Samstag, 25. November 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Symbolbild: Der Untersetzer von Antje ist immer noch mein täglicher Begleiter
Hallo ihr Lieben!

Hattet ihr eine schöne Woche? Meine war gefühlt sehr kurz. Am Donnerstag hatte ich frei, weil der Schornsteinfeger zur Kontrolle vorbeikam. Während er anschließend in der Nebenwohnung randalierte, las ich bei der fabelhaften Maike davon, dass ihr Mann aus der Kirche austreten wird. Das ist etwas, das ich schon seit geraumer Zeit vorhabe. Mit der geraumen Zeit meine ich diverse Jahre. Warum es dann nie passiert ist? Die üblichen Gründe: mit anderen Dingen beschäftigt, zu den Öffnungszeiten des Standesamtes anderswo (=arbeiten), prokrastinierend. Man kennt das ja. Aber wie ich so Maikes Post vor Augen und einen ganzen freien Nachmittag zur Verfügung hatte, war der Entscheidung endlich getroffen. Eine Stunde später war ich konfessionslos. (Weil das für mich zuständige Standesamt nämlich am Donnerstagnachmittag geöffnet hat und mir daher keine Gelegenheit gegeben wurde, das nochmal um ein paar Jahre zu verschieben.)

Ziemlich ähnlich war das, als ich damals bei der wunderbaren Frau Jule davon las, dass sie sich bei der DKMS als potenzielle Knochenmarkspenderin registriert hat.
Offenbar bin ich ein Mensch, der hin und wieder virtuelle Tritte in den Po braucht, um Zeug zu erledigen, das irgendwo unter der Oberfläche herumwabert. Ihr auch? Dann klickt auf die Links oben und macht mal.

Geärgert habe ich mich in dieser Woche auch - besonders, als die launige obere Hälfte längst getippt war. Und zwar darüber, dass die Gießener Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Wofür? Dafür, dass sie auf ihrer Webseite Informationen über Schwangerschaftsabbrüche zur Verfügung gestellt hat.

So sieht diese "Werbung" aus. (Screenshot, http://kristinahaenel.de/page_abbruch.php)
Verurteilt werden konnte die Ärztin auf Grundlage des Paragrafen 219a des Strafgesetzbuchs, der in Deutschland das Werben für Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Dieser Artikel auf Legal Tribune Online erläutert die rechtlichen Hintergründe; beim Lesen habe ich mir mehrmals an den Kopf gelangt.

Damit die Ärztin die Kosten nicht alleine tragen muss, haben Unterstützer*innen eine Spendenaktion gestartet, die ihr bei Interesse hier finden könnt. Ich werde spenden. Weil ich Wert darauf lege, diese Frau zu unterstützen, die ihrerseits trotz mehrerer Anklagen Menschen in Ausnahmesituationen unterstützt hat. Weil ich es verdammt wichtig finde, dass ungewollt Schwangere auf der Suche nach Informationen genau diese finden - und nicht nur die Seiten militanter Abtreibungsgegner. Weil ich mir wünsche, dass dieser Fall Bewegung in die Debatte bringt - und vielleicht sogar einen Schritt in eine rechtliche Veränderung.

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch setze ich mich heute zu Andrea in die wöchentliche Plauschrunde, um zu lesen, was euch im Moment bewegt.

Habt ein schönes Wochenende!

Kommentare:

  1. Ich bin schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Kirche. Ich bin nicht berit für etwas zu zahlen, an das ich nicht glaube und bei Kirche haben wir glücklicherweise diese Entscheidung des Austritts zu treffen. Ich bin zwar getauft und auch konfimiert. Warum? Das war ebne seinerzeit wohl so und so haben meine Eltern das eben gemacht, obwohl auch sie nicht gläubig sind!

    Gruß Marion

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    1. Schon seltsam, was zum Teil so gemacht wird, weil es "halt dazugehört", oder?
      Ich bin tatsächlich getauft und erstkommuniert (ich bezweifle, dass das ein Wort ist...), aber die Firmung habe ich dann mit 15 schon verweigert. Dass ich getauft wurde, finde ich okay, so hatte ich die Gelegenheit, mir den Verein mal von innen anzuschauen und mir ein Bild davon zu machen.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  2. Dieses schlichte Formular soll Werbung sein? Ich fasse es nicht. Zugang zu Informationen zu gewähren ist doch wie Bildung, ist ein Menschenrecht. Unsäglich. Liebe Grüsse von Regula

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    1. Der Screenshot ist natürlich von Freitag - ich weiß nicht, wie die Seite vor der Verhandlung ausgesehen hat. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dort stand "Wenn ihr abtreiben wollt, kommt zu mir! Bei mir bekommt ihr die günstigste Abtreibung in ganz Hessen! Ein Spaziergang von einem Eingriff, yay!". Denn sonst wäre sie bereits in einem der früheren Verfahren verurteilt worden, denke ich. Es ist ja nicht das erste Mal, dass jemand sie angezeigt hat.
      "Unsäglich" ist genau das richtige Wort.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  3. Danke für deine wieder mal sehr notwendigen Links!
    Bon week-end!
    Astrid

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    1. Ich hoffe, deines war auch toll, liebe Astrid! Ich geh nachher gleich mal gucken.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  4. danke für die erwähnung. aus der kirche bin ich auch schon vor ein paar jahren ausgetreten. da dachte ich aber nicht, dass ein beitrag dazu so etwas auslösen könnte. ich habe es bis heute nicht bereut.
    liebe grüße,
    jule*

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    1. Sagen wir, der Beitrag kam einfach genau im richtigen Moment.
      Bereuen werde ich den Austritt auch nicht - eines meiner Probleme mit der Kirche hängt auch mit ihren Sonderrechten als Arbeitgeber zusammen, weshalb ich mich schon vor Jahren entschieden habe, nicht (mehr) für konfessionelle Einrichtungen zu arbeiten.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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  5. Als Teenager bin ich mitgelaufen bei den Demonstrationen gegen den §218. Und bei anderen Aktionen, bei denen es um die Rechte der Frauen ging, auch wenn ich mich selber nie als Emanze bezeichnet hätte. Heute bin ich sehr erschrocken darüber, wie all diese Dinge, für die die Generationen meiner Mutter und mir damals gekämpft haben, einfach wieder den Bach runtergehen. Und ich fürchte mich, wenn ich sehe, wie tief die alten Ressentiments noch in den Köpfen der Menschen verankert sind. Wenn wir Frauen nicht aufpassen und zusammen halten, landen wir wieder dort, wo wir in den fünfziger Jahren waren. Bei den 3 Ks, Kinder, KÜche, Kirche und müssen noch unsere Ehemänner fragen, ob wir arbeiten gehen dürfen. Die Entwicklung in diesem Land macht mir Angst. Ehrlich.
    Hab trotzdem einen guten Start in die neue Woche.
    Liebe Grüße
    Kristin

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    1. Genau wie dir geht es mir auch. Diese Rechte für selbstverständlich zu halten und davon auszugehen, dass sie einfach in Stein gemeißelt und unverrückbar sind, halte ich für ganz schön gefährlich und naiv.

      Liebe Grüße und auch dir einen guten Start in die neue Woche
      Sabrina

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  6. Wieder eine schöne Sammlung.
    Über das Urteil, kann man sich streiten. Ich stehe nach wie vor dazu, das jede selber entscheiden darf und muss. Schließlich ist es mein Körper...
    Aus der Kirche bin ich schon vor Jahren ausgetreten. Ich habe nur einen Brief geschrieben. Ich bin nicht mal hingegangen...
    Hab noch eine schöne Woche und ich freue mich schon auf die nächsten Links.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ich hoffe, über dieses Urteil wird auch gestritten, damit dieses Selbstbestimmungsrecht auch wirklich durchgesetzt wird. Denn durch dieses lächerliche "Werbe"verbot wird ungewollt Schwangeren die Möglichkeit genommen, an Informationen zu kommen - und die sind in jedem Fall nötig, um Entscheidungen zu treffen.

      Ich wusste gar nicht, dass man per Brief austreten kann. Voll gut!

      Liebe Grüße und eine schöne Restwoche
      Sabrina

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