenrechte. Und natürlich um Patriotismus. Vom vielen Nicken wurde mir ganz schwindelig. 

Ein Produktfoto von H&M hat es in dieser Woche geschafft, gleich auf diversen Wegen in meine Feeds gespült zu werden. Den Pulli mit der Aufschrift "Coolest Monkey in the Jungle" an einem schwarzen Kind zu präsentieren wurde vielfach als rassistisch kritisiert. Selbstverständlich nicht ohne, dass andere Leute "Stellt euch doch nicht so an!", "Wenn ihr da gleich Rassismus seht, habt einfach ihr rassistische Bilder im Kopf!" und ähnliches krakeelten. Diesen Stimmen und insbesondere einem Kommentar auf welt.de tritt BILDblog hier entgegen: Diese Argumentation sei "ein Freibrief für den täglichen Rassismus, weil er die, die sich gegen ihn wehren, zu Simulanten erklärt."


Gern gelesen habe ich auch Eda Lindgrens Absage an die ständige Selbstoptimierungsrhetorik zum Jahresbeginn. Ihre Vorsätze für 2018: "Zufrieden sein, mit dem was ich habe. Öfter Pommes essen. Und rumliegen. Definitiv mehr rumliegen."

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein zufriedenes, leckeres und entspanntes Wochenende! Ich hüpfe mit meinem Beitrag jetzt noch rüber zu Andrea und mache es mir dann erstmal mit einem Buch gemütlich.


Dienstag, 9. Januar 2018

[Tell a Story] Meine Stadt

Der Stuttgarter Fernsehturm, Wahrzeichen meiner Heimatstadt, von oben betrachtet.
 Emma von Frühstück bei Emma hat sich für 2018 eine neue Linkparty ausgedacht: Unter dem Motto Tell a Story sammelt sie jeden Dienstag Fotos (und Worte) zu einem bestimmten Thema. Heute macht sie mit "Deine Stadt" den Anfang - und ich bin dabei. Vermutlich nicht jede Woche, vermutlich nicht zu jedem Thema. Aber mit dem Umzug vor Augen ist mir die Heimatstadt doch sehr präsent. Es ist Zeit für einen Liebesbrief.

Liebes Stuttgart,

du warst für mich immer die Stadt, die ich ohne mit der Wimper zu zucken zurücklassen konnte. Ohne auch nur einmal über die Schulter zu gucken bin ich nach Bamberg und nach Turku, Finnland, gezogen. Ich bin davon ausgegangen, dass das bei meinem Umzug nach Berlin einmal mehr so sein würde - vor allem, weil ich dieses Mal nicht ins Unbekannte, sondern zum Lieblingsmenschen ziehe und die Vorfreude so groß ist, dass ich manchmal zu platzen fürchte. 

Aber plötzlich stelle ich fest: Du hast dich in den vergangenen beiden Jahren in mein Herz geschlichen, es gefüllt mit Erinnerungen an Abende in der Sneak Preview, an akribisch gezählte Centmünzen vor dem Palast der Republik, an Gespräche morgens um vier, nach denen man einander plötzlich viel besser kennt. Gerade in den letzten Monaten hast du mir Menschen in die Arme geschubst, von denen ich monatelang gar nicht bemerkt hatte, dass da Freundschaften möglich wären. Ich bin dankbar für diese teils wenigen Wochen, auch wenn der eine oder andere Abschied sicher weh tun wird.

Ich werde dich mit einem weinenden Auge verlassen, Stuttgart, und mich unterwegs wahrscheinlich mehr als einmal nach dir umdrehen. Du warst mir ein gutes Zuhause. Und vielleicht werde ich dich sogar dann und wann ein bisschen vermissen.

Aber ich verspreche dir, dass ich dich besuchen komme. Auf ein Bier am Palast, auf einen Döner morgens um vier.

Die, die auf gepackten Koffern sitzt

Samstag, 6. Januar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Tee und schlechte Wortwitze zum Frühstück: immer gut.

Hallo ihr Lieben!

Seid ihr alle gut in 2018 angekommen? Ich habe den Jahreswechsel sehr gemütlich in Berlin verbracht und dort mein neues Zuhause vorbereitet - noch ein IKEA-Besuch, Möbel schrauben, Klamotten aufhängen, Regaleinrichtung überlegen. Der Januar stand vom ersten Tag an im Zweichen des Um- und Aufbruchs. Im Büro bin ich auch schon dabei, die Übergabe vorzubereiten und die laufenden Projekte so weit wie möglich voranzubringen. Nur noch fünf Arbeitstage, dann räume ich diesen Schreibtisch - ein seltsames Gefühl. Im Moment verbringe ich viel Zeit damit, mich "ein letztes Mal" für Mittagspausen zu verabreden. Nächsten Samstag kann ich euch dann wohl berichten, ob und wie viele Tränen ich beim Abschied vergossen habe (von den Kolleginnen, nicht vom Schreibtisch).

Weil ich so mit meinem eigenen Umbruch beschäftigt war, hätte ich fast verpasst, dass auch CSU-Politiker Dobrindt einen wünscht: In der Welt forderte er eine "konservative Revolution". Das klingt für mich nach einem mythischen Wesen aus dem Reich der Oxymora - und auch Marietta Slomka zeigt sich in diesem Interview in ZDF heute sehr irritiert: "Revolution ist nicht nur "Wir wollen wieder ein bisschen bürgerlicher werden", Revolution ist Aufstand, Systemveränderung, radikaler Wandel. Sind Sie sicher, dass das deutsche Bürgertum eine Revolution möchte? [...] Revolution ist per Definiton ein radikaler Umwechsel, ein Sturz." Nach diesem Interview habe ich einen guten Vorsatz für 2018: Ein bisschen mehr wie Marietta Slomka sein, ein bisschen häufiger Contra geben und widersprechen und weniger Dinge abnicken.

Da Alexander Dobrindt im Interview kaum Substanzielles sagt, wusste ich anschließend nichts mehr, als dass unsere Definitionen von "Revolution" auseinandergehen. Gleichzeitig habe ich aus verschiedenen Gründen keinerlei Lust, mir ein WELTonline-Abo zu besorgen, um den Ursprungstext zu lesen. Nicht mal auf Probe. Zum Glück hat Stand up-Comedian Markus Barth das für mich getan und den Text in diesem Blogpost auseinander genommen. Sein Ergebnis: "[...] man braucht das Gegenteil einer bürgerlich-konservativen Wende" - nämlich unter anderem Offenheit und Kompromissbereitschaft, um ein gutes Zusammenleben aller Menschen zu ermöglichen.

Während Markus Barth insgesamt einen versöhnlichen Ton anschlägt, ist Robin Detje auf ZEIT online eher gepflegt der Arsch geplatzt.  Lust auf eloquenten Rage-Mode? Dann bitte hier entlang. Ich weiß nämlich nicht, welchen Satz ich daraus zitieren soll, da ich nahezu jeden einzelnen davon küssen möchte. 


Mit diesen Links schaue ich bei Andrea zum Samstagsplausch vorbei, bevor ich mich daran mache, die Wohnung zu schrubben. Am Dienstag kommt meine Friseurin vorbei, die eventuell gerne meine Nachmieterin sein möchte. Ich bin gespannt!

Habt ein wunderschönes Wochenende!